Formel-1 in Monza Vettel holt Sensationssieg, Schumacher applaudiert

Mit dem Sieg in Monza im zweitklassigen Toro-Rosso-Team hat Sebastian Vettel Hoffnungen auf eine Schumacher-Nachfolge geweckt. Auf dessen Spuren wandelte auch Lewis Hamilton, allerdings nur in der ersten Rennhälfte.
Von Jan Reschke

Hamburg - Ungläubig fasst er sich immer wieder an den Kopf, schüttelt ihn. Seine Hände ballen sich im Sekundentakt zu Fäusten, von überall hört man "Bravissimo"-Rufe. Sebastian Vettel hat soeben in Italien seinen ersten Formel-1-Sieg errungen. Und damit Rennsportgeschichte geschrieben. Denn Vettel ist mit seinen 21 Jahren der jüngste Fahrer, dem dieses Kunststück gelingt.

Nach seinem Sieg sagte Vettel mit breitem Lachen auf der Pressekonferenz: "Wir hatten die Eier, es zu machen. Das ist der beste Tag in meinem Leben. Unvorstellbar, großartig." Sein Erfolgsrezept: "Wir sind von einer etwas trockeneren Strecke ausgegangen und haben den Abtrieb entsprechend angepasst", so Vettel, der damit vom nachlassenden Niederschlag profitierte.

Der erste Rekordeintrag in Monza war die Pole Position, auch hier war er der jüngste Fahrer, dem dies gelang. Vettel, ein Mann der Rekorde, auf den Spuren von Michael Schumacher. Der Altmeister war bei Vettels Erfolg vor Ort und zeigte sich begeistert: "Es war ziemlich viel Chaos, aber einen hat das ganze irgendwie überhaupt nicht gestört. Der hat da vorne seine Runden gedreht, und das hat er absolut bravourös gemacht. Es war schön anzuschauen", analysierte Schumacher.

Vettels Erfolg ist mehr als bemerkenswert, denn er kam nicht, wie seine Pole Position nach dem verregneten Qualifying, durch nahezu irreguläre Bedingungen und damit eher zufällig zustande. Dieser Sieg war absolut verdient. Weil Vettel vom Start weg beim Großen Preis in Monza die beste Performance aller Fahrer im Feld zeigte, keinen Fehler beging und die richtige Rennstrategie festgelegt hatte.

Sein Rennstall, Toro Rosso, ist das Farmteam von Redbull Racing, ebenfalls gesponsort von Mäzen Dietrich Mateschitz, der Milliarden mit dem Verkauf von Getränken verdient. Ebenfalls Anteilseigner und Sportchef ist der ehemalige österreichische Formel-1-Fahrer Gerhard Berger. Doch anders als Red Bull Racing, das mit Renault-Motoren fährt, sind die Toro-Rosso-Boliden mit Ferrari-Motoren ausgerüstet.

Toro Rosso war bis zum Jahr 2005 auch unter dem Namen Minardi bekannt. Ein Rennstall, der als bestes Abschneiden in der Gesamtwertung einen elften Platz von Pierluigi Martini ausweisen kann - im Jahr 1991. Die "Roten Stiere" hatten in den vergangenen beiden Rennen schon angedeutet, dass die Performance des Autos für das Mittelfeld reichen kann. In Valencia beim Großen Preis von Europa wurde Vettel sechster, sein Teamkollege Sébastien Bourdais, der heute am Start stehen blieb, zehnter. Im Rennen darauf, beim Grand Prix in Spa-Francorchamps, wurde Vettel sogar fünfter, Bourdais landete zwei Ränge dahinter.

Umso erstaunlicher war nun das Rennen in Monza. Vettel konnte mit den Zeiten der Spitzenteams mithalten und seine Startposition behaupten. Der Sieg geriet nicht einmal ernsthaft in Gefahr. Sein Erfolg und die Pole sind nicht die einzigen Einträge, die der Fahrer heute in den Formel-1-Geschichtsbüchern hinterlassen hat.

Vettels Karriere begann klassisch im Kart. 2004 stellte er in der Formel BMW mit 18 Siegen in 20 Saisonläufen einen neuen Rekord auf und wurde Meister. 2006 fuhr er in der Formel-3-Euro-Serie, im selben Jahr erhielt er in der Formel 1 einen Testfahrervertrag bei BMW Sauber. Er war zuständig für die Tests am Freitag und zeigte schon damals, dass mit ihm zu rechnen sein würde. Bei seinem Test-Debüt vor dem Grand Prix in der Türkei erreichte er als jüngster Fahrer in der Geschichte der Formel 1 den ersten Platz des Freitagstrainings.

Im Folgejahr war er erneut Ersatz- und Testfahrer für BMW, sein erster richtiger Einsatz folgte nach dem schweren Unfall von Robert Kubica beim Großen Preis von Kanada 2007. Bei seinem achten Platz in Indianapolis 2007 war er der bislang jüngste Fahrer, der je einen WM-Punkt bei einem Formel-1-Rennen holte.

Hamilton nur bis zur Hälfte stark

Doch noch ein anderer Fahrer wandelte in Italien auf den Spuren von Michael Schumacher - zumindest in der ersten Hälfte des Rennes. Lewis Hamilton. Der Brite, der nach seinem glücklosen Qualifying von Position 15 aus starten musste, kassierte wie einst Schumacher bei seinem legendären Erfolg in Belgien 1995, als er vom 16. Startplatz zum Triumph fuhr, einen Fahrer nach dem anderen.

Wenn die Rennkameras probierten, Hamilton einzufangen, war es meist ein und dasselbe Bild: Der vor ihm liegende Fahrer spritze die Gischt meterhoch auf, von Hamilton war nichts zu sehen. Kurz vor den Kurven schälte sich der McLaren-Fahrer dann aus dem Wind und Regenschatten seines Vordermannes, um nach der Kurve vorne zu liegen. Sein Auto hatte auf der nassen Fahrbahn den besten Halt. Erst als die Strecke trockener wurde und die meisten Piloten auf schnellere Intermediate-Reifen umstellten, endete sein Ritt durch das Feld. Genau hinter seinem großen WM-Rivalen Felipe Massa, auf Platz sieben.

Der Ferrari-Pilot war sichtlich bemüht, nicht noch einmal so ein Regendebakel hinzulegen wie in Silverstone, als ihn am Ende jeder andere Fahrer einmal überrundet hatte. Massa fuhr in Monza ein unspektakuläres, kalkuliertes Rennen und machte einen Zähler auf Hamilton gut. In der Gesamtwertung trennen die beiden Fahrer damit nur noch ein Punkt bei noch vier ausstehenden Rennen.

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