Hamilton und Verstappen kollidieren in Monza erneut »Motor aus, bitte, Lewis«

Beim spektakulären McLaren-Doppelsieg haben sich die WM-Rivalen abgeschossen. Der Mercedes bockte den Red Bull auf. Der Cockpitschutz verhinderte Schlimmeres, die Stewards gaben Max Verstappen die Hauptschuld.
Lewis Hamilton versuchte nach dem Unfall noch, den Mercedes im Rückwärtsgang unter dem Red Bull zu befreien – vergebens

Lewis Hamilton versuchte nach dem Unfall noch, den Mercedes im Rückwärtsgang unter dem Red Bull zu befreien – vergebens

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Getty Images

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Passiert das jetzt öfter? Es ist jetzt schon eines der Bilder des Formel-1-Jahres: Lewis Hamiltons Mercedes hat den Red Bull seines Rivalen Max Verstappen aufgebockt, der Brite versucht, das Auto im Rückwärtsgang noch freizubekommen, Kies spritzt. Dabei ist klar, dass nichts mehr geht. Verstappen war schon gegangen. Hamilton gab dann auch auf, sein Team hatte ihn inständig gebeten (»Motor aus, bitte, Lewis« hieß es über Funk ). Er stieg aus, schüttelte den Kopf. Zuvor waren die WM-Konkurrenten kollidiert – schon wieder. Und diesmal haben sie sich beide aus dem Rennen genommen. Bereits zu Rennbeginn gab es eine erste Berührung, Erinnerungen an Silverstone wurden wach, als Verstappen nach einem Crash mit Hamilton ins Krankenhaus musste und der Brite gewann. Das wird sich doch nicht wiederholen, dachte der ein oder andere sicher noch. Doch – es geht um den WM-Titel.

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Das Ergebnis: Der Kampf um die Punkte an der Spitze vertagt sich derweil. Stattdessen holten Daniel Ricciardo und Lando Norris beim Großen Preis von Italien für McLaren den ersten Doppelsieg seit 2010. Dritter wurde Valtteri Bottas, der seine letzte Saison für Mercedes fährt – und vom Ende des Feldes startete. Lesen Sie hier den Rennbericht.

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Favoritenschreck Monza: Der Hochgeschwindigkeitskurs in Italien zeigte sich zuletzt als Garant für Überraschungssieger und spektakuläre Rennen. 2019 begeisterte Charles Leclerc die Tifosi mit dem ersten Ferrari-Heimsieg seit neun Jahren. Im vergangenen Jahr konnte Pierre Gasly im Alpha Tauri sein Glück kaum fassen.

WM-Konkurrenten an der Nase herumgeführt: In diesem Jahr gab sich McLaren bereits vor dem Start kämpferisch. »Wir versuchen Max beim Start zu kriegen«, hatte Teamchef Andreas Seidl im ORF über die Strategie für seine beiden Piloten gesagt, die von Platz zwei und drei ins Rennen gegangen waren. Und das klappte: Ricciardo ging an Verstappen vorbei, Hamilton kassierte Norris zwar kurzzeitig, musste sich nach einer Berührung mit Verstappen im Kampf um Platz zwei aber wieder dahinter einreihen. Im Anschluss gelang es den McLaren, beide hinter sich zu halten. 20 Runden lang ging das so.

Die schönste Szene des Rennens: Daniel Ricciardo (rechts) und Teamkollege Lando Norris herzen sich nach ihrem Doppelsieg

Die schönste Szene des Rennens: Daniel Ricciardo (rechts) und Teamkollege Lando Norris herzen sich nach ihrem Doppelsieg

Foto: Lars Baron / AP

11,1 Sekunden, die die Welt bedeuten können: Erst die Stopps brachten Abwechslung – und was für welche. Als Erster kam Ricciardo in die Box (Runde 23), kurz darauf Verstappen. Doch das Red-Bull-Team, für seine schnelle Boxenarbeit bekannt, patzte beim Reifenwechsel, Verstappen stand über elf Sekunden. Das führte zur Schlüsselstelle des Rennens: Der WM-Führende verlor zahlreiche Positionen und traf auf der Start-Ziel-Geraden auf Hamilton, der unmittelbar nach ihm gestoppt hatte und aus der Boxengasse kam. Verstappen versuchte in der ersten Schikane zu überholen, Hamilton ließ wenig Platz, der Red Bull rumpelte über die Kerbs, kollidierte mit dem Mercedes und hob ab.

Halo sei Dank: Beide Fahrer zogen sich offenbar keine schweren Verletzungen zu – in der Wiederholung der Bilder zeigte sich, welche wichtige Rolle der Cockpitschutz spielte, der Hamilton vor dem herabstürzende Auto sicherte. Wie gefährlich der Rennsport sein kann, wurde in der Szene dennoch mehr als deutlich. Der Halo (übersetzt Heiligenschein) war 2018 eingeführt worden, um die Fahrer vor herumfliegenden Teilen zu schützen oder auch, wenn sich ein Wagen unter einen anderen schiebt. Im vergangenen November raste der Wagen von Romain Grosjean beim Feuerunfall in Bahrain mit hoher Geschwindigkeit durch die Leitplanken. Das Auto war zerteilt worden, der Halo aber hatte gehalten und der französische Pilot war bis auf Verbrennungen vor allem an den Händen nicht schwerer verletzt worden.

Der Schreckmoment: »Halo hat Lewis heute auf jeden Fall das Leben gerettet«, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff

Der Schreckmoment: »Halo hat Lewis heute auf jeden Fall das Leben gerettet«, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff

Foto: ANDREJ ISAKOVIC / AFP

Niemand zieht zurück: Verstappen sagte nach dem Rennen, Hamilton habe ihm wenig Platz gelassen, und: »Du brauchst immer zwei Leute in einer Kurve, die zusammenarbeiten. Das hat er nicht gemacht.« Hamilton konterte, er sei »so hart gefahren, wie ich konnte«, das sei Rennsport. Über seinen Konkurrenten sagte er: »Er wollte keinen Platz machen. Und er wusste, was dann passieren würde in Kurve zwei.« Mercedes-Sportchef Toto Wolff rief dazu auf, auf »taktische Fouls« zu verzichten. Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko wertete den Vorfall als »Rennunfall« und sah auch beim eigenen Team einen Fehler: »Es ist unsere Schuld, dass Max und Hamilton sich überhaupt nahe gekommen sind.«

Strafe für Verstappen: Beide Fahrer wurden zu den Rennkommissaren geladen. Diese prüften den Vorfall und gaben Verstappen schließlich die Hauptschuld an der Kollision. Verstappen habe »spät gebremst« und sich neben Hamiltons Mercedes geschoben, »obwohl Wagen 33 zu keinem Zeitpunkt in der Sequenz weiter nach vorne kam als bis kurz hinter das Vorderrad von Wagen 44«. Weiter hieß es seitens der Stewards, Verstappen hätte den Kontakt durch Bremsen oder Ausweichen über den Randstein vermeiden müssen. Hamiltons Position sei dagegen »angemessen« gewesen. Verstappen wird beim anstehenden Rennen in Russland am 26. September um drei Startplätze zurückversetzt.

Nicht die einzige Kollision: Ernüchtert war auch Sebastian Vettel, der mit seinem Aston Martin von Esteban Ocon (Alpine) selbst fast von der Strecke gedrängt worden war. Bereits in Runde fünf hatte er nach einer Berührung mit seinem Teamkollegen Lance Stroll einige Plätze verloren. Und auch Mick Schumacher (15.) wurde erneut von seinem Haas-Kollegen Nikita Masepin in eine Kollision verwickelt, Schumachers Haas wurde durch die Berührung in der Della-Roggia-Schikane rausgedreht. Masepin erhielt eine Fünfsekundenstrafe für die Aktion und schied später aus.

Anmerkung: Der Text wurde nach der Entscheidung der Rennkommissare um das Urteil aktualisiert.

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