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Formel-1-Tests: Tarn-Look und Teenager

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Formel-1-Tests Schnell, schneller, Mercedes

Der WM-Kampf in der Formel 1 wird ein Duell der beiden Mercedes-Piloten - das scheint nach den Tests klar. Dahinter streiten drei Teams um die Rolle des Zweiten. Der Form-Check.

Am Ende des Tages stellte Toto Wolff seine Qualitäten als Meister des Understatements unter Beweis. Er sei "vorsichtig optimistisch. Ich denke, wir haben ein gutes Auto hingestellt, ein gutes Gesamtpaket", sagte der Chef des Formel-1-Teams von Mercedes in Barcelona, wo am Sonntag der letzte von drei Testfahrt-Zyklen zu Ende gegangen war. "Laut Schätzungen sollten wir nach wie vor noch vorne sein", so der Österreicher. Was für eine Untertreibung.

"Mercedes ist unfassbar schnell. Die sind allen um Meilen voraus", sagte McLaren-Pilot Jenson Button und brachte die Tests auf einen einfachen - und richtigen - Nenner. Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo stellte zwei Wochen vor dem ersten Saisonrennen in Melbourne (15. März, 6 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL und Sky) dann noch fest: "Die fahren wie letztes Jahr in einer anderen Dimension."

Während die WM-Entscheidung also aller Voraussicht nach wieder zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg fallen wird, dürfte es dahinter richtig spannend werden. Ferrari, Red Bull und Williams sind ähnlich schnell. Beim einstigen Traumpaar McLaren-Honda gibt es hingegen massive Probleme.

Was läuft gut, was nicht? Die Top-Teams der Formel 1 im Formcheck.

Mercedes
Spätestens als Rosberg mit 1:22,7 Minuten die absolute Bestzeit in Barcelona fuhr, war klar: Der WM-Titel wird wieder ein Zweikampf der Silberpfeil-Piloten. Und der Deutsche fuhr seine schnellste Runde nur auf den weichen, nicht den superweichen Reifen, die nochmal eine halbe Sekunde schneller sind.

Gegenüber der Konkurrenz war Mercedes pro Runde rund 0,8 Sekunden schneller - in der Formel 1 Welten. Ein möglicher kleiner Hoffnungsschimmer für die Konkurrenz: Als es am Sonntag ein bisschen wärmer wurde in Barcelona, schien Mercedes über die Distanz etwas größere Probleme mit stärkerem Reifenverschleiß zu bekommen.

Ferrari
Das neue Team von Sebastian Vettel hat über den Winter den wohl größten Sprung nach vorne gemacht. 1,2 Sekunden sind die Italiener schneller als 2014, wie Konkurrent Mercedes ausgerechnet hat. "Der Verlauf der Tests, die Fortschritte, wie wir durch das Programm gekommen sind, das entsprach voll unseren Erwartungen", sagte Ferraris neuer Teamchef Maurizio Arrivabene.

Ferrari-Duo Vettel (r.), Räikkönen: Schneller als 2014

Ferrari-Duo Vettel (r.), Räikkönen: Schneller als 2014

Foto: Mark Thompson/ Getty Images

Vettel fühlt sich im Team und im Auto sehr wohl und ist vorsichtig optimistisch: "Es wird sehr knapp werden zwischen uns, Red Bull und Williams - aber die Frage ist erst einmal nur, wer die Plätze hinter Mercedes belegt." Die Zuverlässigkeit während der gesamten Testphase war vielversprechend.

Red Bull
Vettels Ex-Team geht deutlich besser gerüstet in die Saison 2015 als in die vergangene. Der Speed stimmt vor allem über die Distanz, auch wenn Motorenlieferant Renault immer noch nach etwas mehr Power sucht und es über die Länge der Qualifyingrunde noch etwas hapert, wie Teamchef Christian Horner zugibt.

Vor allem aber ist die Zuverlässigkeit klar besser geworden - auch wenn im Bereich Motor und Energierückgewinnung noch immer ein paar Pannen passieren. Auffällig während der Testphase: Ricciardo scheint deutlich besser mit dem Auto zurechtzukommen als Daniil Kwjat, der von Toro Rosso kam.

Williams
Viele hatten dem Team zugetraut, sich - auch wegen des Mercedes-Motors - als Nummer zwei hinter den Silberpfeilen zu etablieren. Auf einer Runde waren Felipe Massa und vor allem Valtteri Bottas sehr schnell. Ob das Team diesen Speed auch ein komplettes Rennen aufrechthalten kann, ist noch unklar. Positiv aus Williams-Sicht: Die Reifen scheinen vom Auto nicht ungewöhnlich heftig beansprucht zu werden.

McLaren-Honda
Vom Namen her ein Top-Team, von der Leistung her aber noch nicht. Es scheint auch unwahrscheinlich, dass McLaren zumindest in der ersten Saisonhälfte leistungsmäßig wieder Anschluss an die erweiterte Spitze finden wird. Die technischen Probleme von Motoren-Partner Honda bei der Rückkehr in die Formel 1 sind gewaltig, vor allem bei der Zuverlässigkeit hapert es noch massiv. Nicht einmal die Hälfte des geplanten Test-Programms konnte absolviert werden.

Alonso-Unfall in Barcelona: Wind oder doch Stromschlag?

Alonso-Unfall in Barcelona: Wind oder doch Stromschlag?

Foto: Mark Thompson/ Getty Images

Dazu kommt der noch immer mysteriöse Unfall von Fernando Alonso in Spanien. Die von McLaren für den Crash gelieferte Ursache - Wind - wird auch bei andauernder Wiederholung nicht glaubwürdiger. Indizien deuten auf ein elektrisches Problem und einen Stromschlag hin. Ein solcher Zwischenfall wäre für die Formel 1 aber fatal. Ob Alonso beim Auftakt in Melbourne am Steuer sitzt, ist noch nicht klar.

Der Rest
Lotus scheint mit dem Mercedes-Motor deutlich besser aufgestellt als vergangenes Jahr. Gut möglich, dass man sich erst einmal hinter den vier Top-Teams, aber noch vor McLaren-Honda platzieren kann. Auch Sauber hat sich nach der katastrophalen Vorsaison deutlich verbessert. Das Team profitiert von den Fortschritten des Ferrari-Motors. Bei Toro Rosso muss man abwarten, wie die beiden Teenager Max Verstappen und Carlos Sainz jr. mit dem Druck eines Rennwochenendes umgehen. Und Force India scheint große Finanzprobleme zu haben, das Team ging erst am drittletzten Testtag auf die Strecke - mit einem Auto, das zu einem Drittel noch dem Vorjahresmodell entspricht.

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