Formel 1 Mosley befürchtet Ausstieg weiterer Teams

Gestern Honda, morgen Toyota? Max Mosley, Präsident des Automobil-Weltverbandes Fia, warnt davor, dass sich weitere Hersteller aus der Formel 1 zurückziehen, wenn die Kosten der Teams nicht massiv gesenkt werden. Ein harter Sparkurs könne dagegen neue Marken anziehen.


Hamburg - "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir ein oder zwei weitere Hersteller verlieren", sagte Mosley der englischen Zeitung "The Times", "wenn wir ihnen nicht klarmachen können, dass das momentane Niveau der Ausgaben in der Formel 1 sinken wird".

Formel-1-Bolide von Honda: Wann steigt der nächste aus?
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Formel-1-Bolide von Honda: Wann steigt der nächste aus?

Am Freitag hatte Honda seinen Rückzug aus der Formel 1 erklärt. Das bislang von den Japanern finanzierte Rennteam mit Sitz in England hofft jetzt auf einen neuen Käufer. Details über Ausstiegspläne weiterer Firmen nannte Fia-Boss Mosley nicht: "Das Problem ist, dass ich bislang nur Gerüchte gehört habe."

Dennoch hat der 68-Jährige keinen Zweifel, dass die Finanzkrise auch auf die Formel 1 durchschlagen wird: "Wenn wir realistisch sind, müssen wir annehmen, dass die Autohersteller, die Ausgaben kürzen, Fabriken schließen und Leute entlassen, sich die Formel 1 anschauen werden und die Frage stellen: Sollen wir weitermachen?"

Als Ausstiegskandidat wurde in verschiedenen Medien bereits vor dem Abgang von Honda mehrfach der japanische Konkurrent Toyota gehandelt, der trotz immenser Etats von bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr - aktuell sind es laut "Times Online" noch etwa 310 Millionen - sportlich nie glänzen konnte.

Auch die Engagements von Renault und BMW sollen laut Medienberichten auf dem Prüfstand stehen. BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger dementierte allerdings am Freitag Ausstiegsgerüchte: "Unser Formel-1-Engagement ist ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Es gibt keine bessere Plattform als die Formel 1, um unsere Markenwerte zu demonstrieren. BMW nutzt das Formel-1-Projekt zudem gezielt als Technologiebeschleuniger für die Serie."

Mercedes-Sportchef Haug sagte: "Der Beitrag von Mercedes-Benz ist kosteneffizient gestaltet, das Medien- und Publikumsecho, das die letzte Saison und der Titelgewinn von Lewis Hamilton generierte, war ein Vielfaches dessen wert, was wir an Finanzen eingesetzt haben."

In den kommenden Tagen will sich Mosley mit Vertretern der Formel-1-Herstellervereinigung Fota treffen, um die Kostenfrage zu diskutieren. Laut "motorsport-total.com" sagte Mosley: "In einer Detailbetrachtung ist es der völlige Wahnsinn, was aktuell geschieht. Irrsinnige Summen an Geld werden dazu verwendet, um sich einen winzigen Vorteil zu verschaffen. Und genau dieses müssen wir stoppen."

Allerdings könnten geplante umfangreiche Sparmaßnahmen etwa im Hinblick auf Getriebe, Windkanäle und Aerodynamik mit Blick auf geltende Absprachen und Regeln nicht sofort umgesetzt werden, so Mosley: "Massive Reduktionen kann es erst 2010 geben - und zuerst müssen wir 2009 überstehen." Mosley würde die Budgets der Rennställe gern auf unter 100 Millionen Euro pro Jahr drücken, auch, um neue Namen für die Königsklasse des Motorsports zu gewinnen: "Ich glaube, es gibt mindestens zwei Hersteller, die schon länger in der Formel 1 mitmachen würden, wenn die Kostensituation nicht so eklatant wäre." Zu den Firmen, deren Namen immer wieder kursieren, gehören auch Volkswagen und Porsche.

Nach dem Honda-Ausstieg warb der Fia-Präsident zudem erneut für das von ihm favorisierte Modell des Einheitsmotors - der aber bei den Herstellern auf keine Gegenliebe stößt. Toyota hat bereits den Rückzug aus der Formel 1 angekündigt, wenn man nicht mehr mit eigenen Aggregaten an den Start gehen darf. Die Konzerne fürchten, dass die Werbewirksamkeit rapide sinkt, wenn ihre Rennwagen mit fremden Motoren ausgestattet werden.

Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone bestritt in der "Times", dass die Formel 1 in eine Krise schlittere: "Natürlich nicht! Honda will nur sein Team verkaufen. Ich glaube nicht, dass man sie sehr vermissen wird, oder?"

all/sid



insgesamt 181 Beiträge
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Seite 1
*42* 02.11.2008
1.
Zitat von sysopLewis Hamilton ist Weltmeister 2008 - doch Fragen bleiben offen: Ist der Brite tatsächlich der herausragende Fahrer der Formel 1. Oder wird Ferrari in der kommenden Saison zurückschlagen? Wird das neue Reglement für manche Überraschung sorgen? Und wie weit kann Sebastian Vettel im Red Bull nach vorn fahren? Diskutieren Sie mit!
Gerne! Zuerst würde ich sagen, das heute ein Paket gewonnen hat: Fahrzeug, Team und Fahrer. Wird Ferrari zurückschlagen? Versuchen werden sie es auf jeden Fall! Wird das neue Reglement für Überraschungen sorgen? Ich weiß es nicht. Allerdings, das heute beinahe ein Torro Rosso die WM entschieden hätte... läßt abwarten und auch den Gedanken zu, daß mindestens gleichwertige Fahrer in anderen Teams unter Vertrag stehen...
hphess 02.11.2008
2.
Haug & Co haben nun richtig gemacht, was sie letztes Jahr vergeigt haben. Insofern ist der Titel für Hamilton, den sie 2007 geradezu mutwillig und fahrlässig verspielt haben, absolut verdient. Momentan gibt es keinen absolut dominierenden Fahrer und auch kein dominierendes Team in der Formel 1. Das macht den Sport wieder interessant. Ich freue mich auf die nächste Saison.
vdh 02.11.2008
3. Ferrari vergeigte die WM für Massa
Die unseglichen Fehler die Ferraris Boxencrew während der vergangenen acht Monate machte, kosteten Felipe Massa den WM-Sieg. Unter Monsieur Todt wäre das nicht passiert.Basta.
deefens 02.11.2008
4.
Zitat von sysopLewis Hamilton ist Weltmeister 2008 - doch Fragen bleiben offen: Ist der Brite tatsächlich der herausragende Fahrer der Formel 1. Oder wird Ferrari in der kommenden Saison zurückschlagen? Wird das neue Reglement für manche Überraschung sorgen? Und wie weit kann Sebastian Vettel im Red Bull nach vorn fahren? Diskutieren Sie mit!
Angesichts von Wirtschaftskrise, US-Wahlen und des bevorstehenden Staatsbankrott der Bundesrepublik so relevant wie die Connor-Scheidung...
cheezer87 03.11.2008
5.
Klasse, nach Raikkonen '07 haben wir also den nächsten unwürdigen Weltmeister. Seit Schumi nicht mehr dabei ist und Alonso kein konkurrenzfähiges Auto mehr hat, sind die Weltmeister alles Andere als weltmeisterlich. Einen derartig künstlich erzwungenen Weltmeister wie Hamilton hat die Formel 1 meiner Meinung noch nicht gesehen. Peinlich genug, dass McLaren ein ganzes Jahr länger warten mussten. Wie es weitegeht? Ich hoffe, dass sich der bisherige Trend fortsetzt und Teams wie Renault und Toyota (evtl. auch BMW) weiter zu den Topteams aufschließen können. Vorallem wünsche ich mir bessere Autos für Kubica und Vettel. Auch Alonso verdient einen schnelleren Wagen. Der spanische Doppelweltmeister könnte wieder für etwas mehr fahrerische Klasse an der Spitze sorgen. Es gibt derzeit genügend Fahrer, die das Zeug zu wahren Champions haben. Schade, dass die Cockpits bei Rot und Silber schon anderweitig belegt sind.
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