Rosbergs Sieg in Mexiko "Ein riesiger Kampf"

Nico Rosberg schlägt zurück: Nach seinem Sieg in Mexiko konnte der Mercedes-Pilot seine Genugtuung kaum verhehlen. Teamkollege und Weltmeister Hamilton legte sich mit seiner eigenen Crew an, Sebastian Vettel gestand kleinlaut seine Fehler.
Von Christian Menath
Mexiko-Sieger Rosberg: Wieder Zweiter in der Gesamtwertung

Mexiko-Sieger Rosberg: Wieder Zweiter in der Gesamtwertung

Foto: AP/dpa

Mit Sprechchören feierten die Zuschauer im Stadionkomplex des Autódromo Hermanos Rodríguez Nico Rosberg. Beim ersten großen Preis von Mexiko seit 23 Jahren setzte sich der Mercedes-Pilot an die Spitze - nur eine Woche nach seinem Fehler in Austin, der Rosberg die letzte WM-Chance gekostet hatte. Die Kritik am Deutschen nach dem US-Grand-Prix war weit weg. In Mexiko-Stadt war Rosberg der umjubelte Erste.

Die Formel 1 hat das Land im Sturm zurückerobert. Überall in der Hauptstadt war die Freude über das Comeback zu spüren. Selbst die Navigationssysteme der Taxis wurden umgestellt: Statt normaler Autos fuhren Formel-1-Boliden über das Display. Überall hingen Werbeplakate mit den einheimischen Stars Sergio Pérez und Esteban Gutiérrez, der am Freitag als Fahrer des neuen US-Teams Haas F1 für 2016 bestätigt wurde.

Rosberg überragt

Obwohl die begeisterten Fans natürlich lieber ihren "Checo", Sergio Pérez, unter den ersten Drei gesehen hätten, bereiteten sie Rosberg einen würdigen und lautstarken Empfang auf dem Podium. "Das ist unglaublich", sagte der Deutsche. "Es war ein riesiger Kampf mit Lewis, und ich bin sehr glücklich, dass ich gewonnen habe. Dies ist ein fantastischer Ort, um zu gewinnen. Das Publikum ist einfach großartig."

Rosberg beherrschte das gesamte Rennwochenende. Schon am Freitag war er der schnellste Pilot auf der umgebauten Strecke inmitten der Millionenmetropole. Am Samstag holte er sich vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton die Poleposition. Auch im Rennen kam Rosberg kaum unter Druck. "Das war ein unheimliches Wochenende", lobte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff seinen Fahrer. "Er hat die ganze Zeit so eine Dominanz an den Tag gelegt. Immer wenn ihn die Leute abschreiben, kommt er so zurück." Mit seinem vierten Saisonerfolg eroberte Rosberg den zweiten Platz in der WM-Wertung zurück und verdrängte Sebastian Vettel wieder auf Rang drei.

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Großer Preis von Mexiko: Vettels Fehlerfahrt, Hamiltons Funk-Verkehr

Foto: ALFREDO ESTRELLA/ AFP

Nur einmal kamen kurzzeitig Zweifel an Rosbergs Sieg auf: als Mercedes den Deutschen zum zweiten Mal an die Box rief, sein Teamkollege Hamilton sich zunächst aber gegen seinen zweiten Stopp sträubte. Das Team fürchtete einen zu hohen Verschleiß der Reifen. Schon beim ersten Stopp waren sie am Limit gewesen. Hamilton wollte das zunächst nicht glauben. Der Brite gab erst missmutig nach, als ihn die Box vehement via Funk zu einem Sicherheitsstopp beorderte.

"Wir hatten 28 Sekunden Vorsprung, das hat für einen weiteren Stopp gereicht", erklärt Wolff, dessen Team mit der Entscheidung noch aus einem weiteren Grund richtig lag: Nur wenige Runden nach den beiden Reifenwechseln der Silberpfeile kam das Safety Car auf die Strecke. Hätte Mercedes nicht gewechselt, hätten ihre Gegner im Schlussspurt die besseren Reifen gehabt - der Vorsprung wäre so oder so verloren gewesen.

Verkorkstes Rennen für Sebastian Vettel

Rosberg ist der erste Sieger des Mexiko Grand Prix seit Nigel Mansell 1992, als die Formel 1 das bisher letzte Mal hier zu Gast war - im gleichen Rennen, in dem Michael Schumacher zum ersten Mal in seiner Formel-1-Karriere auf dem Podium stand. Für einen anderen deutschen Piloten verlief die Rückkehr nach Mexiko weniger erfreulich.

Sebastian Vettel erwischte im Ferrari am Sonntag einen ganz schlechten Tag, genau wie sein Teamkollege. Kimi Räikkönen schied wie schon in Russland erneut nach einer Kollision mit seinem finnischen Landsmann Valtteri Bottas aus. Vettel hatte unterdessen schon kurz nach dem Start Pech: Er schlitzte sich im Zweikampf mit Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo den Reifen auf. Die folgende Aufholjagd brachte ihn wieder bis in die Punkteränge nach vorne, dann warf ihn ein Dreher abermals zurück. Das endgültige Aus kam in Runde 50, als Vettel mit seinem Ferrari in der Streckenbegrenzung landete.

"Es war ein bisschen der Wurm drin", gab Vettel zu. "Nach dem Plattfuß in der ersten Runde war das Rennen für mich eigentlich schon gelaufen. Danach habe ich probiert, irgendwie zurückzukommen, aber ich machte zwei Fehler und der zweite hat mich aus dem Rennen geworfen."

Noch im Auto entschuldigte sich Vettel via Funk bei seinem Team. Fast schon peinlich berührt sammelte er nach seinem Unfall die zersplitterten Teile seines Autos ein und warf sie ins Cockpit. Dies war nicht sein Rennen. In Mexiko wurde ein anderer Deutscher von den Massen gefeiert: Nico Rosberg.

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