Formel-1-Jungstar Max Verstappen Auffällig unauffällig

In der vergangenen Formel-1-Saison machte Max Verstappen im Red Bull mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam. Das hat sich geändert - sehr zur Freude seines Teams.

Max Verstappen
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Nach dem Großen Preis von Aserbaidschan richteten sich mal wieder alle Augen auf die Mercedes-Piloten. Und das vollkommen zu Recht. Valtteri Bottas und Lewis Hamilton strahlten erneut vom Siegerpodest um die Wette - und das im vierten Rennen der Saison schon zum vierten Mal.

In der WM fahren die Silberpfeile der Konkurrenz mit Höchstgeschwindigkeit davon. Vizeweltmeister Sebastian Vettel hat als Dritter schon mehr als 30 Punkte Rückstand auf sie Spitze. Da Ferrari eigentlich den leistungsstärksten Motor im Feld hat, ist Vettels Schwäche neben der Mercedes-Dominanz das zweite beherrschende Thema des noch jungen Formel-1-Jahres.

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Ein Name, der dagegen kaum in den Schlagzeilen auftaucht, ist Max Verstappen. Das war im vergangenen Jahr noch anders. Nach dem Großen Preis von Aserbaidschan 2018 gab es kaum ein anderes Thema als den jungen Holländer und seinen damaligen Teamkollegen Daniel Ricciardo. Die beiden Red-Bull-Piloten hatten sich auf der Strecke einen knallharten Zweikampf geliefert, der mit einem erwartbaren Crash endete.

"Eine Frage der Intelligenz"

Es blieb nicht die einzige zweifelhafte Aktion, mit der Verstappen in der vergangenen Saison negativ auf sich aufmerksam machte. Beim Großen Preis von China kollidierte er aufgrund seiner ungestümen Fahrweise mit Vettel. Nach dem Rennen im brasilianischen São Paulo lieferte sich Verstappen im Fahrerlager eine Rangelei mit Esteban Ocon, für die ihn der Weltverband Fia zu Sozialstunden verurteilte.

Dass Verstappen ein Ausnahmetalent ist, gilt in der Formel 1 als Gemeinplatz. Seit seinem Wechsel zu Red Bull 2016 wird er als kommender Weltmeister gehandelt. Diese Ansprüche nährte der Niederländer durch etliche Rekorde: Unter anderem wurde Verstappen mit 17 Jahren zum jüngsten Debütanten und nur ein Jahr später zum jüngsten Grand-Prix-Sieger der Formel-1-Geschichte.

Doch so unbestritten seine Qualitäten als Rennfahrer sind, so problematisch erschien bisher sein ungezügeltes Temperament. "Das ist dann irgendwann keine Frage des Alters mehr, sondern eine Frage der Intelligenz", sagte Niki Lauda nach den Verstappen-Aussetzern im April 2018 und ergänzte, der Red-Bull-Pilot stehe sich selbst im Weg: "Er muss anfangen, von seiner 'Ich schlage alle'-Arroganz ein wenig runterzukommen."

Nicht Fehler machen, sondern von Fehlern profitieren

Diesen nächsten Schritt scheint der Niederländer vor dieser Saison gemacht zu haben. Mit 21 Jahren ist Verstappen offenbar erwachsen geworden. Er fällt zwar nicht mehr durch übermäßig spektakuläre Überholmanöver auf, dafür aber auch nicht mehr durch Harakiri-Aktionen, die ihn und andere gefährden. Im Windschatten des Mercedes-Ferrari-Konkurrenzkampfs hat er den besten Saisonstart seiner Karriere hingelegt, in den ersten vier Rennen des Jahres kontinuierlich gepunktet und lauert in der WM-Wertung nur einen Punkt hinter Vettel.

Max Verstappen im Red Bull auf dem spektakulären Stadtkurs in Baku
ZURAB KURTSIKIDZE/EPA-EFE/REX

Max Verstappen im Red Bull auf dem spektakulären Stadtkurs in Baku

Beim Großen Preis von Australien wurde Verstappen Dritter, es folgten drei vierte Plätze in Folge. Der Red-Bull-Pilot landete also immer vor mindestens einem der beiden Ferraris, beim Saisonauftakt in Melbourne sogar vor beiden.

Anstatt sich wie in den vergangenen Jahren selbst Fehler zu leisten, die WM-Punkte kosten, profitiert Verstappen inzwischen von den Fehlern anderer. Beim Qualifying in Shanghai kam es zu einem kurzen Rückfall in vergangene Zeiten, als er wüste Schimpfworte über den Boxenfunk schickte, beim anschließenden Rennen hatte er sich aber wieder im Griff.

"Er ist sensationell unterwegs"

Dabei kommt es dem Niederländer zugute, dass er sich der vollen Unterstützung seines Teams sicher sein kann. Stand er im vergangenen Jahr noch in direkter stallinterner Konkurrenz mit Ricciardo, die unter anderem zu dem Unfall in Baku führte, ist Verstappen inzwischen die unumstrittene Nummer eins bei Red Bull. Ricciardo ist zu Renault gewechselt. Verstappens neuer Teamkollege Pierre Gasly ist (noch) nicht auf Augenhöhe.

Die neue Coolness, Konsequenz und Konstanz seines Top-Fahrers lässt Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko vom ganz großen Wurf träumen. In einem Interview mit der "Kronen Zeitung" prophezeite der 76-Jährige, dass Verstappen schon in diesem Jahr um die Weltmeisterschaft mitfahren wird. "Der Fahrplan passt. Max holte bislang das Maximum, die wichtigen Platzierungen heraus. Er ist da sensationell unterwegs."

Schon beim nächsten Rennen in Barcelona hofft Marko, dass Verstappen dank technischer Updates am Red Bull um den Sieg mitfahren kann. Tatsächlich hat das österreichische Team in den vergangenen Jahren seine Entwicklungsfähigkeiten im Laufe einer Saison unter Beweis gestellt. Das Auto, in dem Verstappen sitzt, wird also tendenziell immer besser. So wie er selbst.

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frank.huebner 04.05.2019
1. Ferrari mal wieder hinterher
Leider beweist sich wieder Folgendes: Mercedes war von Anfang an dominant und wusste es. Dass die Presse immer noch auf die "Oh, wir sind nicht so gut"-Masche reinfällt ist traurig. Vettel ist kein guter Fahrer, war er nie. Ehr Durschschnitt, der nur in einem überlegenen Auto gewinnt und dann nur, wenn er das Rennen kontrollieren kann. Unter DRuck macht er zu viele Fehler. Und Verstappen, das hochgelobte Wunderkind? Macte nur mit seinem wilden Fahrstil aufmerkam. Fährt er, wie es sich gehört, fährt er hinterher. Die Langeweile von 2018 wird sich also fortsetzen.
Aleae iactae sunt 06.05.2019
2. Interessant, wenn es um entscheidende WM Punkte geht,
dann fährt er sichtbar vorsichtiger und nicht wie in letzten Jahren fahrlässig andere und sich von der Strecke; oder beschädigt gleich mehrere Fahrzeuge und ruiniert deren Gewinnchancen. Handgreiflichkeiten und Drohsprüche wird sich das Bürschlein auch verkneifen. Schon stellt man fest, dass auch der Wunderknabe nur so schnell ist, wie das Auto es zulässt. Langeweile sehe ich noch nicht unbedingt. Durchaus sind noch Änderungen an der Spitze möglich. Und bei allen schnellsten Fahrern ist halt doch ganz entscheidend, ob das Auto und/oder das Team ganz vorne liegen. Egal wie die Fahrer heißen, MV, LH, SV, NR, FA, ....
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