Hamilton-Sieg in Mexiko Wenn man (noch) nicht Weltmeister wird - und trotzdem feiert

Valtteri Bottas hat den vorzeitigen sechsten WM-Titel seines Teamkollegen Lewis Hamilton verhindert - der Brite war dennoch glücklich. Ferrari haderte mal wieder mit der Strategie und mit einem Boxenstopp.

Lewis Hamilton mit Sombrero bei der Siegerehrung
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Lewis Hamilton mit Sombrero bei der Siegerehrung


Szene des Rennens: Eigentlich hätte die Schlussphase alle Anlagen dazu gehabt, die spannendsten Bilder des Rennens zu liefern: Mercedes gegen Ferrari, Lewis Hamilton vor Sebastian Vettel vor Valtteri Bottas vor Charles Leclerc - und alle nur wenige Sekunden voneinander entfernt. Zu einem Racing-Showdown kam es dann jedoch nicht. Vier Runden vor Schluss variierten die Rundenzeiten der Top drei nur um Tausendstelsekunden, Vettel gelang es nicht, bedeutend näher an Hamilton heranzufahren. Sein Abstand auf den Briten betrug stets rund zwei Sekunden. Und so lieferte der alte und sehr wahrscheinlich neue Weltmeister die Bilder des Tages, in dem er nach der Zieleinfahrt vor den jubelnden Zuschauern einen "Donut" drehte:

Das Ergebnis: Hamilton feierte in Mexiko seinen zehnten Saison- und 83. Karrieresieg, für Mercedes war es der 100. Formel-1-Erfolg als Werksteam. Zweiter wurde Vettel vor Hamiltons Teamkollegen Bottas. Lesen Sie hier den Rennbericht.

Geduld ist eine Tugend: Und scheint zumindest Hamilton Spaß zu machen. Der Brite hätte in Mexiko - wie in den vergangenen zwei Jahren - vorzeitig seinen sechsten WM-Titel feiern können. Dazu hätte er mindestens 14 Punkte Vorsprung vor Bottas, der ihm als einziger noch gefährlich werden kann, herausfahren müssen. Doch der Finne war zu gut und durchkreuzte mit seinem Podiumsplatz diese Pläne. "Mir ist egal, dass ich noch warten muss, ich liebe Racing, und ich nehme einfach ein Rennen nach dem anderen", sagte Hamilton nach der Zieleinfahrt, "ich bin richtig happy". Optimistisch war er nicht an den Start gegangen, in Mexiko-Stadt konnte er bisher erst einmal gewinnen, die Strecke liegt den Mercedes nicht. In den vergangenen beiden Jahren gelang ihm trotz des vorzeitigen Titelgewinns kein Podiumsplatz.

Ferrari vergibt die Doppel-Pole: Anders sah es zunächst für die Ferrari aus, die das Rennen vom Start aus anführten und ihre Plätze zunächst verteidigen konnten. Bei den Reifenwechseln büßten sie ihre Siegchancen jedoch ein. In Runde 23 kam Hamilton zum Reifenwechsel an die Box. Ferrari wollte zunächst mit Vettel reagieren, doch der zögerte seinen Stopp bis zur 38. Runde hinaus. "Es fühlt sich so an, als hätten wir die Reifen zu früh gewechselt", funkte Hamilton daraufhin an seine Box - doch die Reifen hielten.

Die Scuderia beim Boxenstopp
Getty Images

Die Scuderia beim Boxenstopp

Leclerc war mit einer Zwei-Stopp-Strategie unterwegs. Bei seinem zweiten Reifenwechsel in Runde 44 verlor der Monegasse zudem noch rund vier Sekunden, da es Probleme bei der Befestigung des rechten Hinterrades gab. Er kam als Fünfter hinter Bottas wieder auf die Strecke. Leclerc gab sich nach dem Rennen selbstkritisch: "Okay, die Strategie war nicht gut, aber ich hätte wohl am Funk etwas sagen sollen, hätte mich besser durchsetzen sollen, um dem Team zu helfen, die richtige Entscheidung zu treffen, wie es Seb gemacht hat. Also müssen wir davon lernen und weitermachen."

"Eine Stadt, die fasziniert": Beim Grand Prix in Mexiko-Stadt überschlagen sich die Superlative: Der Autódromo Hermanos Rodríguez liegt mit 2285 Metern über Meeresniveau besonders hoch, die Luft ist besonders dünn, der Kurs führt durch ein Baseballstadion, und das Rahmenprogramm ist besonders bunt. Der Sky-Kommentator bewarb den besonderen Termin im Rennkalender mit etwas anderen Argumenten: "Eine Stadt, die fasziniert, viel Verkehr, viel Smog, viel schlechte Luft." Nun ja, vielleicht eine ganz treffende Art und Weise, ein Formel-1-Rennen anzukündigen. An der Strecke scheint das mit dem Verkehr und der Luft jedenfalls niemanden zu stören:

Die Show vor dem Rennen in Mexiko ist bunt
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Die Show vor dem Rennen in Mexiko ist bunt

Die Fahrstuhlfahrt des Max Verstappen: Der 21-jährige Niederländer, der in den vergangenen beiden Jahren in Mexiko gewinnen konnte, galt als einer der Favoriten - und demonstrierte im Qualifying seine starke Leistung auf dem Kurs. Der Red-Bull-Pilot verlor seine Pole Position jedoch, da er nach einem Crash von Bottas nicht wie vorgeschrieben langsamer fuhr und von den Rennkommissaren nachträglich auf Startplatz vier versetzt wurde. Nach einer Berührung mit Bottas zog sich Verstappen an seinem Auto einen Platten zu und musste auf der Felge in die Box. Vom letzten Startplatz arbeitete er sich im Verlauf des Rennens noch auf den sechsten Platz vor.

Wie geht es weiter: Hamilton kann beim Großen Preis der USA am kommenden Sonntag (20.10 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL, TV: RTL, Sky) seinen sechsten Titel perfekt machen. Der britische Mercedes-Pilot geht mit 74 Punkten Vorsprung auf seinen finnischen Teamkollegen Valtteri Bottas in den drittletzten Saisonlauf in Austin/Texas.

Mit Material von dpa und sid



insgesamt 7 Beiträge
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Wigritz 28.10.2019
1. Was für ein Rennsport.
Wo es nur noch um die Qualität der Besohlung geht.
bhang 28.10.2019
2. Der 22-jährige
Niederländer...
rsl1411 28.10.2019
3.
Bevor es hier gleich wieder absurde Diskussionen über Motorsport an sich gibt (wir sind ja schließlich bei SPON): Herzlichen Glückwunsch an Lewis Hamilton! Er war dieses Jahr zweifellos der beste und konstanteste Fahrer (von den vier Fahrern, die eine Chance auf den Titel hatten). Vom Auto her ist der Ferrari wohl ebenbürtig gewesen, aber dort sind einfach zu viele Fehler passiert, die sich Mercedes und LH nicht geleistet haben.
krispetersen 28.10.2019
4. Hamilton = Champion
Hamilton macht praktisch keine Fehler. Auch strategisch ist Mercedes Ferrari meist besser. Verdiente Dominanz. Ferrari hat den Titel in der ersten Saisonhälfte verloren.
hokuspokusschwarzekatze 28.10.2019
5. ojeojeoje
Hilfe an die box meine reifen halten nicht seid ihr sicher das sie bis Schluss halten oh nein ich glaube eher nicht auf so einen Schwachsinn reagiert Ferrari mit einer total falschen Strategie wie oft wollen die noch auf den Boxenfunk von hamilton hereinfallen
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