Formel 1 Michael Schumacher gewinnt auch das Saisonfinale

Jubel, Double, Ferrari-Zeit: Nachdem ein weltmeisterlicher Michael Schumacher mit seinem neunten Saisonsieg auch den Konstrukteurs-Titel für Ferrari perfekt gemacht hatte, sah die Formel 1 nur noch rot.


Michael Schumacher hat nach WM-Titel für Ferrari gut lachen
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Michael Schumacher hat nach WM-Titel für Ferrari gut lachen

Kuala Lumpur - Schumacher, sein Teamkollege Rubens Barrichello und das gesamte Ferrari-Team feierten mit knallroten Perücken in Kuala Lumpur den krönenden Abschluss einer großartigen Saison. Selbst Silberpfeil-Pilot David Coulthard setzte sich nach seinem zweiten Platz aus Anerkennung für Schumachers Leistung in diesem Jahr die roten Haare auf, nachdem er zuvor das Kriegsbeil mit dem Kerpener begraben hatte.

"David hat sich nach dem Rennen bei mir für verschiedene Dinge in dieser Saison entschuldigt. In Zukunft will er sich direkt an mich wenden, wenn er Probleme mit mir hat, ohne die Medien zu benutzen", sagte Schumacher nach dem Sieg beim Großen Preis von Malaysia: "Ich bin froh, dass diese Sache ausgeräumt ist, jetzt können wir beim Feiern noch mal zusammen richtig Gas geben."

Mit neun Siegen hat der Kerpener seinen persönlichen Rekord aus dem Jahr 1995 eingestellt. Insgesamt bringt er es nach dem Erfolg von Kuala Lumpur vor Coulthard, Barrichello und Mika Häkkinen auf 44 Siege, für sein Ferrari-Team war es im 636. Grand Prix Erfolg Nummer 135. Damit beseitigte Schumacher auch die letzten rechnerischen Zweifel, dass die Scuderia zwei Wochen nach seinem Triumph in Suzuka auch den Marken-Titel erfolgreich verteidigt. Drei Punkte hätten die "Roten" noch gebraucht, 14 sind es bei tropischen Temperaturen geworden. In der Endabrechnung brachte es Ferrari damit auf 170 Zähler, 18 mehr als Verfolger McLaren (152). Nach dem zehnten Konstrukteurs-Titel sind die Italiener in der ewigen Bestenliste alleiniger Spitzenreiter vor Williams (9) und McLaren (8), zum insgesamt sechsten Mal und erstmals seit 1979 gelang das Double aus Fahrer- und Konstrukteurs-WM.

Im Lager der Silberpfeile hielt sich die Enttäuschung in Grenzen. "Es bringt nichts, jetzt zu lamentieren. Wir haben eine gute Saison gesehen und sollten uns als faire Verlierer zeigen. Es liegt jetzt an uns, das Blatt im nächsten Jahr wieder umzudrehen", sagte Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert.

Einen kurzen Arbeitstag hatten die Mönchengladbacher Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen. Heidfeld wurde bei seinem letzten Rennen für Prost in der ersten Kurve in eine Kollision mit Pedro de la Rosa und Pedro Diniz verwickelt und schied aus. Frentzen stellte an seinem ersten Hochzeitstag seinen Jordan in Runde sieben wegen Hydraulikproblemen in der Box ab.

Schumis Vorfreude auf die große Party

Der "maßlos enttäuschte" Ralf Schumacher rollte wegen eines Öldruckproblems an seinem Williams-BMW in Runde 44 aus. Trotz der Ausfälle von "Schumi II" und Jenson Button behielt BMW-Williams mit 36 Punkten aber Platz drei in der Konstrukteurswertung vor Benetton und BAR (je 20) sowie Jordan (17). Prost wurde ohne WM-Zähler enttäuschender Letzter.

Schumi freute sich nach dem Rennen schon auf die "große, große Party" mit seinem Team und den anschließenden Urlaub, bevor für ihn wohl erst im nächsten Jahr die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt, die am 4. März 2001 in Melbourne startet. "Es war ein schöner Abschluss der Saison, mit der Pole Position und dem Sieg, obwohl wir nur drei Punkte gebraucht hätten. Jetzt dürfen wir uns auf einen schönen Winter freuen", sagte Schumacher.

Dabei hatte es zu Beginn des Rennens noch nicht nach Schumis viertem Sieg in Folge ausgesehen. "Ich hatte keinen sehr guten Start", erklärte der Kerpener. Zunächst überholte ihn Häkkinen, noch in der ersten Kurve auch Coulthard. Häkkinen hatte allerdings einen Frühstart hingelegt und wurde von der Rennleitung mit einer Zehn-Sekunden-Strafe belegt. Bevor er diesen unfreiwilligen Stopp in Runde fünf einlegte, hatte der Finne allerdings schon Coulthard, Schumacher und Barrichello passieren lassen. Vom letzten Platz startete er eine Aufholjagd bis auf Rang vier.

Die Entscheidung fiel schon in Runde 24, als Schumacher sieben Runden nach Spitzenreiter Coulthard zum ersten Reifenwechsel an die Box fuhr und vor dem Schotten wieder auf die Strecke zurückkam. Der Schotte machte in den verbleibenden 17 Runden Jagd auf Schumacher, doch an dem fehlerfrei fahrenden Deutschen gab es an diesem Tag einfach kein Vorbeikommen.



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