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Formel-1-Pilot Hülkenberg: Talentierter Wandervogel

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Formel-1-Pilot Hülkenberg Der Punktelieferant

Für Nico Hülkenberg hat die Formel-1-Saison überraschend gut begonnen. Dabei galt sein Wechsel zu Force India als Abstieg. Doch der Rennstall profitiert von der guten Arbeit von Mercedes.

Hamburg - Es war Ende Januar im spanischen Jerez, rund ein Dutzend Journalisten saß um Nico Hülkenberg herum, da kippte die Laune des zuvor gut aufgelegten 26-Jährigen plötzlich. Ob er sich als Verlierer fühle, wurde Hülkenberg während der Testtage zur neuen Formel-1-Saison gefragt. Schließlich war er im Spätsommer 2013 erst bei einem Top-Team im Gespräch (Ferrari), anschließend Wunschkandidat eines Überraschungsrennstalls (Lotus), stand während all der Verhandlungen bei einem soliden Team unter Vertrag (Sauber), ehe er schließlich zu Force India wechselte, was allgemein als C- bis D-Lösung interpretiert wurde.

"Warum Verlierer?", fragte Hülkenberg etwas pampig zurück und war anschließend bemüht, den offensichtlichen Rückschritt als Fortschritt zu verkaufen. Zwei Monate später muss man konstatieren: Der Wechsel war bislang tatsächlich ein Fortschritt.

Nach Platz sechs in Australien fuhr Hülkenberg in Malaysia auf Platz fünf. Zwei beachtliche Ergebnisse, die ihm 18 Punkte und Platz sechs in der Fahrerwertung  bescherten, drei Zähler und einen Platz vor Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel im Red Bull. "Hört sich gut an", sagte Hülkenberg nach dem Rennen in Sepang, "aber hat im Moment nicht viel zu sagen."

Wenige Runden vor dem Ende des Rennens in Malaysia lag er sogar auf Platz vier, wehrte sich tapfer gegen die Attacken von Fernando Alonso, musste den Ferrari-Piloten aber dennoch vorbeiziehen lassen. "Fernando war viel zu stark und hat mich lebend aufgefressen", sagte Hülkenberg nach dem Rennen.

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Formel 1 in Malaysia: Doppelsieg für Mercedes

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Ein Grund für das gute Ergebnis: Er hatte als einer von wenigen Piloten auf eine Zweistopp-Strategie gesetzt. Allerdings waren die Reifen an Hülkenbergs Wagen am Ende so abgenutzt, dass Alonso mit frischen Pneus nicht zu schlagen war. "Ich habe alles versucht, aber die Reifen haben nicht mehr hergegeben", sagte Hülkenberg, lobte jedoch sein Team: "Das war eine sehr gute Leistung von uns."

Zweiter Grund für Hülkenbergs derzeitige Stärke ist der Motor, den Force India von Mercedes bezieht. Der deutsche Autobauer hat vor dem Hintergrund der neuen Regeln - V6- anstatt V8-Motor, dazu zwei Elektromotoren - die mit Abstand beste Antriebseinheit entwickelt, was sich an der Konstrukteurswertung ablesen lässt: Unter den fünf besten Teams sind vier mit Mercedes-Motoren.

Im Gegensatz zu Ferrari und Renault, das unter anderem Red Bull beliefert, hat es Mercedes geschafft, dass seine Motoren von Saisonbeginn an nicht nur schnell, sondern auch zuverlässig sind. Dem Ferrari-Motor fehlt (noch) die Power, um mit Mercedes mithalten zu können. Renault hat (noch) große Probleme mit der Software, weshalb Vettel und Co. in der Vorbereitung nur wenige Testkilometer absolvieren konnten.

Der dritte Grund für die guten Ergebnisse Hülkenbergs ist der Umstand, dass der Deutsche, der schon in der Saison 2012 für Force India gefahren war, kaum Wiedereingliederungsprobleme beim indisch-britischen Rennstall hatte. Er hat denselben Renningenieur und denselben Chefmechaniker wie vor zwei Jahren. "Die Rückkehr verlief glatter, als ich gedacht habe", sagt Hülkenberg.

Von den 19 Punkten, die Force India nach zwei Rennen hat, holte Hülkenberg 18. Sauber und Lotus haben übrigens noch keinen einzigen Zähler.

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