Formel-1-Titelkampf Rosbergs Woche der Wahrheit

Nico Rosberg droht in Ungarn der Verlust der WM-Führung. Doch vor dem Rennen, abseits der Pressekonferenz, zeigt sich der Mercedes-Pilot erstmals mit Selbstzweifeln. Ein riskanter Strategiewechsel.

Nico Rosberg
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Nico Rosberg

Aus Budapest berichtet


Der WM-Führende Nico Rosberg saß auf dem Pressepodium und zeigte mit seiner "Ich schaue nur auf das nächste Rennen"-Mentalität den seit Monaten verbreiteten Optimismus. Selbst der immer näher kommende Mercedes-Teamkollege Lewis Hamilton erhöhe für Rosberg nicht den Druck. "Ich hatte bisher die beste Saison aller Fahrer."

Zwischenzeitlich hatte der 31-Jährige die WM-Wertung nach vier Siegen zu Beginn der Saison mit 43 Punkten Vorsprung angeführt. Doch seitdem kam in sechs weiteren Rennen nur noch ein Sieg hinzu und die Führung ist auf einen Punkt zusammengeschrumpft. Hamilton fand seine Form der vergangenen Jahre wieder und Rosberg musste mit dem Unfall in Barcelona, der Stallorder in Monaco, der Beinahe-Kollision in Kanada, der Fia-Strafe in Österreich und der Funkverbot-Strafe in Silverstone viele Rückschläge einstecken. Immerhin gab es nun mit der Vertragsverlängerung bei Mercedes bis 2018 endlich wieder eine positive Schlagzeile.

Rosbergs optimistische Sichtweise vor dem Großen Preis von Ungarn am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky und RTL) gehört zum Rennfahrer-Dasein dazu, wie auch WM-Rivale Hamilton bestätigt: "Das muss er ja sagen, aber die Zeiten ändern sich."

Rosberg geht ins Risiko

Umso bemerkenswerter waren Rosbergs Aussagen im britischen "Guardian" vor wenigen Tagen. "So unglaublich ruhig bin ich gar nicht", sagte er, "ich bin auch nur ein Mensch. Ich werde nervös, sehe das Glas auch mal als halb leer an. Und in den schwierigsten Momenten habe ich auch Selbstzweifel."

Man muss davon ausgehen, dass Rosberg diese Aussagen nicht leichtfertig getätigt hat, zumal sie ohne seine Zustimmung nicht veröffentlicht worden wären. Der Mercedes-Pilot wollte ganz bewusst eine andere Rolle einnehmen - und geht damit ins Risiko. Denn sollte er in Ungarn oder spätestens kommende Woche beim Rennen am Hockenheimring die WM-Führung verlieren, dürfte er an diese Zitate erinnert werden.

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Rosberg musste schon in den vergangenen beiden Jahren, als Hamilton das teaminterne Duell klar gewann und jeweils Weltmeister wurde, mit dem Vorwurf leben, nicht hart, nicht abgebrüht genug zu sein. Hier der erbarmungslose Sonnyboy Hamilton, der nie zurückstecken würde, dort der zaghafte Familienvater Rosberg, der zu viele Fehler macht.

Nun also die Selbstzweifel-Aussagen. Will sich Rosberg damit sympathisch, menschlich und gereift darstellen? Das kann funktionieren, dafür muss er auf der Rennstrecke aber wieder in die Erfolgsspur finden.

In Ungarn droht Ungemach

Zumindest in Ungarn dürfte ihm das schwerfallen. Auf einer der langsamsten Strecken konnte Rosberg noch nie gewinnen. Mercedes tat sich trotz aller Dominanz schon in den vergangenen beiden Jahren auf dem Hungaroring schwer. Und mit Red Bull ist in den vergangenen Wochen ein Konkurrent erstarkt, dem der Kurs mit seinen aerodynamischen Schwierigkeiten liegen müsste.

Vor allem wird Rosberg auf das Getriebe in seinem Boliden achten müssen. In Silverstone hatte der Deutsche Probleme mit dem siebten Gang, woraufhin ihn seine Renningenieure anwiesen, diesen nicht mehr zu benutzen - die Funk-Strafe und der Verlust von Platz zwei war die Folge.

Dieses Getriebe muss laut Reglement auch in Ungarn benutzt werden, was im Laufe eines langen Wochenendes zu ähnlichen Problemen führen kann. Oder Mercedes setzt ein neues ein, gleichbedeutend mit dem Verlust von fünf Startplätzen. Rosberg droht ein halbleeres Glas.

insgesamt 9 Beiträge
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Wolfgang Maier 22.07.2016
1. Rosberg wird nie Weltmeister,
dazu ist er zu schwach. Der war noch nie ein guter Rennfahrer und wird es auch nie. Er hat im Moment nur ein sehr gutes Auto. Mit dem wäre Vettel schon mehrmals Weltmeister geworden. Dazu ist er ein sehr schlechter Verlierer. Immer sind die anderen schuld. Ist halt typisch deutsch.
werner-gilliam 23.07.2016
2. Der einzige, dem ich die Daumen drücke..!
Nico Rosberg ist zwischen diesen ganzen Egomanen und Fahrrobotern ein menschliches Gesicht, und damit für mich der letzte Grund, immer noch hin und wieder Formel 1 zu schauen. Solche Sympathieträger hat es auch früher schon gegeben. Heinz Harald Frenzen, Ayrton Senna und Gerhard Berger fallen mir da spontan ein. Wie diese gehört auch Rosberg zu den wenigen, mit denen man noch mitfiebern kann. Ob sie am Ende nun Weltmeister werden oder nicht, ist da völlig nebensächlich. Sie haben es geschafft, dass man mit ihnen mitfühlt, und deshalb sind sie etwas besonderes! Good Luck Nico!
black-mamba 23.07.2016
3. Siegertypen
Steffi Graf wurde mal nachgesagt, dass sie jedes Spiel gewinnen will, ihre Gegnerinnen wollten ihre Spiele nicht verlieren. Das genau macht den Unterschied. Und weil Rosberg immer bloß nicht verliern will, gewinnt am Ende eben ein Gewinnertyp - somit halt nicht Rosberg... so einfach ist das :-D
Overseasreader 23.07.2016
4. Da Herr Rosberg
Zitat von Wolfgang Maierdazu ist er zu schwach. Der war noch nie ein guter Rennfahrer und wird es auch nie. Er hat im Moment nur ein sehr gutes Auto. Mit dem wäre Vettel schon mehrmals Weltmeister geworden. Dazu ist er ein sehr schlechter Verlierer. Immer sind die anderen schuld. Ist halt typisch deutsch.
Ihrer Meinung nach a) kein guter Rennfahrer ist, b) zu schwach ist und c) Vettel waere mit seinem Auto schon mehrmals Weltmeister geworden, erhebt sich doch die Frage, warum Mercedes wohl seinen Vertrag verlaengert hat. Koennte es sein, dass Mercedes ueber Herrn Rosbergs Qualifikation besser Bescheid weiss als Sie, welche Faehigkeiten er hat? Just a point to ponder!
geradsteller 23.07.2016
5. Sieht doch nach einem WM Sieg
für Mercedes aus. Alle freuen sich, weil deutsches Team; dann halt für u mit Hamilton. Klappt ja beim internationalen Ensemble FCBayern auch...
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