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29. Oktober 2017, 23:12 Uhr

Hamiltons Titelgewinn

Autoscooter-Weltmeister

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Max Verstappen entschuldigte sich, weil er zu schnell war. Sebastian Vettel war noch schneller, wurde aber nur Vierter. Und Lewis Hamilton wurde erst überrundet - und dann Weltmeister. Das Wichtigste zum Großen Preis von Mexiko.

Der überrundete Weltmeister: Es war ein bemerkenswerter Tag für Lewis Hamilton. Da wurde er als erster Brite zum vierten Mal Formel-1-Weltmeister, wurde auf dem Weg zum Titel aber überrundet. In der 24. Runde bekam der Mercedes-Pilot blaue Flaggen gezeigt und musste den Führenden Max Verstappen passieren lassen. Am Ende landete Hamilton auf dem neunten Platz. Um noch theoretische Chancen auf den WM-Titel zu haben, hätte Sebastian Vettel das Rennen gewinnen müssen. Das gelang dem Deutschen nicht, er wurde Vierter.

Die Szene des Rennens: Entschieden wurde der Kampf um die Weltmeisterschaft schon in der dritten Kurve. Vettel startete von der Poleposition und sah sich sofort einem Angriff von Verstappen ausgesetzt. Während die zwei sich stritten, wollte Hamilton der lachende Dritte sein und zog innen an Vettel vorbei. Der Ferrari-Pilot wehrte sich, kollidierte erst mit Verstappen, dann mit Hamilton. Vettels Frontflügel ging ebenso kaputt wie Hamiltons rechtes Hinterrad. Verstappen kam ungeschoren davon und fuhr ungefährdet zu seinem zweiten Saisonsieg.

Unfallfolgen: Hamilton brauchte mit seinem Platten sehr lange, bis er in die Box kam. Er fiel auf den 20. und letzten Platz zurück. Zwischendurch fragte er in seiner Box nach, ob ihn Vettel absichtlich abgeschossen habe. Die Antwort: "Not sure, Lewis." Auch die Rennleitung sah kein strafwürdiges Vergehen. Bei Vettel ging es etwas schneller, bis er eine neue Nase hatte, der Deutsche kam an Position 18 zurück auf die Strecke.

Vettels Aufholjagd: Vettel arbeitete sich Platz um Platz nach vorne, aber nicht ohne Gegenwehr: Felipe Massa drängte den Deutschen beim Überholmanöver in Runde zwölf von der Strecke. Danach blieb er rund um die 28. Runde hinter Fernando Alonso hängen, der sich seinerseits ein Duell mit Marcus Ericsson um die Plätze acht und neun lieferte. Die Aufholjagd kostete so viel Zeit, dass die ersten drei davonziehen konnten. Vettel blieb als Trost nur die schnellste Rennrunde.

Das Zünglein an der Waage: Mitten in Vettels Aufholjagd fing der Toro Rosso von Brendon Hartley Feuer. Weil Hartley sein Auto direkt an der Strecke abstellte, entschied die Rennleitung auf ein virtuelles Safety Car. Es lief die 31. Runde, die Führenden waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht an der Box gewesen und nutzten den Moment zum Reifenwechsel. Wäre Vettel nicht zum Langsamfahren verdammt gewesen, hätte er näher an das Spitzentrio heranrückenden und die Führenden eventuell noch attackieren können. So nutzte auch er die Safety-Car-Phase zu seinem zweiten Boxen-Stopp und hatte keine Chance mehr auf einen Podiumsplatz.

Frage des Tages: "Sind wir hier beim Autoscooter?" Das wollte Vettel nach dem Zweikampf mit Massa wissen. Dieselbe Frage stellte sich vermutlich auch Weltmeister Hamilton nach der Start-Kollision mit Vettel. Besonders zimperlich gingen die Fahrer in Mexiko in der Tat nicht miteinander um.

Entschuldigung des Tages: Während sich Vettel durchs Feld wühlte, drehte Verstappen an der Spitze einsam seine Runden. Da er zwischenzeitlich fast eine halbe Minute Vorsprung auf den zweitplatzierten Valtteri Bottas hatte, gab ihm sein Team die Anweisung, es ruhiger angehen zu lassen und langsamer zu fahren. Eine Runde später die nächste Durchsage: "Max, du bist immer noch gleich schnell!" Die kurze Antwort: "Sorry, guys!" Danach konnte sich Verstappen ein Lachen nicht verkneifen.

Tag der Toten: Mexiko feiert vom 31. Oktober bis zum 2. November den Día de los Muertos. Die prägnanten Skelette waren vor und während des Rennens allgegenwärtig. Nico Hülkenberg hätte sich optisch fast eingereiht. Nachdem er sein Auto in der 25. Runde mit einem technischen Defekt abstellen musste, forderte ihn sein Team auf, den Wagen schnellstmöglich zu verlassen, weil er unter Strom stand. Glücklicherweise ist Hülkenberg nichts passiert.

Runde 19: Dass es trotz entschiedener Weltmeisterschaft Wichtigeres gibt als ein Formel-1-Rennen, bewiesen die mexikanischen Fans in der 19. Runde. Zum Gedenken an die Opfer des verheerenden Erdbebens vom 19. September hoben sie die rechte Faust. Eine schöne und starke Geste.

Ausrollen mit Vollgas: Obwohl die WM entschieden ist, stehen noch zwei weitere Rennen auf dem Programm. Am 12. November gastiert die Formel 1 in Brasilien, das Saisonfinale findet am 26. November in Abu Dhabi statt. Für Weltmeister Hamilton sind es zwei Ehrenrunden, unterhaltsam könnte es trotzdem werden. Vettel will beweisen, dass er doch noch gewinnen kann, Verstappen kennt sowieso nur Vollgas, und Ex-Weltmeister Fernando Alonso zeigte in bissigen Duellen um den neunten und zehnten Platz, dass er auch dann noch alles gibt, wenn es für ihn um nichts mehr geht.

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