Triumph in Bahrain Rosberg genießt jeden Moment

Nico Rosberg scheint zu Beginn der Formel-1-Saison viel stabiler geworden zu sein als im Vorjahr. Selbst Titelverteidiger Lewis Hamilton hat derzeit das Nachsehen - macht sich aber noch keine Sorgen.

AFP

Von Karin Sturm, Bahrain


Fünf Siege in Serie. Das bekam Nico Rosberg nach seinem Triumph beim Großen Preis von Bahrain immer wieder vor gerechnet - und jedes Mal protestierte er: "Nein, so zähle ich nicht. Es sind nur zwei, die in dieser Saison. Was letztes Jahr war" - als er die letzten drei Saisonrennen gewann - "das ist völlig egal".

Er lebe nur in der Gegenwart, genieße einfach den Moment, "dieses tolle Auto fahren und Rennen gewinnen zu können. Deshalb denke ich auch immer nur bis zum nächsten Rennen, Schritt für Schritt." Der WM-Kampf? "Überhaupt noch kein Thema - wie gesagt: den Moment genießen!"

Für diesen Genuss braucht er eigentlich nicht einmal Pokale, die dann bei ihm zu Hause stehen. Von der Siegertrophäe von Bahrain wird aber zumindest eine Replik in halber Größe den Weg zu ihm nach Monaco finden: Die bekam er im Nachhinein noch vom Streckenchef von Bahrain: Ein "Sonderservice" der hiesigen Veranstalter, "weil wir ja wissen, dass meistens die Teams die Pokale der Piloten einkassieren."

Für Rosberg läuft es derzeit optimal

Die Trophäe von seinem ersten Sieg in Monaco 2013 hat ihm Mercedes-Teamchef Toto Wolff geschenkt, "weil der mir besonders wichtig ist. Aber sonst habe ich eigentlich kaum Pokale zu Hause", sagte der Sieger. Und wenn er Weltmeister werde, wurde er gefragt. "Dann vielleicht", setzt er an - unterbricht sich aber lachend selbst: "Nein, ich werde jetzt nicht in diese Falle tappen. Ich bleibe dabei: Ich denke nicht so weit voraus, nur das Jetzt zählt."

Nico Rosberg, Lewis Hamilton: Echte Freunde
DPA

Nico Rosberg, Lewis Hamilton: Echte Freunde

Eines ist sicher: Rosberg fährt im Hier und Jetzt, zu Saisonbeginn 2016, auf konstant höchstem Niveau. Er ist gegenüber dem Vorjahr noch einmal stabiler geworden - Teamkollege Lewis Hamilton dabei nicht unbedingt schwächer. Aber die Kleinigkeiten, die in der Vergangenheit gern bei dem Deutschen schief gingen, treffen im Moment anscheinend eher Hamilton.

Dass der Titelverteidiger in Bahrain schlecht vom Start weg kam, lag nicht an der Technik. So ganz offen wollten es weder er selbst noch Mercedes sagen, aber der Hintergrund war wohl eher banal: Der Brite hatte genau in dem Moment, in dem die Ampel ausging, nicht nach oben, sondern auf sein Lenkrad-Display geschaut. Und dass ihm dann ausgerechnet Valtteri Bottas, der ja von Wolff mit gemanagt wird, mit einer etwas über optimistischen Aktion ins Auto fuhr, fiel schlicht in die Kategorie Pech. Lewis war dem Finnen nicht einmal sonderlich böse: "Ein Rennunfall, so was kommt vor. Kein großes Thema."

Hamilton bleibt noch ganz entspannt

Auch sonst blieb der Weltmeister sehr gelassen: Wie schon in Australien gratulierte er seinem Teamkollegen fair zum Sieg, versicherte glaubwürdig, unter den gegebenen Umständen froh zu sein, als Dritter wenigstens wichtige Punkte gesichert zu haben: "Mein Unterboden war nach dem Crash beschädigt, das hat viel Abtrieb und damit 0,8 bis 1,5 Sekunden pro Runde gekostet. Ich mache mit über Nicos Vorsprung keine Sorgen. Ich weiß, was ich mit diesem Auto kann, ich stand zweimal auf Pole, ich hatte nur bisher in diesem Jahr kein einziges normales Rennen. Aber das wird sich auch wieder ändern."

Nico Rosberg, immer vorne weg
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Nico Rosberg, immer vorne weg

Insgesamt drei WM-Titel, davon zwei in den letzten beiden Jahren im direkten Duell mit Rosberg errungen, geben Hamilton offenbar eine Menge Sicherheit. Darauf, dass er wie früher in schwierigen Momenten dazu neigt, nervös zu werden und dann auch Fehler zu machen, darf sich Rosberg im WM-Kampf sicher nicht verlassen. Muss er aber auch gar nicht, wenn er so konsequent jeden eigenen kleinen Vorteil nutzt, wie er es im Moment tut.

Schon jetzt deutet ja vieles darauf hin, dass die WM 2016 nur ein Kampf zwischen den Silberpfeil-Piloten werden wird. Die Zeichen für Ferrari stehen dagegen nicht gut. Nicht nur, weil das Auto von Sebastian Vettel schon in der Aufwärmrunde ein äußerst unerwünschtes Rauchzeichen gab. Motorschaden - kein Start für den viermaligen Weltmeister.

Das ganze Wochenende über hatte man im Fahrerlager gemunkelt, dass die Roten wohl Probleme mit der Zuverlässigkeit bei Motoren und Turboladern hätten, wenn sie versuchten, die volle Leistung abzurufen, Ferrari hatte das stets in die Ecke böswilliger Unterstellungen verwiesen. Im Qualifying hatte man dann wohl erstmals das Maximum ausgereizt - Zufall, dass der Schaden dann schon nach wenige Kilometern mehr Laufleistung auftrat?

Tatsache ist: Um näher an Mercedes heran zu kommen, musste Ferrari den Winter über in der Motoren-Entwicklung mit hohem Risiko arbeiten. Wenn alles funktioniert, soll das Triebwerk gegenüber dem des Vorjahres 0,8 Sekunden pro Runde bringen. Aber die Gefahr, dass etwas nicht funktioniert, ist eben auch sehr hoch.

Und selbst wenn es perfekt funktionierten würde, ist immer noch die Frage, ob das reichen würde, Mercedes wirklich ernsthaft zu gefährden. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene wollte zwar seinen Zuhörern und sich selbst glaubhaft machen, dass Kimi Räikkönen mit einem besseren Start - er war mit dem Finger vom Kupplungshebel abgerutscht und so nach der ersten Runde nur Fünfter - das Rennen gewonnen hätte.

Aber dabei war wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken. Rosberg grinste nur, als er davon hörte. "Ich hatte das Rennen immer Kontrolle - und bin dabei nicht eine einzige Runde voll gefahren."



insgesamt 6 Beiträge
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Lankoron 04.04.2016
1. Meiner Meinung nach
ist Botas Hamilton nicht reingefrahren....Hamilton hatte einfach nicht bedacht, dass neben ihm jemand sein könnte, und hat deutlich die Fahrspur gewechselt.
Sponatiker 04.04.2016
2. .....
Als ob Hamilton ein guter Fahrer wäre und das besondere Erwähnung bedarf. Das gute ist dass unsere Hoffnungen erfüllt wurden und Ferrari sehr nah dran ist, doch leider hat Vettel zwei mal sehr viel Pech gehabt. Ich will nämlich dass der beste Fahrer gewinnt udn das ist ohne Zweifel Vettel....vielleicht muss man da auch Verstappen erwähnen. Aber seine Zeit wird noch kommen.
aurichter 04.04.2016
3. Vertragsvereinbarung
Rosberg wird nach Vertragsvereinbarung mit Hamilton dieses Jahr Weltmeister um den Hausfriedensbruch, den Rennstall und den deutschen Zuschauer zufrieden zu stellen. Danach, je nach Vertragslänge, kann frei gefahren werden und Hamilton braucht sich nicht mehr zügeln. Wer das Interview mit LH44 nach dem Rennen genau verfolgt hat, der könnte zu diesem Schluß kommen.
cindy2009 04.04.2016
4. @aurichter
Man, man, man. Sie glauben wirklich, dass ein Hamilton freiwillig auf den Titel verzichtet oder Schmu nicht abspricht?
Wolfgang Maier 04.04.2016
5. Rosberg kann so oft gewinnen wie er will
ein ganz großer im Rennsport wird der nie. Dazu fehlt im die Klasse. Setzt den mal in ein anderes Auto, dann sehen wir wie gut der ist. Schumi konnte das und Vettel wird auch in verschiedenen Rennställen Weltmeister werden. Rosberg hat zur das perfekte Auto. Mit diesem Wagen kann jeder Weltmeister werden. Wäre Rosberg etwas weniger arrogant würde man ihm das auch gönnen.
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