Formel-1-Pilot Wehrlein Sauber statt Silber

Pascal Wehrlein gilt als eines der großen Talente in der Formel 1. Der Traum vom Wechsel zu Mercedes ist im Winter dennoch geplatzt - weil er Lewis Hamilton gefährlich geworden wäre?
Pascal Wehrlein im Sauber C36 Ferrari

Pascal Wehrlein im Sauber C36 Ferrari

Foto: Dan Istitene/ Getty Images

Um zu seinem neuen Team zu kommen, muss der deutsche Formel-1-Fahrer Pascal Wehrlein einen langen Weg zurücklegen. Ganz vorne, kurz hinter dem Eingang des Fahrerlagers von Melbourne, kommen erstmal die Großen: Ferrari, Red Bull - und natürlich Mercedes, das Weltmeisterteam der vergangenen drei Jahre. An diesen Teams muss Wehrlein vorbei, sein Sauber-Rennstall ist weiter hinten zu Hause, es bleiben ihm nur sehnsüchtige Blicke im Vorbeigehen.

Dabei wäre er fast ganz vorne gelandet.

Wehrlein ist eines der größten Nachwuchstalente in der Formel 1, doch der 22-Jährige hat im vergangenen halben Jahr Rückschläge einstecken müssen. Nachdem zunächst ein Wechsel von Manor zu Force India, dem Motoren-Kundenteam von Mercedes, unglücklich gescheitert war, tat sich plötzlich eine noch viel größere Chance auf: Durch den Rücktritt von Weltmeister Nico Rosberg wurde ein Cockpit bei Mercedes frei.

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Wehrlein war zu diesem Zeitpunkt bereits in Verhandlung mit dem Sauber-Rennstall. Die dortige Teamchefin Monisha Kaltenborn hält große Stücke auf ihn. Der Deal schien schon fast klar. Doch für das Cockpit im richtigen Mercedes war Wehrlein einfach der logische Favorit.

Wehrlein hat einen guten Ruf beim Weltmeister-Rennstall, er hat dort einen Vertrag als Ersatzfahrer. Falls einer der Stammpiloten ausfallen sollte, würde er einspringen. Zudem hatte er bei einem Pirelli-Reifentest in Abu Dhabi eine Glanzleistung hingelegt, die selbst die Mercedes-Ingenieure erstaunte. Für Mercedes wäre er also ohne jedes Problem und für verhältnismäßig wenig Geld zu haben gewesen. Logisch, dass sich Wehrlein Hoffnungen machte.

"Natürlich wäre ich gerne für Mercedes gefahren"

Doch kurz nach Bekanntwerden des Rosberg-Rücktritts sagte Mercedes-Sportchef Toto Wolff: "Wenn wir Pascal nehmen, dann müssen wir aufpassen, dass wir nicht eine Situation bekommen wie 2007 bei McLaren zwischen Alonso und Hamilton." Die beiden gleichstarken Weltmeister hatten sich einen harten Kampf um die WM-Krone geliefert. Wehrlein ahnte, dass es wohl nichts werden würde mit dem Sprung in den Silberpfeil.

Er versuchte, sich nicht verrückt zu machen: "Natürlich wäre ich gern Mercedes gefahren. Aber mir war klar, dass ich nur einer von mehreren Kandidaten bin", sagt er: "Wenn es klar gewesen wäre, dass man mich will, dann hätte man es mir ja gleich gesagt."

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Tatsächlich forcierte Mercedes die Verpflichtung von Williams-Fahrer Valtteri Bottas, in dessen Management Wolff vertreten ist. Der Rennstall zahlte Williams einen zweistelligen Millionenbetrag als Ablösesumme und ließ Ex-Mercedes-Technikchef Paddy Lowe ohne die sonst übliche halbjährige Sperrfrist bei Williams anfangen. Am Ende unterschrieb Bottas einen Einjahresvertrag bei Mercedes, Wehrlein ging zu Sauber.

"Gegen die Stärksten bestehen"

Wehrlein gegenüber wurde die Absage damit begründet, dass man ihn nicht verheizen wolle. Man glaube aber weiter an ihn, wolle ihn nur in Ruhe aufbauen. Aus Mercedes-Sicht könne er die Entscheidung für den 27-jährigen Bottas verstehen, sagt Wehrlein. Die dortige Führung hätte eben den für sie sichereren Weg gewählt, Erfahrung gegen das Risiko, dass ein junger Fahrer auch mal einen Fehler macht.

Aber natürlich hätte er es sich zugetraut, den gleichen, vielleicht sogar einen besseren Job machen zu können - auch wenn Wehrlein das so direkt nicht sagen mag. Hatte er denn keine Angst, gegen Hamilton unterzugehen? Von ihm gar "zerstört" zu werden? Wehrlein schaut den Fragesteller überrascht an, der Blick sagt mehr als die Antwort: "Natürlich ist Lewis sehr stark, aber als Rennfahrer muss man sich zutrauen, gegen die Stärksten bestehen zu können."

Dieses direkte Kräftemessen muss nun warten. Wehrlein wird im Sauber eher um die hinteren Plätze mitfahren, ein Angriff auf das Podium ist kaum drin. Mit dem Vorjahresmotor von Ferrari hat Sauber vor allem im Laufe der Saison sicher einen Nachteil, wenn die anderen sich weiterentwickeln. Auch wenn das Team finanziell und personell deutlich besser aufgestellt ist als in den vergangenen Jahren.

"Ich schaue nicht in die Zukunft"

Ob es ihm schwer fällt, sich trotzdem zu motivieren? "Überhaupt nicht", sagt Wehrlein. Er müsse immer das Beste aus sich herausholen. "Dass ich hier nicht um Siege mitkämpfen kann, ist mir natürlich auch klar, aber ich sehe mich in diesem Jahr einzig und allein als Sauber-Fahrer, konzentriere mich nur auf meine Aufgabe hier und schaue gar nicht weiter in die Zukunft."

Den Anschluss ans Mittelfeld finden, das ist das Ziel, sagt Wehrlein. Doch auch wenn er es nicht ausspricht, hat er noch ein weiteres Ziel in der kommenden Saison: Wolff beweisen, dass er für höhere Aufgaben sehr wohl bereit ist, dass die Entscheidung womöglich doch ein Fehler war. Aber der ließe sich ja nach der Saison korrigieren. Bottas' Vertrag läuft ja nur ein Jahr.

Formel-1-Saison 2017

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