Lewis Hamilton holt Formel-1-Titel Nächster Stopp: Wolke sieben

Locker - anders lässt sich der Weg zum sechsten WM-Triumph für Lewis Hamilton kaum beschreiben. Nun dürfte er den Rekord von Michael Schumacher anvisieren. Da kann der Brite so bescheiden tun, wie er will.

Lewis Hamilton: Vorzeitigen WM-Gewinn ausgiebig bejubelt
AFP/Charles Coates

Lewis Hamilton: Vorzeitigen WM-Gewinn ausgiebig bejubelt


Szene des Rennens I: Nach 56 Runden auf dem Circuit of The Americas war die diesjährige Formel-1-Saison entschieden. Lewis Hamilton fuhr in seinem Mercedes als neuer Weltmeister über die Ziellinie. Im Cockpit schloss er kurz die Augen, legte den Kopf zurück, dann stieg er aus und herzte sein Team.

Szene des Rennens II: Eine weitere für das Rennen in Texas prägnante und die Saison so charakteristische Szene ereignete sich 48 Runden zuvor, als Sebastian Vettel seinen Ferrari auf dem holperigen Kurs nach einem Schaden an der Aufhängung abstellen musste. Auf dem Mopedrücksitz eines Streckenpostens fuhr er von der Bahn. Hamilton im Glück, Vettel zerknirscht, an dieser Kombination änderte Austin nichts.

WM-Titel mit Ansage: So richtig hatte vor Rennbeginn niemand mehr daran geglaubt, dass sich Hamilton seinen sechsten Titel noch würde nehmen lassen. Bei einem notwendigen Sieg von Teamkollege Valtteri Bottas hätte ihm ein achter Platz (beziehungsweise ein neunter plus der Extrapunkt für die schnellste Rennrunde) gereicht. Auch die Statistik sprach für Hamilton: Mit insgesamt sechs Siegen ist der 34-Jährige Rekordchampion beim Großen Preis der USA.

Ergebnis: Und so kam es, wie es kommen musste: Zwar erfüllte Bottas seine Pflichtaufgabe und siegte in Austin, Hamiltons zweiter Platz aber genügte locker für den vorzeitigen Gewinn der Weltmeisterschaft. Mit 67 Punkten Vorsprung ist er nicht mehr einholbar. Das Treppchen komplettierte Max Verstappen im Red Bull. Auch für den zweiten Ferrari von Charles Leclerc lief der Tag nicht optimal: Der Monegasse kam mit 52 Sekunden Rückstand als Vierter ins Ziel. Hier geht's zum Rennbericht.

Dünne Luft: "Michaels Rekorde sind der Gipfel eines riesigen Berges, und ich bin noch im Basislager", hatte Lewis Hamilton vor dem vorletzten Grand Prix in Suzuka gesagt. Das muss man wohl als demonstrative Bescheidenheit verstehen. Bedeuten Michael Schumachers sieben WM-Titel den 8848 Meter hohen Gipfel des Mount Everest, befindet sich Hamilton mindestens im dritten Basislager (rund 7280 Meter). In solchen Höhen ist die Luft dünn, aber weit ist der Weg nicht mehr: Ein weiterer Titelgewinn trennt Hamilton noch von Schumachers im Jahr 2004 erreichter Rekordmarke von sieben Titeln.

Wolke sieben: Dessen Rekord für die meisten Polepositions (68) hatte der Brite schon 2017 gebrochen, derzeit hat er 87. Gute Chancen darauf, auch die Liste jener Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Siegen anzuführen, dürfte Hamilton in der nächsten Saison haben: Ihm fehlen noch acht Siege auf Schumacher - bei 59 Starts weniger. "Wolke sieben gibt nicht annähernd das Gefühl wieder, das ich gerade empfinde. Ich bin weit darüber hinaus", sagte Hamilton nach seinem Sieg.

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Formel-1-Weltmeister: Hamilton verfolgt Schumacher

Apropos nächste Saison: Hamiltons Vertrag mit Mercedes läuft Ende kommenden Jahres aus, doch von Siegesblues scheint keine Rede zu sein. Schon vor dem USA-Rennen hatte der 34-Jährige gesagt: "Ich würde es bereuen, früh aufzuhören. Vielleicht liege ich damit auch falsch. Aber ich will so lange fahren, wie ich kann. Ich verstehe komplett, warum Michael Schumacher so lange gefahren ist." Nach seinem Sieg bekräftigte er: "Als Sportler fühle ich mich so frisch wie nie. Beim nächsten Rennen werde ich wieder alles geben." Sein Rennstall sieht das ähnlich: "Solange er ein gutes Auto hat, ist er in der Lage, weitere Weltmeisterschaften zu gewinnen. Das ist unsere Aufgabe", sagte der Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Parkplatzprobleme: Wer kennt es nicht? Finden Sie mal in überfüllten Innenstadtlagen oder großstädtischen Szenevierteln nach 20 Uhr einen halbwegs legalen Stellplatz für ihr Auto. Wenn Sie sich diesen Ärger zukünftig ersparen wollen, sollten Sie eine Formel-1-Karriere erwägen. Für Lewis Hamilton war südlich der texanischen Hauptstadt Austin jedenfalls ein Plätzchen reserviert:

So geht es weiter: Zwei Rennen stehen noch im Kalender. Am 17. November geht es in Brasilien weiter. Für Leclerc (derzeit Dritter mit 249 Punkten), Verstappen (Vierter/235) und Vettel (Fünfter/230) geht es noch um Platz drei.



insgesamt 6 Beiträge
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Leider3 04.11.2019
1. Szenen aus der ökologische Steinzeit
Ich gönne es Lewis Hamilton ja, aber bei dieser (langweiligen) im Kreis fahrende Raserei von Motor-"SPORT" zu reden, ist mir ein Rätsel. Ökologisch ist das sowieso schon längst aus der Zeit gefallen.
wasistlosnix 04.11.2019
2. Vor 2021
wird sich an der Dominanz von Mercedes nichts ändern. Ob man dann mehr Duelle auf der Straße sieht ist abzuwarten. Ohne die Leistung irgeneines Fahrers zu schmälern wir erleben doch seit etlichen Jahren die Dominanz eines Autos. Da hat es auch nicht geholfen das 5 oder 6 Weltmeister die Runden gedreht haben. Am Ende hat das bessere Auto mit einem erstklassigen Fahrer gewonnen. Ob es im direkten Vergleich auch gereicht hätte ist fraglich. Man sollte eine Team WM daraus machen. Bestes Fahrzeug, schnellster Reifenwechsel usw. am Ende möge das bessere Team gewinnen.
Pneumoniahawk 04.11.2019
3. Rezept gegen die Langeweile
Ob Hamilton auch im Honda gewinnen würde, ist die Frage. Ich glaube nicht. Den besten Fahrer könnte man nur mit identischen Fahrzeugen ermitteln - also zurück zum Kart (Nee, Spaß). Eine Idee: Preis für den "Suffer-Score". Der Fahrer, der die meisten Positionen ergattern konnte. Egal ob er nun aus der Mitte oder ganz von hinten startet. Ich verstehe grundsätzlich nicht, warum es dafür im Sport keine offizelle Anerkennung gibt. Hier wären auch die Sender gefragt, mal was zu ändern.
2cv 04.11.2019
4. die Langeweile hat ein Ende
Allein die geringe Anzahl der Leserbeiträge im Forum spricht für sich. Formel eins ist "commodity" geworden. Immer die gleichen Teams gewinnen. Teams mit Vorjahrestechnik und -fahrzeugen sind zu Statisten und Slalomstangen degradiert. Genauso würde es der FormelE gehen, wenn die großen Rennteams da einsteigen. Hoffentlich nicht allzu bald!
chense90 04.11.2019
5. Glückwunsch an Hamilton
Ein Schumacher ist er deswegen noch lange nicht ... wird er auch mit 10 Titeln nicht sein dafür fehlen ihm die Aura des Mannes der auch im unterlegenen Auto gewann und die Coolness ... Schumi war gnadenlos ubd cool Hamilton ist einfach nur einer der ausnutzt wqs gerade da ist
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