Hamilton beim Formel-1-Rennen in Kanada »Unfahrbares Auto«? Fürs Podium hat es gereicht

Der Mercedes werde immer schlechter, hatte Lewis Hamilton geschimpft – und sich dann selbst überrascht. Charles Leclerc zeigte eine Aufholjagd, doch er verliert immer mehr auf Sieger Max Verstappen.
Lewis Hamilton (links) jubelt enthusiastischer über seinen dritten Platz als der Zweite Carlos Sainz (rechts)

Lewis Hamilton (links) jubelt enthusiastischer über seinen dritten Platz als der Zweite Carlos Sainz (rechts)

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Paul Chiasson / AP

Der Mercedes nimmt, der Mercedes gibt: »Ich fühle mich fast wieder jung« sagte ein strahlender Lewis Hamilton nach dem Großen Preis von Kanada. Der Brite war zum ersten Mal seit dem Saisonauftakt wieder aufs Podium gefahren. Auf dem Weg zur Champagnersause lachte er. Auch sein Rücken, der ihm aufgrund des hüpfenden Mercedes noch in Baku große Probleme bereitet hatte , sei in Ordnung, sagte der Brite, dessen gute Leistung ihn offenbar selbst zu überraschen schien. Noch am Freitag hatte er über den »unfahrbaren« W13 geschimpft. »Das Auto wird immer schlechter, je mehr wir daran machen«, hatte er gesagt. Der dritte Platz in Montréal sei hingegen »ziemlich überwältigend«, sagte der Brite nun. Auf Max Verstappen und Carlos Sainz fehlte allerdings einiges, der WM-Führende lieferte sich im letzten Teil des Rennens mit dem Ferrari-Piloten eine Hatz bis zum Schluss.

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Das Ergebnis: Mit besserem Ausgang für Verstappen. In seinem 150 Grand Prix machte der 24-Jährige einen weiteren Schritt in Richtung Titelverteidigung. Hamilton, der vor seinem Teamkollegen George Russell ins Ziel kam, profitierte auch von der Pechsträhne der WM-Verfolger Sergio Pérez (fiel aus) und Charles Leclerc (startete wegen einer Motorstrafe aus der letzten Reihe). Lesen Sie hier den Rennbericht.

Der Start: Als nach zwei Jahren Corona-Zwangspause vor vollen Rängen auf dem Circuit Gilles Villeneuve die roten Ampeln ausgingen, verteidigte Verstappen seine zweite Poleposition des Jahres. Fernando Alonso attackierte im Alpine nicht, Sainz blieb auf Position drei vor Hamilton, dahinter reihte sich Kevin Magnussen ein, gefolgt von Esteban Ocon, der einen Platz gegen Mick Schumacher gutmachte. Pérez schob sich zwei Plätze vor, musste seinen Red Bull allerdings bereits in Runde neun abstellen. »Der Motor ist aus«, funkte er.

Tsunoda fährt in die Wand – und macht es noch mal spannend: Damit fiel auch der potenzielle Helfer für Verstappen aus, der die virtuelle Safety-Car-Phase schnell zum Reifenwechsel nutzte. Zurück auf der Strecke, schnappte er sich recht zügig Alonso. An der Spitze aber fuhr Sainz, der wie Leclerc vor einer Woche in Baku von einem Motordefekt gestoppt worden war. Und auch Hamilton hielt sich prächtig, hatte wie Verstappen die Reifen wechseln lassen. Es schien alles soweit entschieden, bis Alpha-Tauri-Pilot Yuki Tsunoda abflog. Das Safety Car musste raus, Sainz kam direkt rein. Mit nun frischeren Reifen machte der Spanier auf den letzten Runden gehörig Druck auf Verstappen. Der Niederländer leistete sich aber keinen Fehler und fuhr seinen sechsten Saisonsieg ein.

»Sorry, Mick, du warst super drauf«: Nach Startplatz sechs hatte Schumacher sich berechtigte Hoffnungen auf seine ersten WM-Punkte gemacht, doch nur 20 Runden lang. Dann musste der 23-Jährige seinen Haas mit einem technischen Defekt parken, ebenso wie Pérez in Kurve neun. Schumacher hatte zu dem Zeitpunkt auf Position sieben gelegen. Der Deutsche stand zuletzt bei dem Rennstall unter Druck , doch nun bat sein Team via Funk um Entschuldigung, die Reaktion war überpiepst. »Ich nehme aber viel Positives mit«, sagte Schumacher später beim Sender Sky.

Mick Schumacher bespricht sich vor dem Start mit seinen Ingenieuren

Mick Schumacher bespricht sich vor dem Start mit seinen Ingenieuren

Foto: IMAGO/Andy Hone / IMAGO/Motorsport Images

Die Aufholjagd des Charles Leclerc: Der Ferrari-Pilot blieb lange auf seinem ersten Reifensatz und arbeitete sich von Startplatz 19 nach vorne. Im Kampf um Platz fünf gegen Alonsos Alpine-Teamkollegen Esteban Ocon war für ihn aber kein Vorbeikommen. Nach 42 von 70 Runden wechselte Leclerc seine Reifen, doch der Stopp war langsam und er fand sich außerhalb der Punkteränge wieder. Wieder musste er sich vorarbeiten. Am Ende reichte es für Platz fünf – in der WM-Wertung fehlen ihm nun schon 49 Zähler auf Verstappen.

Enttäuschung bei Vettel: Sebastian Vettel, der in Kanada nicht über den zwölften Platz hinausgekommen war, soll während einer Safety-Car-Phase einen Regelverstoß begangen haben. Er musste daher am späten Sonntagabend zu den Rennkommissaren. Sie warfen ihm vor, nicht die vorgeschriebenen zehn Längen zum Vordermann eingehalten zu haben, als das Feld nach einem Unfall des Japaners Tsunoda hinter dem Safety Car fuhr. Doch zu einer Strafe kam es nicht.

Hunderte PS und ein Murmeltier: Für einen Schrecken eigener Art hat in Montréal ein Vierbeiner gesorgt. Im ersten freien Training lief ein Murmeltier zwischen drei herannahenden Autos über die Strecke, besonders Sainz im Ferrari fuhr nur äußerst knapp an dem Tier vorbei. Es hatte mehr Glück als einer seiner Artgenossen einige Jahre zuvor: 2018 erwischte Romain Grosjean in Kanada ein querendes Tier mit seinem Haas und tötete es. »Wir haben unsere pelzigen kleinen Freunde in Montréal vermisst« schrieb die Formel 1 bei Twitter über das Video aus dem Training.

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Erst mal weiter hüpfen: Erst am Donnerstag hatte der Automobil-Weltverband Fia bekannt gegeben, die zehn Rennställe zum Thema »Bouncing« mittels einer technischen Direktive in die Pflicht zu nehmen . Ziel sei es, das Hüpfen zu »verringern« oder zu »beseitigen«, und zwar zum Wohle der Fahrer. Viele von diesen hatten in Baku über Schmerzen und Beeinträchtigungen geklagt . In Kanada passierte dann aber erst mal wenig. Sanktionen wurden auf das nächste Grand-Prix-Wochenende in Silverstone geschoben – weil Rennställe vorbrachten, so schnell sei kein valider Grenzwert für das Hüpfen zu ermitteln. Deswegen wurden in Montreal lediglich Daten und Erfahrungen gesammelt.

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