Verstappens Zoff mit Ocon Der gestohlene Sieg

Er fuhr in Richtung Triumph, dann kam es zum Crash: Max Verstappen geriet beim Großen Preis von Brasilien mit Esteban Ocon aneinander. Verstappens Boss glaubt nicht nur an einen Zufall.
Max Verstappen

Max Verstappen

Foto: Lars Baron/ Getty Images

Auch wenn Lewis Hamilton den Grand Prix und Mercedes die Konstrukteurs-WM der Formel 1 gewonnen haben: Der Fahrer, um den sich in Interlagos alles drehte, war Max Verstappen. Der junge Niederländer schien einem sicheren Sieg entgegenzufahren, als ihm Esteban Ocon in die Quere kam.

Ocon lag bereits eine Runde zurück, kam aber mit frischen Reifen aus der Box. Und mit großen Ambitionen: Er versuchte sich an einem aggressiven Überholmanöver gegen den Führenden Verstappen, der wiederum mit dieser Attacke nicht gerechnet hatte. Der Force-India-Pilot bekam für die Aktion dann auch eine 10-Sekunden-Stop-and-go-Strafe - was Verstappen nicht viel nützte. Dessen Red Bull war so stark beschädigt, dass der 21-Jährige zwar noch einmal an Hamilton heran-, aber nicht mehr vorbeikam.

Verstappen (r.), Ocon

Verstappen (r.), Ocon

Foto: Lars Baron/ Getty Images

Hinterher war Verstappen stinksauer: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll, da macht man alles richtig, wir hatten ein sehr gutes Auto, eine sehr gute Strategie, und dann schiebt dich einer raus, der mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun hat."

Schon vorher hatte er über Funk zu seinem Team gesagt: "Hoffentlich begegne ich Ocon nachher nicht im Fahrerlager, sonst könnte was passieren." Und als sich die beiden vor der Siegerehrung beim Wiegen kurz begegneten, kam es tatsächlich zumindest zu einer heftigen Schubserei, ehe Offizielle dazwischengingen. Verstappen brachte das zwei Tage "soziale Arbeit" für die Fia als Strafe ein. "Wir sind alle leidenschaftlich in diesem Sport. Ich bin ein Gewinner. So aus dem Rennen um den Sieg genommen zu werden und dann noch eine dumme Antwort von ihm zu kriegen, darüber war ich einfach nicht happy", sagte Verstappen danach.

Neu sind solche Zusammenstöße nicht. Nigel Mansell wollte 1987 in Spa Ayrton Senna an den Kragen, Senna selbst verpasste 1993 in Suzuka Eddie Irvine eine Ohrfeige, nachdem der ihn zuvor bei einem ähnlichen Zurückrundungsmanöver fast von der Strecke befördert und dann danach verbal provoziert hatte. Michael Schumacher jagte 1998 in Spa David Coulthard nach einer Kollision in die McLaren-Box hinterher und ließ sich nur durch das Eingreifen von Teammitgliedern besänftigen.

"Er kann den Führenden so nicht attackieren"

Einige Experten und auch Hamilton meinten, Verstappen hätte Ocon einfach fahren lassen sollen, schließlich hätte er mehr zu verlieren gehabt. Doch Verstappen verließ sich auf das Privileg des Führenden gegen einen Überrundeten - und bekam Rückendeckung etwa von Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock: Ocon hätte "längst aufgeben müssen, er kann den Führenden so nicht attackieren und dadurch das Rennen von Verstappen kaputtmachen."

Auch Red-Bull-Motorsportkoordinator Helmut Marko war verärgert: "Dass dieser fantastische Drive von Max mit solch einer Idiotie bestraft wird, ist unglaublich." Marko glaubte nicht nur an einen Zufall. "Ein Mercedes-Fahrer hat uns den Sieg gekostet, und zwar einer, dem für 2020 schon das Silberpfeil-Cockpit versprochen wurde."

Die Konkurrenz beschäftigt etwas anderes: Wenn Red Bull jetzt schon mit dem unterlegenen Renault-Motor sehr stark ist, was wird dann 2019 mit dem neuen Motorenpartner Honda?

"Verstappen zum jüngsten Weltmeister machen"

Das japanische Triebwerk, so die Meinung bei Toro Rosso, Red Bulls B-Team, das in diesem Jahr den Honda nutzt, habe schon jetzt mehr Leistung als der Renault. Auch Marko lobt: "Es gibt Zahlen, die belegen, dass wir 2019 nur noch etwa 13 PS Rückstand haben werden. Dann können wir unser Ziel erreichen: Max Verstappen zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte zu machen." Bislang hält diesen Rekord Sebastian Vettel, der 2010 als 23-Jähriger die WM gewann.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist überzeugt: Wenn die Power-Lücke zu Ferrari und Mercedes erst einmal weitgehend geschlossen ist, "dann sollten wir mit unserem guten Chassis wirklich konkurrenzfähig sein". Es blieben zwar kleinere Regeländerungen, auch im Bereich der Aerodynamik, "die immer das Risiko bergen, dass es manche Teams besser und manche schlechter hinbekommen." Als Team aber sei Red Bull stark genug, um mit Mercedes und Ferrari zu kämpfen.

Neben Verstappen wird 2019 Pierre Gasly im Red Bull sitzen, der noch im Toro Rosso fährt. Für den Niederländer bedeutet das eine so klare Nummer-eins-Position, wie sie Hamilton bei Mercedes inne hat. Der Optimismus ist jedenfalls groß bei Red Bull. Auch Verstappen schaut schon jetzt auf das kommende Jahr: "Alle sind topmotiviert. Die Testdaten sind sehr vielversprechend." Marko schließt jedenfalls schon mal Wetten im Vettel-Umfeld ab: Darauf, dass Verstappen nächstes Jahr in der WM garantiert vor dem Deutschen landen wird.