WM-Führung nach Sieg in Singapur "Der beste Rosberg, den es je gab!"

Erster Formel-1-Titel für Nico Rosberg? Der Mercedes-Pilot will davon nichts wissen. Für den neuen WM-Führenden gab es aber ein Sonderlob von seinem Chef. Und selbst britische Experten zweifeln an Lewis Hamilton.
Nico Rosberg bei der Siegerehrung in Singapur

Nico Rosberg bei der Siegerehrung in Singapur

Foto: Diego Azubel/ dpa

Singapur, das ist eine Strecke für die absoluten Champions. Nicht umsonst hatten bisher immer nur Weltmeister auf dem Marina-Bay-Stadtkurs gewonnen. Viermal Sebastian Vettel, zweimal Lewis Hamilton, zweimal Fernando Alonso. Bis nun Nico Rosberg kam, der das gesamte Wochenende in weltmeisterlichem Stil beherrscht hatte. Eben wie ein kommender Champion.

Rosberg kontrollierte das Rennen nach gewonnenem Start trotz gewisser Bremsprobleme vor Daniel Ricciardo im Red Bull. Erst im Schlussviertel wurde es kurzzeitig spannend - und bei den Strategen in der Box hektisch: Eigentlich wollte Mercedes bei Rosberg ein viertes Mal die Reifen wechseln, um einen Stopp von Ricciardo zu kontern - die Mechaniker standen schon bereit. In letzter Sekunde überlegte es sich das Team anders, "weil ich auf der Runde im Verkehr steckengeblieben bin, sehr viel Zeit verloren habe und es deshalb nicht mehr gereicht hätte, mit dem Stopp vorne zu bleiben", wie Rosberg selbst erklärte. "Und auch, weil Daniel gleichzeitig eine fantastische Out-Lap gefahren ist", wie Mercedes-Teamchef Toto Wolff ergänzte.

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Ricciardo kam auf seinen neuen Reifen immer näher heran, "vier Runden vor Schluss holst du ihn ein", prognostizierte ihm das Red-Bull-Team über den Boxenfunk. Am Ende reichte es nicht, weil Rosberg zulegen konnte und beim Australier die Reifen schneller als gedacht abbauten. Wobei Ricciardo weniger optimistisch war als sein Team. "Ganz ehrlich - ich habe eigentlich nie wirklich daran geglaubt, dass ich gewinnen kann."

Rosberg behielt im einzigen kritischen Moment in Singapur die Nerven, schloss konsequent ab, was er von Anfang an so gut begonnen hatte. Er übernahm in der WM mit acht Punkten Vorsprung wieder die Spitze. "Wir haben an diesem Wochenende den stärksten Rosberg gesehen, den es je gab", lobte Wolff.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton

Foto: Yong Teck Lim/ AP

Sein Titelkontrahent Hamilton, eigentlich als Singapur-Spezialist bekannt, tat sich dagegen vom ersten Training an schwer. Der Brite erlebte eines dieser Wochenenden, wo nichts zusammenpasst. Hamilton fand nicht das richtige Set-up, später leistete er sich eigene Fehler, technische Probleme kamen dazu. Letztlich hatte er zu wenig Zeit, um die richtige Abstimmung für seinen Boliden zu finden. Gerade auf einem engen Stadtkurs wie in Singapur, wo der Glaube ans Auto so wichtig ist, ist das fatal. "Wenn du kein Vertrauen hast, dann riskierst du automatisch auch weniger", sagte Wolff zu Hamiltons Problemen.

Bei Rosberg war das Gegenteil der Fall. Der Deutsche gewann mit jeder Minute mehr Sicherheit und Selbstvertrauen. So kam es dann auch zu seiner Traumrunde im Qualifying, "eine der drei besten meiner gesamten Karriere". Was so eine Runde für einen Fahrer bedeutet? "Es ist das Gefühl, dass du eins mit deinem Auto bist", sagte Rosberg, "Dass du auch über das Limit gehen kannst, ohne die Angst gleich abzufliegen." Dann ist auch ein Riesenvorsprung von 0,7 Sekunden auf Hamilton möglich, der auf dem dritten Startplatz landete. Als der Brite dann am Start nicht an Ricciardo vorbeikam, "war die Sache eigentlich schon fast gegessen", sagte Hamilton im Anschluss resigniert, "da war mir schon klar, dass die Chance auf einen Sieg sehr gering ist".

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Grand Prix von Singapur: Rosberg schafft die Wachablösung

Foto: Clive Mason/ Getty Images

Was das 16. Saisonrennen für den Ausgang der Weltmeisterschaft bedeutet? "Das werden wir in Malaysia sehen", sagte Hamilton eher einsilbig. Er wirkte dabei angeschlagen, ehe er genau wie Rosberg zum Flieger hetzte. Der gab aber schon zu, dass es "natürlich schöner ist und mehr Sicherheit gibt, mit einem Sieg im Rücken zum nächsten Rennen zu kommen als mit einer Niederlage." Obwohl er sonst von Vokabeln wie Trend, Tendenzen oder Momentum nichts hören will.

Vom WM-Titel will Rosberg überhaupt nicht sprechen: "Wieso sollte ich? Es läuft doch auch so ganz gut!" Das übernehmen die britischen Experten für ihn, die bei Rosbergs Titelambitionen bisher immer sehr reserviert waren. "Kann Nico den WM-Titel gewinnen", fragte der ehemalige Formel-1-Fahrer und Sky-Experte Martin Brundle - und antwortete so: "Ich denke immer mehr, dass er das Zeug dazu hat. 75 Punkte in vier Wochen, drei Siege, absolut fehlerlos, das ist schon gewaltig. Irgendwie scheint Lewis da im Moment ein bisschen hinterher zu hinken." Und auch Ex-Weltmeister Damon Hill sagte: "Nico fährt auf einem ganz anderen Level als früher. So ist er auf jeden Fall ein ganz starker Herausforderer für Lewis!"

Eben der beste Rosberg, den es je gab.

Formel-1-Saison 2016

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