Red-Bull-Sieg in Barcelona trotz Problemen »Wir können nicht mal das DRS zum Laufen bringen, unglaublich«

Das Formel-1-Rennen in Spanien wurde zur Materialschlacht: Während Max Verstappen wegen seiner defekten Überholhilfe DRS wütete, wirkte Charles Leclerc im Ferrari zunächst unantastbar. Doch dann kam es ganz anders.
Ende gut, alles gut in Barcelona – zumindest für Max Verstappen

Ende gut, alles gut in Barcelona – zumindest für Max Verstappen

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ALBERT GEA / REUTERS

»Where is the ***** DRS?«: In Runde 13 begannen wieder die Probleme mit Max Verstappens Heckflügel. Der Red Bull kämpft in dieser Saison mit der Zuverlässigkeit, und der eigentlich verstellbare Flügel klemmte bereits im Qualifying. Er tat es am Sonntag erneut, ausgerechnet als der Weltmeister versuchte, George Russell im Mercedes zu attackieren, was dadurch erschwert wurde. Ein Teil des Flügels öffnete sich nicht zuverlässig, die Red-Bull-Crew erreichten zornige Funksprüche ihres Topfahrers. Einmal sagten sie ihm, er habe das sogenannte Drag Reduction System (DRS) womöglich gleich wieder geschlossen: »Ja, weil ich 50 Mal darauf drücke und nichts passiert«, zürnte Verstappen – der in solchen Situationen nicht mit übermäßig viel Geduld reagiert: »Wir können nicht mal das Scheiß-DRS zum Laufen bringen, unglaublich.« Doch dann folgte ein sehenswerter Zweikampf, in dem er Russell in Kurve eins innen attackierte und der Brite gleich konterte (Runde 24). Es ging zu diesem Zeitpunkt um Platz zwei, Ferrari-Pilot Charles Leclerc schien mit rund 30 Sekunden vorne entrückt.

Das Ergebnis: Ins Ziel bringen konnte der (bis dahin) WM-Führende seinen Vorsprung jedoch nicht. Im Gegenteil: Auf dem Podium fand sich am Ende kein Ferrari-Fahrer. Stattdessen feierte Red Bull mit Verstappen auf der Eins und Sergio Pérez auf der Zwei einen Doppelsieg, Dritter wurde Russell. Lesen Sie hier den Rennbericht.

Charles Leclerc reagiert frustriert nach seinem Ausfall

Charles Leclerc reagiert frustriert nach seinem Ausfall

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Der Start: Leclerc verteidigte die Führung vor Verstappen, Russell schob sich an Carlos Sainz im zweiten Ferrari auf Platz drei vor. Dahinter wurde es chaotisch. Mick Schumacher kam von Rang zehn sehr gut weg, machte Positionen gut und profitierte zudem von einem Crash seines Teamkollegen: Kevin Magnussen kollidierte mit Lewis Hamilton und fiel ans Ende des Feldes, der Rekordweltmeister musste für neue Reifen an die Box und fand sich ebenfalls ganz hinten wieder.

Die Hitze, der Wind, der Kies: Schon früh wurde klar, dass der Circuit de Barcelona-Catalunya Mensch und Maschine bei 36 Grad Außen- und 48 Grad Streckentemperatur fordern würde. In Runde neun drehte sich Verstappen aus Kurve vier in den Kies, fiel auf Platz vier zurück, hinter seinen Teamkollegen. Eine Windböe soll schuld gewesen sein. An gleicher Stelle war eine Runde zuvor auch Sainz im Kiesbett gelandet. Wenig später meldete Russells Mercedes eine Temperaturwarnung, obwohl kein Auto vor ihm war (12).

»Nein! Nein! Nein! Was ist passiert?«: Nachdem Pérez schnell Platz für Verstappen gemacht hatte, nahm dieser mit defektem DRS die Verfolgung auf Russell auf. Doch plötzlich wurde Leclerc im Ferrari vorne langsam. »Was ist passiert, ich verliere Power?«, schrie er über Funk – doch es half nichts. Langsam lenkte er den Ferrari in die Box, die Crew schob ihn in die Garage. Die Scuderia teilte mit: »Wir mussten Charles' Auto wegen eines noch nicht identifizierten Power-Unit-Problems aus dem Verkehr ziehen.« Leclerc sagte später, ob es an der Hitze gelegen habe, sei noch unklar. Er glaube es aber nicht.

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Spektakuläres Manöver gegen Bottas: Nachdem der Favorit ausgeräumt war, kämpften die Red Bull und Russell um den Sieg. Nachdem er Russell zuvor nicht überholen konnte, stellte Red Bull Verstappens Strategie auf drei Stopps um. Der Weltmeister holte sich Soft-Reifen und zeigte direkt ein aggressives Überholmanöver gegen Valtteri Bottas, an dem er in Kurve 12 außen vorbeiging und Platz drei zurückeroberte (32). Man ahnte die aufgestaute Ungeduld beim Red-Bull-Piloten nach den Problemen zuvor. Kollege Pérez ging zuvor an Russell vorbei in Führung. Verstappen fuhr den Rückstand auf Russell zügig zu, daraufhin kamen der Mercedes-Pilot und Pérez zum Reifenwechsel.

Pérez meckert: Verstappen führte das Feld kurzzeitig an, musste aber noch mal neue Reifen aufziehen (45). Pérez übernahm die Führung, Verstappen kam vor Russell wieder heraus. Das Team sagte Pérez, er solle den schnell aufschließenden Verstappen ohne Gegenwehr vorbeilassen. »Unfair«, sei das, quittierte der Mexikaner, fügte sich aber in Runde 49 – und holte sich mit frischen Reifen noch den Punkt für die schnellste Rennrunde.

Hamilton will schon aufgeben: Nach der Kollision mit Magnussen war Hamilton bereits ganz zu Beginn des Rennens mit einem Platten in die Box geschlichen. Der Brite riet seinem Team, lieber den Motor zu schonen, statt auf eine Aufholjagd zu setzen. Mercedes aber verweigerte ihm den frühen Feierabend. Zu Recht, denn am Ende reichte es für Hamilton, der in den fünf Jahren zuvor stets in Barcelona gewonnen hatte, noch für Rang fünf.

Champagnerdusche gegen die Hitze: Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach der Siegerehrung

Champagnerdusche gegen die Hitze: Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach der Siegerehrung

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ALBERT GEA / REUTERS

Verstappen in der WM vorn: Auch Red Bull hat allen Grund zum Jubeln – trotz der technischen Probleme. Eigentlich wollte Ferrari sich mit dem modifizierten Auto , das in den letzten zwei Rennen rund zwei Zehntel auf den Red Bull verloren hatte, zurückmelden. Stattdessen übernahm Verstappen die Gesamtführung: Mit 110 Punkten liegt der Niederländer nun sechs Zähler vor Leclerc. Weiterhin gilt für diese Saison: Beendet Verstappen ein Rennen, gewinnt er es.