Formel-1-Saison 2014 Ein Monstrum namens "Power Unit"

Neuer Antrieb, neue Strategien, neue Favoriten: Fahrer, Teams und Fans dürfen sich auf viele Neuheiten und Überraschungen in der Formel 1 freuen. Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner erklärt in einem Gastbeitrag, warum diese Saison eine der spannendsten seit Jahren wird.

DER SPIEGEL

Ich freue mich riesig auf die neue Formel-1-Saison. Es gibt so viele Neuheiten, so viele offene Fragen, da ist Spannung garantiert. Regeländerungen hat es zwar vor jeder Saison gegeben. Was wir allerdings in diesem Jahr erleben, geht weit über die kleinen aerodynamischen oder sicherheitsrelevanten Anpassungen der Vergangenheit hinaus. Die neuen Motoren fordern die Fahrer und Ingenieure so sehr, wie wir das in der über 60-jährigen Geschichte der Formel 1 noch nie gesehen haben.

Mit der neuen Motorengeneration halten die sogenannten Power Units Einzug. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Saugmotor einfach durch einen Turbo-Motor ersetzt wird. Die Tragweite dieser Änderung ist fundamental. Denn es geht nicht nur darum, dass die Power Unit jetzt formal aus dem eigentlichen Motor, einem Elektromotor, einer Batterie und einem Turbo besteht. Diese Antriebseinheit beeinflusst einfach alles - vom Reifenverschleiß bis zur Zuverlässigkeit, von der Steuerung der Bremsanlage bis zur Rennstrategie.

Warum gibt es aber überhaupt neue Motoren? Der Automobilweltverband Fia will die Formel 1 "grüner" machen. Die Autos sollten weniger Sprit verbrauchen, aber immer noch die gleiche Leistung produzieren. Statt bislang 150 stehen nur noch 100 Kilogramm Benzin für das Rennen zur Verfügung. Die Motoren müssen also wesentlich effizienter arbeiten, damit der Fahrer überhaupt die Zielflagge sieht. Dafür setzen die drei in der Formel 1 engagierten Motorenhersteller Ferrari, Mercedes und Renault auf die neuesten Technologien. Sie versuchen, so viel Energie wie möglich aus dem Fahrzeug zurückzugewinnen und in elektrischer Energie zu speichern.

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Aus dieser Prämisse ist ein hochkomplexes Gebilde entstanden, dessen Steuerung eine riesige Herausforderung darstellt. Wenn der Fahrer zum Beispiel auf das Bremspedal tritt, berechnet der Computer der Steuerungseinheit, wie viel von der Bremsenergie an der Hinterachse in elektrische Energie umgewandelt wird und wie viel die Bremsscheibe noch erledigen muss. Dafür müssen die Soft- als auch die Hardware perfekt aufeinander abgestimmt sein. Das klingt nun so, als ob der Computer alles machen würde. Doch so ist es keineswegs. Der Fahrer muss sich durch diese Eingriffe der Elektronik an ein ständig geändertes Fahrverhalten des Autos und eine sich fortlaufend verändernde Leistungsentfaltung der Power Unit gewöhnen.

Der Schlüssel zum Erfolg ist, einen Weg zu finden, dass dieses Monstrum von Power Unit exakt auf die Gaspedalstellung des Fahrers reagiert. Wem das am besten gelingt, der hat die besten Karten im Kampf um Siege und den WM-Titel. Mercedes scheint diese Herausforderung bislang am besten gemeistert zu haben, darauf deuten zumindest die Testfahrten hin. So muss es aber nicht bleiben. Die Entwicklung der Power Units befindet sich noch in der Anfangsphase. Es gibt noch unglaublich viel Entwicklungsspielraum.

Beim ersten Saisonrennen am Sonntag in Australien könnte es ob der ganzen Neuheiten durchaus noch ein bisschen drunter und drüber gehen. Vielleicht sieht Titelverteidiger Sebastian Vettel noch nicht einmal die Zielflagge, weil der Red Bull große Probleme in der Abstimmung mit dem Renault-Motor hatte. Melbourne ist aber nur eine Momentaufnahme. Die Hersteller und Teams werden mögliche Zuverlässigkeitsprobleme im Laufe des Jahres immer besser meistern - wobei die nahezu hundertprozentige Ankunftsquote der vergangenen Jahre sicherlich nicht mehr erreicht werden wird. Die Gefahr eines Ausfalls fährt wieder bei jeder Runde mit.

Aber nicht nur die Zuverlässigkeit der Autos steht im Mittelpunkt des Interesses. Die zuletzt eingefahrene Hierarchie wird komplett über den Haufen geworfen! In den vergangenen Jahren schien es geradezu klar zu sein, dass Superhirn Adrian Newey und Red Bull das beste Auto bauen würden. Sie hatten die Aerodynamik am besten im Griff. Nach den Eindrücken der Testfahrten muss man aber daran zweifeln, dass Vettel seinen fünften WM-Titel in Folge einfahren kann. Dagegen ist es sehr wahrscheinlich, dass Mercedes mit Nico Rosberg oder Lewis Hamilton in Richtung WM-Titel fahren könnte.

Neue Fahrweisen, neue Strategien, ein neues Kräfteverhältnis und wieder mehr Ausfälle: Im neuen Formel-1-Jahr führen letztlich alle Faktoren zurück zur neuen Antriebseinheit, der Power Unit. Es wird spannend werden - die neue Saison kann beginnen!

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insgesamt 570 Beiträge
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Seite 1
Nabob 25.02.2014
1. Bereits früher wartete man bis Barcelona,
Zitat von sysopNeue Motoren, neue Aerodynamik, neue Regeln: Die kommende Formel-1-Saison ist geprägt von tiefgreifenden Veränderungen. Kann Sebsatian Vettel dennoch seinen fünften Titel in Folge gewinnen? Oder gelingt den Silberpfeilen von Mercedes die Wachablösung? Und wie stark ist Ferrari mit seiner neuen Fahrerpaarung Fernando Alonso/Kimi Räikkönen?
um beurteilen zu können, welches Potential jedes Auto hat - das wird nun bei einer völligen technischen Änderung von 2013 nach 2014 erst recht gelten. Die schnelle Testfahrt des Nico Rosberg durch den journalistischen Durchlauferhitzer zu drücken, sagt inhaltlich nichts. Am Ende wird der Fahrer vorn stehen, dessen Rennstall am meisten Budget und know-how zur Verfügung hat, das fahrerische Potential wird noch weiter in den Hintergrund treten und die Gründe für Siege werden für den Zuschauer immer unergründlicher. Spielzeugveranstaltung für Erwachsene, mit Sport ist da nicht mehr viel und Formel 1 als Technologieträger für die spätere Serie ist auch antiquarisch.
licea_felipe 01.03.2014
2.
Die schnelle Testfahrt des Nico Rosberg durch den journalistischen Durchlauferhitzer zu drücken, sagt inhaltlich nichts
Nonvaio01 01.03.2014
3. ich denke
Zitat von sysopNeue Motoren, neue Aerodynamik, neue Regeln: Die kommende Formel-1-Saison ist geprägt von tiefgreifenden Veränderungen. Kann Sebsatian Vettel dennoch seinen fünften Titel in Folge gewinnen? Oder gelingt den Silberpfeilen von Mercedes die Wachablösung? Und wie stark ist Ferrari mit seiner neuen Fahrerpaarung Fernando Alonso/Kimi Räikkönen?
wenn 10 Autos beim start der F1 in Ziel kommen ist das ein gutes ergebnis. So wie es momentan aussieht muss man nur durchkommen und man hat punkte, so koennen die kleinen teams am anfang der saison jedenfalls punkten.
rööp 01.03.2014
4.
Zitat von Nonvaio01wenn 10 Autos beim start der F1 in Ziel kommen ist das ein gutes ergebnis. So wie es momentan aussieht muss man nur durchkommen und man hat punkte, so koennen die kleinen teams am anfang der saison jedenfalls punkten.
Ich sehe dem auch eher skeptisch entgegen. Alle Teams haben riesige Probleme mit dem neuen Reglement. Die Jagd nach 10tel oder 100stel ist wohl erst mal zweit, bzw. drittrangig. Aktuell steht VET schon wieder in Bahrain.
rööp 02.03.2014
5. 02.03.2014 Liveticker
Zitat von Nonvaio01wenn 10 Autos beim start der F1 in Ziel kommen ist das ein gutes ergebnis. So wie es momentan aussieht muss man nur durchkommen und man hat punkte, so koennen die kleinen teams am anfang der saison jedenfalls punkten.
09:31 Uhr Longrun für Vettel Sebastian Vettel - wer hätte das gedacht? - hat seinen ersten Longrun absolviert. Rund 15 Umläufe waren das, und die Zeiten waren im Bereich von 1:39 bis 1:41 Minuten. Da waren andere schon langsamer. Heißt also: Wenn der RB10 mal läuft, ist er vorne dabei... 10:09 Uhr Rote Flagge Und wer ist der Übeltäter? Sebastian Vettel im Red Bull, wie könnte es anders sein. Der RB10 steht entgegen der Fahrtrichtung neben der Strecke, Feuerlöscher sind im Einsatz. Der Deutsche war gerade auf einem längeren Run. 10:26 Uhr Stand nach dreieinhalb Stunden 01. Valtteri Bottas (Williams) 1:34.797 02. Fernando Alonso (Ferrari) +0,712 03. Nico Hülkenberg (Force India) +0,780 04. Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) +0,904 05. Adrian Sutil (Force India) +1,670 06. Jenson Button (McLaren) +3,314 07. Kamui Kobayashi (Caterham) +3,856 08. Romain Grosjean (Lotus) +4,505 09. Sebastian Vettel (Red Bull) +4,911 10. Max Chilton (Marussia) +6,445
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