Leiter des Formel-1-Rennstalls Haas über Regeländerungen "Die Überlegenheit der großen Drei wird fortbestehen"

Die Formel 1 hat sich ein neues Regelwerk verordnet. Sie erhofft sich endlich mehr Spannung. Haas-Teamchef Günther Steiner glaubt, dass es für eine echte Machtverschiebung noch reduziertere Budgets braucht.

Haas-Teamchef Günther Steiner: "Ich bin neutral"
Andy Hone/ Motorsport Images/ imago images

Haas-Teamchef Günther Steiner: "Ich bin neutral"

Ein Interview von


  • Charles Coates/ Getty Images
    Günther Steiner, 54, leitet den Formel-1-Rennstall des US-amerikanischen Werkzeugmaschinenherstellers Gene Haas. Der gebürtige Südtiroler war zuvor unter anderem bei Jaguar und Red Bull tätig.

SPIEGEL: Herr Steiner, am vorigen Donnerstag hat der Motorsportweltverband Fia das Formel-1-Reglement, das ab 2021 gelten wird, präsentiert. Eines der wichtigen Ziele war, spannendere Rennen zu bekommen, indem das Überholen erleichtert wird. Wird dieses Ziel erreicht?

Steiner: Das wissen wir erst, wenn die Autos fertig sind und auf der Strecke fahren. Die Fia und das Technikteam der Formula One Management, also des Formel-1- Eigentümers Liberty Media, haben eine Menge Arbeit investiert und glauben, dass es der richtige Weg ist.

SPIEGEL: Klingt daraus Skepsis?

Steiner: Nein, ich bin neutral. Leute wollen keine Veränderungen, das gehört zur menschlichen Natur. Aber wir müssen einen Schritt nach vorn machen, wir müssen dafür sorgen, dass die Autos näher zusammenfahren können, dass es mehr Überholvorgänge und spannendere Rennen gibt. Den Status quo zu erhalten, ist auch keine Lösung.

SPIEGEL: Das Problem für jeden hinterherfahrenden Formel-1-Rennwagen besteht derzeit in den enormen Luftverwirbelungen, die der Heckflügel des Vordermanns auslöst. Damit wird bei zwei Wagenlängen Abstand bis zu 40 Prozent des Anpressdrucks, den ein Frontflügel produziert, zunichtegemacht. Nach dem neuen Reglement soll dieser Nachteil auf zehn Prozent schrumpfen. Ist das realistisch?

Steiner: Die zehn Prozent finde ich ein bisschen ambitiös. Zumal sich jetzt die Ingenieure aller zehn Teams hinsetzen werden und versuchen, aus dem vorgegebenen Heckflügel das Beste für ihre Fahrer rauszuholen. Und das Schlechteste für die Nachfolgenden. So läuft das Spiel, aber die generelle Richtung ist vernünftig.

SPIEGEL: Und wenn das Überholen doch nicht leichter wird?

Steiner: Wenn sich die Veränderungen als untauglich erweisen, müssen wir den Mut aufbringen und sagen: Wir müssen nacharbeiten. Mit der Fia und Formula One Management ist das möglich.

SPIEGEL: Die größte Veränderung im neuen Reglement bezieht sich auf die Finanzen. Künftig wird es ein bei 175 Millionen Dollar limitiertes Budget für jeden Rennstall geben. Hinzu werden allerdings noch die Gehälter für die Fahrer, für drei weitere Mitarbeiter, für Reise- und Marketingkosten gerechnet. Die drei Spitzenteams Mercedes, Ferrari und Red Bull werden damit leicht auf 230 Millionen Dollar an Ausgaben kommen. Taugt das, um die Distanz zwischen den großen Drei und den übrigen sieben Teams zu verkürzen?

Steiner: Es ist ein Annähern, ein erster Schritt. Ich verstehe ja, dass die ganz großen Teams nicht sofort radikal von ihren Budgets runterkommen können. Da kleinere Rennställe wie Haas niemals 175 Millionen Dollar werden ausgeben können, wird die Überlegenheit der großen Drei bei so einer Differenz natürlich fortbestehen. Deshalb muss man sehen, ob man nach einer Zeit das Budgetlimit weiter reduzieren kann.

SPIEGEL: Auch nach dem neuen Reglement soll mit den seit 2014 eingesetzten Hybridmotoren gefahren werden. Offenbar sprechen die Hersteller miteinander, ob man die Weiterentwicklung einfrieren sollte, um Kosten zu sparen. Ist das sinnvoll?

Steiner: Ich bin in die Gespräche nicht eingebunden, aber es gibt Beispiele, wo so ein Moratorium funktioniert hat. Die derzeitigen Motoren haben so ein hohes Niveau erreicht, dass jeder Entwicklungsschritt irrsinnig teuer ist. Ich habe nichts dagegen, wenn man die Motorenentwicklung stufenweise einfriert. Dann müsste ich als Teamchef von Haas irgendwann nicht mehr so viel Geld für jeden einzelnen Motor bezahlen.



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Fattbinner 03.11.2019
1. Die Spiegelsäge
Der SPIEGEL berichtet neutral und fundiert über Klimaerwärmung und Ressourcen-Zerstörung. Der SPIEGEL berichtet ebenso neutral und fundiert über die Formel I. Hierbei erscheinen CO2-Erzeugung und Ressourcen-Verschwendung allerdings als technische und menschliche Leistung. Das ist so, als ob die Redaktion geschlossen auf einen Ast säße, während sie neutral und fundiert das Absägen des Astes als technische und menschliche Leistung darstellt.
fortelkas 03.11.2019
2. Da fahren ein paar junge Männer
...im Kreis herum, und, wenn sie das einige Jahre überleben, werden sie zu Millionären. Was ist daran spannend? Und wie soll man das noch spannender machen? Vor Jahren hat der Mercedes-Betriebsrat sich einmal dagegen gewehrt, dass der Mercedes-Rennstall wieder eröffnet werden sollte, schade, dass er sich nicht durchgesetzt hat. Dieser sogenannte Sport ist kein Sport, diese Veranstaltung sollte einfach abgeschafft werden, auch wenn die Fans aufjaulen. Erwin Fortelka
TS_Alien 03.11.2019
3.
Es braucht keine reduzierteren Budgets, sondern einfachere Autos. Eine Rennserie, die DRS und anderen aerodynamischen Schnickschnack benutzt, verhindert die typischen Überholmanöver und Konter. Ob die F1 zu retten ist, ist fraglich. Keines der drei großen Teams wird solche Regeländerungen zulassen. Die wollen lieber langweilige Rennen bestreiten als einen echten Wettbewerb zulassen. Seit Jahren muss man sich bei den Rennen zwingen, wach zu bleiben. Oder man schaltet weg und erspart sich die Langeweile.
Intelligenz? Wo? 03.11.2019
4. Immer wieder Interessant
Erster Kommentar ganz klar, muss Thema Klima sein, sonst fehlt was. Ja die Formel 1 ist nicht gut fürs Klima, aber Formel 1 ist nicht schlechter als die meisten "Sportarten". Beim Fußball Fahren/Fliegen Mannschaften und Zehntausende Fans jede Woche zu Auswärtsspielen. Gleiches gilt für Handball etc. etc. Wobei die Formel 1 Weltweit so nur einmal existiert, sich aber jedes Land seine eigene Fußballliga hält bzw. mehrere. Dafür das nur jeder Deutsche Bundesliga Club beim Spiel 2 Mannschaften + Fans im Stadion hat kann die Formel 1 vermutlich locker lässig ihr zeug im Flugzeug von Timbuktu nach Austin Texas Fliegen, und dort das ganze Wochenende im Kreis fahren. Aber ja stimmt, die Spieler die dann aufm Feld rumrennen verbrauchen dafür kein Benzin, also alles halb so schlimm nicht wahr, Quasi Klima neutral das ganze. Der kurz Urlaub am Wochenende mim Flieger nach weiß der Geier wo ist ja auch ok, weil die Reisetasche ist ja aus Jute.
Intelligenz? Wo? 03.11.2019
5. Was ein Witz
Zitat von TS_AlienEs braucht keine reduzierteren Budgets, sondern einfachere Autos. Eine Rennserie, die DRS und anderen aerodynamischen Schnickschnack benutzt, verhindert die typischen Überholmanöver und Konter. Ob die F1 zu retten ist, ist fraglich. Keines der drei großen Teams wird solche Regeländerungen zulassen. Die wollen lieber langweilige Rennen bestreiten als einen echten Wettbewerb zulassen. Seit Jahren muss man sich bei den Rennen zwingen, wach zu bleiben. Oder man schaltet weg und erspart sich die Langeweile.
Natürlich braucht es reduzierte Budgets. Und dafür braucht man kein Genie sein um diese Rechnung zu verstehen, was also hält sie davon ab? Ferrari und Mercedes geben im Schnitt 400-450 mio Pro Jahr aus für die Formel 1. Teams wie Haas,Williams und Torro Rosso haben nur ca. 100-130 Millionen. Das heißt ein Viertel dessen was Ferrari und co ausgibt. Müssen aber gegen die Fahren, das man mit 25% dessen was der "Gegner" zur Verfügung hat nicht Konkurenzfähig sein kann, das ist doch hoffentlich auch ihnen klar. Einfachere Autos bringen gar nichts, wenn man die Aerodynamik so kastrieren würde, wie sie das vorschlagen. Dann wird der Motor noch wichtiger als er eh schon ist, und beim Motor sind sie mittlerweile an einem Punkt angelangt. Wo jedes bisschen "Fortschritt" also mehr PS etc. EXTREM teuer wird. Das kann sich dann wieder nur Ferrari und Mercedes leisten oder wie? Die verkaufen ihre Motoren dann an die anderen Teams, die von ihrem sowieso schon niedrigeren Budget dann auch noch 30-40% davon für Motoren ausgeben müssen. So einen Schwachsinn können sie doch nicht ernsthaft glauben?! Das Budget reduzieren von den ca. 175 mio ab 2021, davon dann Schrittweise weiter reduzieren. Pro Jahr 10-15 mio, das können langfristig auch die großen Teams "verkraften" die dann nicht von heute auf morgen die halbe belegtschaft entlassen muss weils Budget halbiert wurde. Und ja auch Regeln für die Aerodynamik müssen her, das Überholen wieder besser möglich ist. Wobei wenn man sie einige der Strecken auf dem Kalender anschaut, da kann man tun was man will, auf manchen Strecken wird trotzdem keiner überholen. Aber das man länger und näher hinterher Fahren kann auf unter 6 Zehntel, das würde evtl schon helfen den Fahrer vorne so unter druck zu setzen das er Fehler macht.
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