Formel 1 Mosley rechnet mit weiterem Team-Ausstieg

Im Streit mit den Motorenherstellern in der Formel 1 hat Fia-Chef Max Mosley deren Unzuverlässigkeit heftig kritisiert. Der Rückzug des Jaguar-Rennstalls aus der Königsklasse des Motorsports werde nicht der letzte gewesen sein, prophezeit Mosley.


Mosley: "Verhandlungstaktik, mehr nicht"
DPA

Mosley: "Verhandlungstaktik, mehr nicht"

Hamburg - "Ich weiß, dass mindestens ein weiterer Hersteller innerhalb der nächsten 12 bis 24 Monate aussteigen wird. Man wird die Einführung des 2,4-Liter-V8 als Grund für den Ausstieg vorschützen. Eine faule Ausrede!", sagte Mosley der Zeitschrift "Motorsport aktuell".

Der Chef des Automobil-Weltverbandes Fia versucht derzeit, in der Formel 1 ab 2005 ein neues Motorenreglement mit 2,4-Liter-Achtzylindern anstelle der momentan verwendeten 3,0-Liter-Zehnzylinder einzuführen, und nennt dafür Sicherheitsgründe. BMW, DaimlerChrysler und Honda sind entschieden gegen diese Regel, weil sie kaum Geld sparen würde. Vor wenigen Wochen hatte Ford aus finanziellen Gründen seinen Rückzug aus der Formel 1 erklärt und sein Jaguar-Team sowie die Motorenschmiede Cosworth, die Jordan und Minardi ausrüstet, zum Verkauf angeboten.

Drohungen der verbliebenen Konzerne, aus der Formel 1 auszusteigen, bezeichnete Mosley als "Verhandlungstaktik, mehr nicht". Der Ford-Rückzug "war ein logisches Zeichen für den Stand der Dinge - die Formel 1 ist in dieser Form finanziell nicht weiter tragbar. Ford ist der erste Hersteller, der aussteigt, wird aber gewiss nicht der letzte sein. Was mal wieder unterstreicht, was ich immer und immer wieder betont habe - Automobilhersteller kommen und gehen nach Belieben."

Der Engländer bezieht sich im Streit um mehr Sicherheit und neue Motoren auf seiner Meinung nach nicht gehaltene Versprechen der Konzerne wie BMW, DaimlerChrysler, Honda oder Toyota. "Man kann sich nicht auf die Hersteller verlassen. Wer das glaubt, träumt", sagte Mosley.

"Wenn wir sagen: Ihr habt versprochen, den kleinen Teams Motoren zur Verfügung zu stellen, lautet die Antwort: Dann verklagt uns doch", erklärte Mosley, "also bliebe uns am Ende nur übrig, einige der größten Unternehmen der Welt vor Gericht zu zerren, um uns durchzusetzen. Solche Prozesse würden Jahre dauern und sind gewiss nicht, was ein Regulator wie die Fia tun sollte."



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