Formel-1-Jungstars Verstappen und Leclerc Seite an Seite in eine spektakuläre Zukunft

Die Mercedes-Dominanz in der Formel 1 setzt sich fort. Trotzdem war der Große Preis von Großbritannien dank Max Verstappen und Charles Leclerc eins der unterhaltsamsten Rennen seit Langem.

Luca Bruno / AP

Von


Das Duell des Rennens: In der 14. Runde kamen Charles Leclerc und Max Verstappen zeitgleich zum ersten Reifenwechsel - und fuhren parallel aus der Boxengasse zurück auf die Strecke. Es war ein Bild, das man in der Formel 1 nur selten sieht, und gleichzeitig der Auftakt zu einem packenden Zweikampf mit grandiosen Manövern beider Fahrer. Dabei ging es zwar hart zur Sache - wie in Runde 25, als Leclerc seinen Kontrahenten kurz von der Strecke schob. Aber beide blieben fair und leisteten sich auch unter Druck keine Fehler.

Das Ergebnis: Auch wenn Leclerc und Verstappen für das größte Spektakel sorgten, mit dem Rennausgang hatten sie nichts zu tun. Der strahlende Sieger hieß mal wieder Lewis Hamilton: zum siebten Mal in dieser Saison und zum sechsten Mal in Silverstone. Damit ist der Brite alleiniger Rekordhalter bei seinem Heim-Grand-Prix. Hier geht es zum Rennbericht.

Der Start: Valtteri Bottas hatte sich im Qualifying die Pole Position gesichert und verteidigte den Spitzenplatz am Start vor Hamilton und Leclerc. Auch dahinter tat sich zunächst wenig. Nur Sebastian Vettel machte eine Position gut und setzte sich zwischen die Red Bull von Verstappen und Pierre Gasly.

Im Auftrag Ihrer Majestät: Verstappen und Gasly hielten sich in der Anfangsphase vornehm zurück. Ob das daran lag, dass sie sich in geheimer Mission wähnten? James-Bond-Darsteller Daniel Craig war als Ehrengast in der Red-Bull-Box, das 007-Logo zierte die Wagen und die Rennanzüge von Verstappen und Gasly waren stilisierte Smokings mit Fliege. Der Hintergrund: Seit 2018 heißt das Team offiziell Aston Martin Red Bull Racing und Craig dreht unter dem Arbeitstitel "Bond 25" gerade seinen fünften Teil als Hauptdarsteller der Bond-Serie - im Aston Martin.

Das Spektakel: Passend zum 007-Thema bot das Rennen viel Action und einige sehenswerte Stunts. Neben dem packenden Duell zwischen Leclerc und Verstappen zeigten in der Anfangsphase vor allem die beiden Mercedes-Piloten starkes Racing. Schon in der vierten Runde zog Hamilton an Bottas vorbei, doch der Finne eroberte mit einem starken Konter die Führung zurück. Auch im weiteren Feld gab es beeindruckende Manöver zu sehen, unter anderem von Gasly gegen Vettel in Runde zwölf, von Verstappen gegen Gasly in Runde 28 und von Leclerc gegen Gasly in Runde 36.

Der erste Game Changer: In der 21. Runde drehte sich Antonio Giovinazzi im Alfa Romeo ohne ersichtlichen Grund und rutschte ins Kiesbett. Das Safety Car kam auf die Strecke. Davon profitierten Hamilton und Vettel, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht an der Box gewesen waren und sich sofort neue Reifen holten. So übernahm Hamilton die Führung, Vettel rückte auf Platz drei vor.

Der zweite Game Changer: Eine Zeitlang sah es so aus, als sollte Vettel ein eigentlich verkorkstes Rennwochenende durch das Glück mit dem Safety Car doch noch retten können. Bis zur 37. Runde. Dann zog Verstappen mühelos am Deutschen vorbei. Beim Versuch zu kontern, rauschte Vettel mit hohem Tempo von hinten in Verstappen hinein und schoss ihn von der Strecke. Spätestens diese Szene mit fliegenden Autos und sprühenden Funken sah so aus, als stamme sie aus einem James-Bond-Film. Umso erstaunlicher, dass beide weiterfahren konnten. Verstappen musste nicht mal an die Box und wurde Fünfter. Vettel brauchte eine neue Nase und fiel so weit zurück, dass auch die Zehn-Sekunden-Strafe, die er für seinen Fehler kassierte, nicht mehr ins Gewicht fiel.

Der lachende Dritte: Das Safety Car hatte Leclerc Plätze gekostet - ein Umstand, der dem jungen Monegassen nicht gefiel. "Wie zur Hölle konnten wir die Position verlieren?", fragte Leclerc über den Funk seine Box. Die Antwort: "Bleib ruhig, es kann noch viel passieren." Das Team sollte Recht behalten. Der Crash von Verstappen und Vettel brachte Leclerc zurück auf Platz drei.

Der traurige Zweite: Der andere große Verlierer der Safety-Car-Phase war Bottas, der seine Führung an Hamilton abgeben musste. Da sich der Unfall zwischen Vettel und Verstappen hinter ihm ereignete, hatte die Aktion keine Folgen für den Finnen. Statt seinen dritten Saisonsieg zu feiern, musste sich Bottas zum fünften Mal mit Platz zwei zufrieden geben.

"Box, Box, Lewis": An der Spitze drehte Hamilton seine Runden - und weigerte sich, für einen weiteren Stopp an die Box zu kommen. Mehrfach bereitete sich sein Team vor und stellte frische Reifen für die Schlussphase bereit. Über den Funk kam das Signal "Box, Box, Lewis". Doch der Weltmeister blieb einfach auf der Strecke. Vermutlich wollten die Mercedes-Strategen Hamilton die Chance auf den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde geben. Bottas hatte ihm die Bestzeit mit frischen weichen Reifen zunächst weggeschnappt. Doch Hamilton bewies, dass er keinen zusätzlichen Stopp brauchte. Seine letzte Runde war die schnellste des Rennens. So sicherte er sich bei der Zieldurchfahrt nicht nur die 25 Punkte für den Sieg, sondern noch einen zusätzlichen.

Das Duell der Zukunft: Weil Mercedes so dominant und Hamilton am Steuer so souverän ist, wird es in dieser Saison keinen spannenden Kampf um die Weltmeisterschaft geben. Aber Leclerc und Verstappen haben mit ihrem spektakulären Duell gezeigt, dass die Formel 1 trotzdem Spaß machen kann. Und das womöglich für eine lange Zeit - schließlich sind beide erst 21 Jahre jung.

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bhang 14.07.2019
1. Norris ist besser...
als Leclerc. Was die neue Generation an Fahrern angeht, steht Verstappen natürlich einsam an der Spitze.
DHC2 14.07.2019
2.
Nach dem todlangweiligin Rennen in Frankreich kam in Spielberg wieder etwas Hoffnung auf, dass F1 doch spannend sein kann. Aber in Silverstone ist die Meute leider wieder in Lethargie gefallen, Wen juckt es schon, wenn hinten im Feld 2 Fahrer um die billigen Plätze kämpfen.
haraldbuderath 15.07.2019
3. Vettel Fantastisch
Der Einsatz von Vettel ist phänomenal, es ist schade das er in einem Ferrari seit Jahren chancenlos ins Rennen gehen muss, Ferrari sollte die F1 verlassen und sich Neu orientieren , Mercedes sollte Ingenieure zur Konkurrenz schicken um einen fairen Wettbewerb möglich zu machen,
rsl1411 15.07.2019
4.
Hamilton hat nicht wegen des Safetycars gewonnen. Sondern weil er die Anweisungen seines Teams ignorierte, die Reifen schonte und - zudem entgegen sämtlichen Berechnungen Pirellis - auf eine Ein-Stopp-Strategie setzte. Bottas musste nochmal rein und hätte auch ohne das Safetycar nicht gewinnen können. Das SC hat Hamilton früher an Bottas vorbeigespült, aber ausschlaggebend für seinen Sieg war es nicht.
Aleae iactae sunt 15.07.2019
5. SV wieder mal in die Falle gelocktund gegangen
Wie letztes Mal CL als er sich von MV in eine ausssichtslose Position gebracht wurde. Hat es jemand genai gesehen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.