Formel 1 in Aserbaidschan Das verrückteste Rennen des Jahres

Sebastian Vettel und Lewis Hamilton lieferten sich in Baku einen erbitterten Kampf um die WM-Führung. Im Schatten der Stars sicherte sich ein 18-Jähriger seine erste Podiumsplatzierung. Alles Wichtige zum Rennen.

Sebastian Vettel, Valtteri Bottas, Lewis Hamilton (v.l.n.r.)
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Sebastian Vettel, Valtteri Bottas, Lewis Hamilton (v.l.n.r.)

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Frage des Rennens: Konnte Lewis Hamilton seine Aufholjagd weiter fortsetzen? Nach dem Sieg in Montreal vor zwei Wochen hatte der Rückstand auf den Führenden, Sebastian Vettel, nur noch zwölf Punkte betragen. Beim Großen Preis von Aserbaidschan startete der Brite zum insgesamt 66. Mal von der Poleposition, sein Rivale im Ferrari musste von Platz vier ins Rennen gehen und drohte somit seine Führung zu verlieren.

Personalie des Rennens: Obwohl Fernando Alonsos letzter WM-Titel schon elf Jahre zurückliegt, zählt er immer noch zu den besten Fahrern im Feld. Das Verhältnis zu seinem derzeitigen Team, McLaren-Honda, bleibt aber angespannt. Im Qualifying ließ er es sich nicht nehmen, sein nicht konkurrenzfähiges Auto zu verspotten. Kein Wunder, dass viel über die Zukunft des 35-Jährigen spekuliert wird. Immer wieder wird er auch mit Mercedes in Verbindung gebracht, was Niki Lauda vor dem Start jedoch dementierte.

Ergebnis: Daniel Ricciardo gewann im spektakulärsten Rennen des Jahres. Hinter ihm landeten Valtteri Bottas und Lance Stroll. Hier geht's zur Meldung.

Startaufstellung (Top Ten):

Hamilton - Bottas - Räikkönen - Vettel - Verstappen - Pérez - Ocon - Stroll - Massa - Ricciardo

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Formel 1 in Baku: Vier Neustarts und Vettels Ausraster

Startphase: Schon vor dem Rennen war man sich wegen der engen Streckenführung einig: Entweder scheuen die Fahrer das Risiko - oder es gibt ein Crash-Festival. Letzteres sollte zutreffen. Der Start verlief spektakulär. Die Ferrari-Piloten nutzen den schwachen Start von Bottas. Als Räikkönen seinen Landsmann in Kurve zwei überholen wollte, kam es zur Berührung. Vettel zog in der Folge an beiden vorbei und fuhr damit im Windschatten seines Rivalen. Hamilton gelang es aber zunächst, sich etwas abzusetzen.

Highlight des Rennens: Am Ende einer der vielen Safety-Car-Phasen in Runde 20 überschlugen sich die Ereignisse. Vettel fuhr Hamilton ins Auto, weil dieser überraschend stark abbremste. Vettel beschwerte sich wild gestikulierend. Doch nicht nur das: Der 30-Jährige rammte Hamilton, um sich bei ihm zu revanchieren. Nach weiteren Crashs, unter anderem zwischen den Teamkollegen Pérez und Esteban Ocon, sah sich die Rennleitung gezwungen, das Rennen komplett zu unterbrechen. In der 23-minütigen Pause ließen sich die Hauptprotagonisten nichts anmerken und würdigten sich keines Blickes.

Rivalität des Rennens: Nico Rosberg und Hamilton bekämpften sich in den vergangenen Jahren mit rauen Methoden. Die Situation eskalierte, als sie sich in Barcelona kurz nach dem Start gegenseitig von der Strecke beförderten - der Formel-1-Fan war geneigt zu glauben, dass es eine ähnliche Rivalität vorerst nicht mehr geben könnte, weil sich Vettel und Hamilton respektieren. Das könnte sich nun ändern.

Déjà-Vu des Rennens: Ob sich Vettel bei seiner unsportlichen Aktion auch an sein Idol zurückerinnerte? Michael Schumacher fuhr 1994 Damon Hill und nur drei Jahre später seinem Titelrivalen Jaques Villeneuve auf ähnliche Weise ins Auto - allerdings im Renntempo.

Manöver des Rennens: Trotz der erbitterten Duelle der beiden Stars, lieferten auch andere Fahrer interessante Überholmanöver. Nach der Wiederaufnahme des Rennens in Runde 23 zog Ricciardo vor einer Kurve an Ocon, Nico Hülkenberg und Felipe Masse gleichzeitig vorbei. Eine Aktion, die ihm letztlich seinen Sieg sicherte.

Chaos pur: Als hätte dieses Rennen nicht schon genug Geschichten geschrieben, ereignete sich in der 31. Runde die nächste: Hamiltons Kopfschutz war nicht richtig befestigt, weshalb er in die Box musste und seine Spitzenposition verlor. Im selben Moment entschied sich die Jury, Vettel wegen seines Verhaltens in Runde 20 mit einer Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe zu belegen. Der Deutsche hatte Glück und kam vor Hamilton wieder auf die Strecke.

Und was macht der Rest? Im Schatten des Vettel-Hamilton-Konfliktes sicherte sich Alonso dank eines fehlerfreien Rennens seine ersten Saisonpunkte. Doch vor allem die Situation auf dem Podium überraschte: Ricciardo gewann vor Bottas und dem erst 18-jährigen Stroll.

Aufholjagd des Rennens: So bewundernswert die Leistung von Stroll auch ist -mindestens ebenso beeindruckend war die Fahrt von Bottas. Der Mercedes-Pilot wurde nach seinem schwachen Start bis auf den letzten Platz durchgereicht. Die Situation schien aussichtslos - doch der Finne kämpfte sich zurück und wurde wenige Meter vor der Ziellinie mit Rang zwei belohnt. Natürlich profitierte er dabei auch vom Chaos, das sich vor ihm zugetragen hatte.



insgesamt 90 Beiträge
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steingärtner 25.06.2017
1. Alles ist gut
Hamilton hat nicht gewonnen. Also war es ein gutes Rennen. Da es keine Kiesbetten mehr gibt in die ich ihm wünschen kann, war der lose Protector ein verdientes Extra.
steingärtner 25.06.2017
2. Tiefpunkt des Rennens
Hamiltons Forderung, Bottas solle langsam fahren um Vettel einzubremsen. So kennt man ihn den "Sportsmann" Hamilton.
totalmayhem 25.06.2017
3.
Die Nummer die Vettel da abgezogen hat, war schon derbe. Bring das heutzutage mal auf der Autobahn, dann findet sich bestimmt ein eifriger Staatsanwalt, der dich wegen versuchten Mordes hinter Gitter bringt. Glueck fuer Vettel, dass die Stewards sich so lange Zeit liessen mit der Strafe, waere diese beizeiten ausgesprochen worden, haette er nicht die drei Runden zum Undercut nutzen koennen, waehrend Hamilton im "Verkehr" steckte. Noch schlimmer ist allerdings seine Uneinsichtigkeit nach dem Rennen.
TheFunk 25.06.2017
4. Rtl
hat schreckliche Moderatoren. Was soll diese pro Vettel Haltung? Das will ich gar nicht hören.
ex_Kamikaze 25.06.2017
5. Für diese Aktion
gehört Vettel mindestens 2 Rennen gesperrt. Wieder einmal hat er ein Probe seines total egozentrischen und völlig wertfreien und ebenso unreifen Charakters gegeben. Arrogant, überheblich und ohne jedes Selbstkritik rüpelt sich dieser Lümmel durch die PS-Branche. Wenn ihn jetzt keiner stoppt wird er irgendwann für irgendjemand zur Gefahr.
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