Großer Preis von Spanien Rot sieht schwarz

Ferrari wollte die Trendwende, doch die Silberpfeile demonstrierten beim Großen Preis von Spanien ihre Überlegenheit. Sebastian Vettel wirkt ratlos.

Was tun? Sebastian Vettel musste erneut hinterherfahren
Charles Coates Getty Images

Was tun? Sebastian Vettel musste erneut hinterherfahren

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Den Neubeginn hatten sie ausgerufen bei Ferrari - dieses Rennen, es sollte die Wende bringen im bisher so einseitigen Titelduell mit Mercedes. Ferrari wollte angreifen, am Motor wurde getüftelt, die Front- und Heckflügel wurden noch einmal verändert. Barcelona sollte als Symbol dafür stehen, wie Ferrari dieses Rennjahr doch noch einmal spannend gestalten, das Ruder herumreißen kann.

Am Ende standen wieder die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auf dem Siegerpodest, und für Ferrari war dieses Wochenende noch schlechter ausgegangen als die Rennen zuvor. Rot sieht mehr und mehr schwarz.

Die ersten sprechen nach gerade einmal fünf Saisonrennen davon, dass der Titelkampf schon gelaufen sei. Barcelona steht letztlich nicht für die Wende, Barcelona steht für die Dominanz der Silberpfeile. Deutlicher hätte die Demonstration kaum ausfallen können.

Schon im Qualifying, auf das Ferrari so große Hoffnungen gesetzt hatte, wurde die Hierarchie zementiert. Bottas vor Hamilton, Sebastian Vettel erst dahinter - für Barcelona ist die Rangfolge in der Qualifikation noch wichtiger als anderswo. Der Circuit de Catalunya erschwert das Überholen, eigentlich ist es nur in der Start- und Zielgeraden so richtig möglich, am Gegner vorbeizuziehen.

Fünf Doppelerfolge - das ist neu

Umso wichtiger ist die Startphase, die Phase, die Vettel nach dem Rennen als "Schuss in den Ofen" bezeichnete. Der Deutsche beschleunigte zwar zunächst dermaßen, dass es so aussehen konnte, als ob er zumindest Bottas gefährden könne. Doch am Ende der Geraden war mit einer missglückten Bremsung schon so gut wie alles vorbei: Vettel musste sich auf Rang vier einreihen - das Rennen war praktisch gelaufen.

Lewis Hamilton und Mercedes-Boss Dieter Zetsche trinken sich einen
Enric Foncuberta/EPA-EFE/REX

Lewis Hamilton und Mercedes-Boss Dieter Zetsche trinken sich einen

So kam es, wie es bisher viermal in dieser Saison gekommen war. Hamilton vor Bottas oder Bottas vor Hamilton - jedenfalls mit zwei Silberpfeilen auf den Rängen eins und zwei. Fünf Doppelerfolge in fünf Rennen - das hat es noch nie gegeben. Nichts spricht derzeit dafür, dass diese Serie reißt.

"Wir schreiben gerade Geschichte", sagte Hamilton, "der größte Respekt gebührt dem Team und den Menschen in der Fabrik." Der Weltmeister konnte vollkommen entspannt das Rennen analysieren. Er hatte seinen teaminternen Herausforderer Bottas deutlich in die Schranken gewiesen, er hat wieder die Führung in der WM-Wertung, sein Dauerrivale Vettel hat schon einen Rückstand von satten 48 Punkten. Nichts konnte die Laune des Titelverteidigers trüben.

Unkluge Stallmanöver bei Ferrari

So klang es dann auch eher trotzig, als Vettel beteuerte: "Hätte ich den Bremsplatten nicht gehabt, hätten wir das Tempo mitgehen können." Denn es sind nicht nur technische Mängel, die im Moment den Lauf der Roten hemmen. In Barcelona kamen hauseigene Fehler der Stallregie hinzu - nicht das erste Mal.

Zunächst zögerte man im Rennstall, den schnelleren Teamkollegen Charles Leclerc an Vettel vorbeizulassen. Später, als der Deutsche frische, bessere Reifen zur Verfügung hatte, wiederholte sich das Prozedere - nur umgekehrt. Wieder zögerte Ferrari, diesmal Vettel rasch grünes Licht zu erteilen - wieder verlor der zu diesem Zeitpunkt bessere Wagen wertvolle Zeit.

Die hatte Vettel vorher schon in der Boxengasse liegen lassen. Der Stopp beim Reifenwechsel erfolgte deutlich langsamer als bei der Konkurrenz - es passte in dieses verkorkste Wochenende der Scuderia, die am Ende vollständig das Podium verpasste, weil sich Red-Bull-Wildfang Max Verstappen den dritten Platz nicht nehmen ließ.

"Wir wollten endlich schneller sein, das hat schon wieder nicht geklappt", zog Vettel die Bilanz eines Rennens, das für Ferrari "ein großer Schritt zurück" war. In zwei Wochen geht es auf den Stadtkurs von Monte Carlo - die nächste Chance für die Trendwende. Vielleicht ist es schon die letzte.



insgesamt 22 Beiträge
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hileute 12.05.2019
1. Eine spannende Neuigkeit gibt's diese Saison trotzdem
und zwar in wie vielen Rennen es keinen Mercedes Doppelsieg gibt (natürlich nur die Rennen gezählt wo auch beide ins Ziel kommen) Ich würde auf vlt 2-3 Rennen tippen, wenn Ferrari irgendwann zu Potte kommt
s.l.bln 12.05.2019
2. Solange es keine gravierende Änderung...
...des Reglements gibt, kann man sich die Rennen sparen und statt dessen einmal wöchentlich einen Mercedesprospekt durchblättern. Wann immer die Formel 1 sich in einer Phase der einseitigen Dominanz festgefahren hatte, haben radikale Regeländerungen die Karten neu gemischt. Bleibt das aus, verschwinden die Zuschauer.
les2005 12.05.2019
3. Vettel
Leider muß man feststellen, daß Ferrari's Probleme nur die eine Seite der Medaille sind - die andere sind die vielen Fehler, die Vettel schon letzte Saison machte, und in dieser wieder. Ferrari wäre gut beraten, auf die aktuelle Nr. 2 zu setzen.
Oliver W. 12.05.2019
4. Strategie und fehlende Leistung
Es ist m.E. nicht nur die fehlende Leistung, welche Ferrari immer wieder zurückwirft. Auffällig ist seit Saison 2018 dass die gesamte Strategieabteilung bei Ferrari Fehlentscheidungen trifft. Boxenstopps falsch einplant usw. Natürlich sieht man nur das oberflächliche, dieses weicht allerdings oftmals von einem logischen Ablauf ab. Sehr schade für Sebastian Vettel. So wird das nichts. Weder 2019 noch zukünftig.
Bala Clava 12.05.2019
5. Es reicht
irgendwann einmal im Spätsommer in einer kleinen Randnotiz zu erfahren, dass Hamilton und Mercedes rein rechnerisch bereits fünf oder sechs Rennen vor Abu Dhabi jeweils Weltmeister geworden sind. Man verbringt die Sonntagnachmittage bis dahin sinnvoller mit ausgedehnten Waldspaziergängen. Ist irgendwie spannender.
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