Verstappen patzt bei erster Titelchance in Singapur »Dafür bin ich nicht hier«

Der zuletzt so souveräne Max Verstappen erlebte in Singapur ein frustrierendes Formel-1-Wochenende – auch weil er die Geduld verlor. Jubeln konnte sein Teamkollege, doch Sergio Pérez musste lange zittern.
Max Verstappen erlebte in Singapur einen Rückschlag, auch weil er zu ungeduldig wurde

Max Verstappen erlebte in Singapur einen Rückschlag, auch weil er zu ungeduldig wurde

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LILLIAN SUWANRUMPHA / AFP

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Geradeaus ins Aus: Max Verstappen ist für seine enorme Fahrzeugkontrolle bekannt, in Singapur fing er seinen Red Bull in der Auslaufzone bei voller Fahrt ab und drehte das Auto um 180 Grad auf der Stelle, ohne die Streckenbegrenzung zu berühren. Es war die eleganteste Szene beim Großen Preis von Singapur, zweifellos. Allerdings war Verstappen angetreten, um im besten Fall vorzeitig seinen Weltmeistertitel zu verteidigen. Dazu hätte der Niederländer das Rennen gewinnen und insgesamt 22 Punkte auf Verfolger Charles Leclerc herausfahren müssen. Die Aussichten waren angesichts seiner schlechten Ausgangsposition und eines mauen Starts ohnehin nicht gut, mit seinem Verbremser in Runde 40, nach dem er mit stehenden Reifen in den Notausgang schoss, brachte sich Verstappen dann endgültig um die Chance auf die WM-Party.

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Das Ergebnis: Stattdessen jubelte Verstappens Teamkollege Sergio Pérez – zunächst allerdings unter Vorbehalt. Der Red-Bull-Pilot fuhr zu seinem insgesamt vierten Grand-Prix-Sieg, vor den Ferrarifahrern Leclerc und Carlos Sainz. Pérez musste im Anschluss noch bei den Rennkommissaren vorsprechen, weil er hinter dem Safety Car nicht den vorgeschriebenen Mindestabstand von zehn Wagenlängen eingehalten haben sollte. Zwar verhängte der Motorsport-Weltverband Fia eine Fünf-Sekunden-Strafe, seinen Sieg konnte er jedoch behalten: Pérez' Vorsprung im Ziel auf Leclerc betrug 7,5 Sekunden. Lesen Sie hier den Rennbericht.

Die Sintflut: Der Start war wegen starken Regens um mehr als eine Stunde verschoben worden. Im asiatischen Stadtstaat begannen etwas mehr als eine Stunde vor dem geplanten Rennbeginn heftige Niederschläge, später waren auch Blitze zu sehen. Das Wasser konnte nicht abfließen und stand auf der Strecke, während es weiter stark regnete. Nach einer Stunde ließen die Niederschläge nach, Streckenposten versuchten, Wasseransammlungen mit Besen vom Kurs zu entfernen.

Ein Streckenposten versucht, die Strecke vom Regenwasser zu befreien

Ein Streckenposten versucht, die Strecke vom Regenwasser zu befreien

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Vincent Thian / dpa

Der Start (endlich): Ging ebenfalls an Pérez: Der vom Platz zwei gestartete Red-Bull-Pilot schnappte sich gleich die Führung von Leclerc. Dahinter waren mehrere Fahrer neben der Strecke, unter anderem Verstappen, der zudem schlecht wegkam, dadurch vier Plätze verlor und aus den Top Ten fiel. Der Weltmeister hatte wegen Spritmangels sein Qualifying vorzeitig abbrechen müssen und war nur von Platz acht ins Rennen gegangen. Zwischen Lewis Hamilton (Mercedes) und Sainz kam es zu einer Berührung, der Ferrari-Pilot schob sich am Briten vorbei auf Platz drei.

Keiner traut sich an die Box: In der Folge fuhr Pérez an der Spitze bis zur vierten Runde einen Vorsprung von rund einer Sekunde heraus, Sainz lag zu dem Zeitpunkt schon sechs Sekunden zurück. Durch eine Safety-Car-Phase (Crash zwischen Latifi und Zhou in Runde sieben) schoben sich die Abstände aber wieder zusammen. Verstappen hatte sich mittlerweile (Runde 13) wieder auf seine Startposition vorgearbeitet, acht Sekunden Rückstand hatte er auf die Spitze. Trotz mehrerer virtueller Safety-Car-Phasen kam kein Fahrer der Spitzengruppe zum Reifenwechsel – nur George Russell traute sich auf Medium-Trockenreifen zu wechseln (22), mit ernüchternden Ergebnissen.

Sergio Pérez feiert auf seinem Red Bull

Sergio Pérez feiert auf seinem Red Bull

Foto: MOHD RASFAN / AFP

Die verflixte Kurve sieben: Wenig später bremste Hamilton als Vierter vor Kurve sieben zu spät und schlug in die Streckenbegrenzung ein (33). Er konnte jedoch weiterfahren und lag plötzlich mit defektem Frontflügel direkt vor Verstappen, der zu dem Zeitpunkt den vor ihm fahrenden Lando Norris im McLaren jagte. Die Spitzengruppe wechselte im Anschluss auf Medium, Hamilton benötigte zusätzlich einen neuen Flügel und reihte sich als Neunter wieder ein. Als das Rennen in Runde 40 nach einer erneuten Safety-Car-Phase wieder freigegeben wurde, verlor der nun an fünfter Stelle hinter Norris liegende Verstappen dann die Geduld.

Frust statt Party: Nach seinem Verbremser musste er erneut in die Box und fiel auf den 13. Platz zurück. Von dort arbeitete er sich mit frischen Soft-Reifen noch auf Rang sieben vor. »Ich habe nicht einmal spät gebremst«, sagte Verstappen hinterher beim Sender Sky. Das Problem sei gewesen, dass das Auto aufgesetzt habe. Das Rennen sei »sehr frustrierend« gewesen. »Siebter ist besser als Achter, aber dafür bin ich nicht hier«, bilanzierte Verstappen, der schon den Start verpatzte, bei Sky: »Dann bin ich von hinten in die Punkte, aber das ist nicht da, wo ich sein will.«

Fernando Alonso hatte sich offensichtlich einen erfreulicheren 350. Rennstart gewünscht

Fernando Alonso hatte sich offensichtlich einen erfreulicheren 350. Rennstart gewünscht

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IMAGO/ANTONIN VINCENT / IMAGO/PanoramiC

Der Rekordmann: Fernando Alonso ist am Sonntag zum Fahrer mit den meisten Starts in der Geschichte der Formel 1 geworden. Zum 350. Mal stieg der zweimalige Weltmeister ins Cockpit und überholt damit den Finnen Kimi Räikkönen (349). Nachdem er zunächst seinen sechsten Platz gegen Verstappen verteidigt hatte, schied der 41-jährige Spanier wegen eines Motorschadens aber früh aus.

Besser lief es für Vettel: Aston-Martin-Pilot Sebastian Vettel, mit fünf Erfolgen Rekordsieger auf der Strecke in Asien, kam schnell von Rang 14 auf acht nach vorne. Vor seinem Karriereende im November war er das letzte Mal auf der Stadtstrecke dabei, die er besonders mag. Am Ende reichte es für Platz acht.

Wie geht es weiter: In der Gesamtwertung führt Verstappen (341 Punkte) nach 17 von 22 Rennen weiterhin komfortabel vor Leclerc (237) und Perez (235). Am kommenden Sonntag in Japan eröffnet sich für Verstappen die nächste Chance, dann kann er seinen zweiten WM-Titel sogar erstmals aus eigener Kraft holen.

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