Formel-1-Teamchef Toto Wolff Das ist der Mann hinter den Mercedes-Erfolgen

Mercedes, immer wieder Mercedes. Wer die langjährige Dominanz der Silberpfeile erklären will, kommt an ihm nicht vorbei: Toto Wolff ist längst mehr als ein Teamchef in der Formel 1.

Toto Wolff und Lewis Hamilton feiern den Sieg in Mexiko
Dan Istitene/Getty Images

Toto Wolff und Lewis Hamilton feiern den Sieg in Mexiko

Von Karin Sturm


Die Fragen werden seit Jahren kontinuierlich gestellt: Wie ist die langjährige Dominanz von Mercedes und dem nun sechsfachen Weltmeister Lewis Hamilton in der Formel 1 möglich? Warum schaffen es die Konkurrenten nicht, nachhaltig zu den Silberpfeilen aufzuschließen?

Gerade im Vergleich zu Ferrari lautet die Antwort: Weil es bei dem italienischen Rennstall keinen Chef wie Toto Wolff gibt (lesen Sie hier einen Rückblick auf die Saison 2019, in der sich Ferrari zu viele Fehler leistete).

Sechs Konstrukteurs-Weltmeisterschaften in Folge, dazu sechs Fahrer-WM-Titel für einen Teamchef - das gab es noch nie. Sechs Team-Titel in Folge holte zwar auch Jean Todt als Ferrari-Chef von 1999 bis 2004, ihm aber fehlt ein Fahrertitel in der Bilanz. Mehr Titel als Wolff haben nur Ron Dennis (zehn Fahrer-, sieben Konstrukteurstitel) und Frank Williams (7/9).

Toto Wolff ist einer der führenden Meinungsmacher in der Formel 1
Clive Mason/ AFP

Toto Wolff ist einer der führenden Meinungsmacher in der Formel 1

"Als wir uns auf diese Reise in die neue Turbohybrid-Ära gemacht haben, nahmen wir uns vor, regelmäßiger Rennen zu gewinnen und früher oder später ein Wörtchen um den Titel mitreden zu können", sagt Wolff über das Jahr 2014, als die Motorentechnologie umgestellt wurde. Sechs Jahre später steht fest, dass Mercedes alle WM-Titel gewinnen konnte.

Dabei hatte der Österreicher, der als Investor zu einem Vermögen im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich gekommen ist, als Teamchef einen holprigen Start erlebt. Nachdem er im Januar 2013 zusammen mit dem im Mai 2019 verstorbenen Niki Lauda offiziell die Leitung bei den Silberpfeilen übernommen hatte, unterliefen ihm im hart umkämpften Formel-1-Geschäft noch Fehler. Einmal etwa äußerte er sich einem Teamchef-Kollegen gegenüber in einem scheinbar privaten Gespräch etwas zu deutlich über Mitglieder der Mercedes-Chefetage - nicht ahnend, dass dieser das Gespräch heimlich aufzeichnen würde, um es in Umlauf zu bringen.

Wolff gelang es schon damals, die aus dieser Affäre resultierenden internen Probleme aus dem Weg zu argumentieren. Und er lernte schnell, Wolff äußerte sich fortan vorsichtiger. Seither wuchs das Vertrauen der Stuttgarter Vorstandsetage kontinuierlich, vor allem, weil mit dem Duo Wolff-Lauda der Erfolg für Mercedes kam.

Die beiden - wenn auch längst nicht immer auf einer Linie - teilten sich die Aufgaben und spielten sich geschickt die Bälle zu: Legende Lauda wirkte nach außen, Macher Wolff nach innen. Ging es etwa darum, ein für das Mercedes-Team günstiges Umfeld zu schaffen, ließ Lauda seine guten Kontakte zum ehemaligen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone oder zu anderen Partnern wie Reifenhersteller Pirelli spielen. Wolff wiederum nutzte sein diplomatisches Talent, um bei den Mercedes-Managern die Wogen zu glätten, falls Lauda zu forsch vorgegangen war.

Angesprochen auf seinen Anteil an der Erfolgsgeschichte verweist der Chef auf seine vielen Mitarbeiter, sei es bei den Rennen oder im Werk im britischen Brackley. "Ich weiß, wie viel harte Arbeit geleistet worden ist", sagt Wolff über das Teamwork bei Mercedes. "Es gab auch Rückschläge und schmerzliche Momente, aber das Team hat sich immer wieder aufgerappelt und reagiert. Ich bin sehr stolz auf die ganze Mannschaft."

Die Perspektive aus dem Cockpit ist ihm ebenfalls nicht fremd. Und auch, wenn seine größten Talente trotz Ausbildung in der bekannten Rennfahrerschule seines österreichischen Landsmanns Walter Lechner auf der Strecke lagen, so helfen dem Hobby-Rennfahrer seine Einblicke doch, die Fahrer besser zu verstehen, Lewis Hamilton etwa die Freiheiten zu lassen, die er braucht.

"Fridays for Future" und Formel 1 schließen sich nicht aus

Wolff versteht es zudem, über den Tellerrand hinauszuschauen, etwa in der Klima- und Umweltdebatte. Ein schwieriges Thema in der durch Ressourcen-Verschwendung bekannten Formel 1. Wolff betont, dass seine beiden Kinder bei "Fridays for Future" aktiv sind - und er das ziemlich gut findet, genauso gut, wie das Engagement seines Starpiloten Hamilton, der bis Ende des Jahres klimaneutral leben möchte. Initiativen der Formel 1 zur Aufbesserung der Ökobilanz sollen demnächst veröffentlicht werden.

Der 47-Jährige, der im Sommer bereits als Nachfolger von Formel-1-Chef Chase Carey gehandelt wurde, ist eine der wichtigsten politischen Figuren in der Formel 1. Durch die Platzierung von Mercedes-Junioren mischt Wolff auf dem Fahrermarkt mit, bei wichtigen Abstimmungen formt er Allianzen. Der 47-Jährige brachte etwa bei der Frage, ob die Reifenregeln in der kommenden Saison angepasst werden sollten, nicht nur die Mercedes-Kundenteams auf seine Seite, sondern auch Renault und McLaren.

Irgendwann wird die Dominanz von Mercedes enden, das weiß auch Wolff. Doch ein entspanntes Zurücklehnen gab es in den vergangenen Jahren nicht - und das dürfte so bleiben. "Es ist schwer zu vermitteln, unter welchem Druck du stehst. Und diesen Druck machen wir uns vor allem selbst. Wir verlangen sehr viel von uns, und wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden, dann tut das weh", sagt Wolff. "Ich bin davon überzeugt: Eine elementare Stärke dieses Rennstalls besteht darin, sich nach Niederlagen aufzurichten und nochmals zuzulegen. Wenn man das schafft und dann wieder beide Titel holt, dann erzeugt das sehr kraftvolle Emotionen."

2020 wird angesichts der dann folgenden Regelreform zur Zwischensaison. Weitere Mercedes-Erfolge sind sehr wahrscheinlich.

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rennflosse 05.11.2019
1. Neue Zeit
Rennleiterlegende Alfred Neubauer war der Mercedes - Teamchef des 20. Jahrhunderts und Wolff ist der Teamcef des 21. Jahrhunderts. Beide waren und sind in ihrer Zeit sehr erfolgreich, das verdient Respekt ungeachtet aller Kritik, die man an der Formel 1 im allgemeinen äußern kann. Dazwischen steht für mich Norbert Haug, den ich ebenfalls für einen erfolgreichen Mercedes - Teamchef halte. Er hatte das Pech, Mercedes "nur" als Motorenlieferant zu vertreten und den übermächtigen McLaren-Teamchef Ron Dennis an seiner Seite zu haben. Trotzdem war das Gespannn viele Jahre überaus erfolgreich. Hochachtung verdient die Entscheidung von Mercedes, sich in einer Zeit mit einem eigenen nRennstall zu engagieren, wo andere Hersteller sich zurückzogen oder dies bereits getan hatten (Honda, Toyota, BMW)
sdiefenbach 05.11.2019
2. Rechtschreibung
Moin, prüft hier noch irgendjemand die Texte vor Veröffentlichung? Gruß
f-rust 05.11.2019
3. Hinweis an Redaktion
im Text sind recht viele Fehler durch Doppelungen von Worten aus anderen Texten. Würde sich lohnen, das zu korrigieren.
SegelW 05.11.2019
4. Angenehm, so fehlerfreien Text zu lesen
Gibts bei SPON kein Korrektorat?
xai16275 05.11.2019
5. wie wäre es mal mit der Wahrheit?
In Wahrheit wurde vor dem ersten Ausrollen der Hybridmotoren das Paket bis zur nächsten Regeländerung festgezurrt. Was heißt das? Nur wer vorn ist, bleibt vorn. Mercedes hatte das Jahr zuvor nichts mit der WM zu tun und somit frühzeitig mit der Entwicklung der Hybride begonnen. Dann hat Mercedes DAS Auto schlecht hin und weil niemand testen, großartig Dinge verändern etc. darf, ist klar, dass die Weltmeister nur aus dem Mercedes Team kommen. Das ist der alleinnige Grund, warum diese Langeweile in der Formel 1 existiert! Und aus irgendeinem Grund stellt sich genau nur 1 Team gegen die Regelauflösung, Mercedes. Das heißt, Hamilton wird auch die nöchsten Jahre noch Weltmeister werden, einfach weil das Reglement das gar nicht anders hergibt. Und die Presse sollte endlich mal aufhören Ferrari als das Überauto und schnellste Auto etc. zu titulieren, das ist einfach nicht korrekt! Und nur weil man es tausendfach wiederholt, wird es auch nicht wahrer!
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