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Formel-1-Pilot Heidfeld: Karriere im Auf und Ab

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images

Formel-1-Pilot Heidfeld "Am Nürburgring habe ich Alpträume erlebt"

Nick Heidfeld gehört zu den routiniertesten Fahrern der Formel 1. Sein Makel: Er konnte noch kein Rennen gewinnen. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE spricht der Renault-Pilot über den Mythos Nürburgring, die Qualität seiner Dienstwagen - und wie er einem Kollegen den Sieg geschenkt hat.

SPIEGEL ONLINE: Herr Heidfeld, am Sonntag findet der Große Preis von Deutschland auf dem Nürburgring statt (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Mythos Nürburgring?

Heidfeld: Eine Menge. Ich bin in Mönchengladbach aufgewachsen, das liegt ja nicht so weit weg von der Eifel. Entsprechend habe ich in meiner Kindheit viel Zeit am Ring verbracht. So bin ich auf dem Schoß meines Vaters schon als kleines Kind oft über die Nordschleife gefahren. Am Ring habe ich im Alter von drei Jahren das Fahrradfahren gelernt und wir waren in der Nähe öfters im Schwimmbad. Sportlich gesehen habe ich am Ring Highlights und Alpträume erlebt.

SPIEGEL ONLINE: Welche?

Heidfeld: Mein schönstes Rennerlebnis hatte ich dort, als ich 1997 in der Formel 3 den Meistertitel gewonnen habe. Auch meine Pole-Position 2005 mit BMW-Williams werde ich in freudiger Erinnerung behalten. Eines meiner schlimmsten Erlebnisse war 1998. Ich fuhr in der Formel 3000. Ich hätte eigentlich auf der Pole-Position gestanden und wäre mit einem Rennsieg Meister geworden. Aber weil mein Team falschen Sprit verwendet hat, wurde ich nach ganz hinten versetzt. Dabei hat das Benzin laut Fia nicht mal einen Vorteil gebracht. Der Meistertitel jedenfalls war futsch.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind als einziger der heutigen Formel-1-Piloten mit einem modernen Formel-1-Auto über die legendäre Nordschleife gefahren, die schon seit über 30 Jahren nicht mehr zum Grand-Prix-Kurs gehört. Wie war das?

Heidfeld: Das war unglaublich schön. Vor drei Jahren durfte ich mit einem Formel-1-BMW über die Nordschleife fahren. Das war irre! Für mich ist die Nordschleife ganz klar die beste Strecke der Welt und diese drei Runden waren ganz speziell. Zu sehen, dass der Kurs auch für ein aktuelles Formel-1-Auto machbar ist, war brillant. Natürlich ist es gefährlich, aber ich dachte vorher immer, die Formel 1 sei zu schnell für diese Strecke. Ist sie aber gar nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie gelten als Top-Pilot mit der Erfahrung von fast 200 GP-Rennen. Ihr Manko: Sie haben noch keinen Sieg. Wie sehr beschäftigt Sie das?

Heidfeld: Ich weiß, dass in der Öffentlichkeit oft nur reine Ergebnisse zählen. Ich habe noch nie in meiner Formel-1-Karriere in einem Auto gesessen, mit dem man eine Meisterschaft gewinnen kann. Wir sind Sportler, die in hohem Maße von ihrem Arbeitsgerät abhängig sind. Nicht wie ein 100-Meter-Läufer, der sich die Schuhe anzieht und einfach losläuft. Ich weiß aber, dass ich es kann. Ich habe einmal den Sieg vor Augen gehabt und dann meinem Team zuliebe darauf verzichtet.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte?

Heidfeld: Ja, in Kanada 2008. Ich führte das Rennen an und lag vor meinem BMW-Teamkollegen Robert Kubica. Robert war auf einer anderen Taktik. Das heißt, er musste nochmal in die Box, um frische Reifen zu holen, ich dagegen nicht. Damit er seine Taktik ausnutzen konnte, sollte ich ihn vorbeilassen, weil er einen bestimmten Vorsprung brauchte. Das Team hat ausgerechnet, dass wir entweder einen ersten Platz von mir oder einen vierten Platz von Robert einfahren werden oder, wenn ich mitspiele, einen Doppelsieg landen. Ich ließ ihn dann schweren Herzens fahren und ich wurde am Ende hinter ihm Zweiter.

SPIEGEL ONLINE: Bereuen Sie das heute?

Heidfeld: Sagen wir mal so: Wenn ich am Ende meiner Karriere deshalb keinen Sieg landen konnte, dann ja. Ich weiß auch, dass andere Kollegen sich taub gestellt und die Bitte des Teams ignoriert hätten. Aber ich bin als Formel-1-Pilot auch Mitglied einer Mannschaft, das darf man nie vergessen. Ich bin ein Teamplayer. Manchmal denke ich, leider. Aber so bin ich halt mal: Ich verbiege mich nicht.

SPIEGEL ONLINE: Das Schicksal hat in merkwürdiger Form dafür gesorgt, dass sich Robert Kubica jetzt bei Ihnen bedankt hat.

Heidfeld: Sie meinen, weil ich durch seinen Unfall seinen Lotus Renault bekommen habe? So denke ich natürlich nicht. Aber, ja, es ist schon eine merkwürdige Fügung. Ich hoffe nur, er wird so schnell wie möglich wieder gesund und fit genug zum Fahren.

SPIEGEL ONLINE: Damit Sie dann Ihren Lotus Renault wieder zurückgeben müssen?

Heidfeld: Ich versuche alles, um weiter in der Formel 1 zu bleiben.

SPIEGEL ONLINE: Dafür müssen Sie Erfolge vorweisen. Der Trend in Ihrem Team geht aber eher nach unten.

Heidfeld: Ich tue alles dafür, damit wir wieder weiter nach vorne kommen. An jedem Wochenende lerne ich dazu. Immer noch. Mit meiner Vorstellung im Rennen bin ich eigentlich nicht unzufrieden. Der dritte Platz in Malaysia war ja schon gar nicht schlecht. Ich muss mich im Qualifying verbessern, das weiß ich.

SPIEGEL ONLINE: Wo liegt da das Problem?

Heidfeld: Die Reifen richtig aufzuwärmen, ist eine Wissenschaft für sich. Das kann man sich als normaler Autofahrer gar nicht vorstellen. Ich denke, ich weiß jetzt aber, wie ich zusammen mit meinem Team dieses Problem immer besser in den Griff bekomme.

SPIEGEL ONLINE: Einen Sieg kann man am Nürburgring aber eher nicht erwarten?

Heidfeld: Nein, weil wir gegenüber zum Saisonanfang ein wenig zurückgefallen sind. Wir wissen aber jetzt warum und können entsprechend in diese Richtung arbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Denken Sie bereits über nächstes Jahr nach?

Heidfeld: Ich habe einen klares Ziel: Bei Lotus Renault zu bleiben. Dafür werde ich erst mal alles tun. Auch sonst haben sich meine Ziele in keinster Weise geändert.

SPIEGEL ONLINE: Und die wären?

Heidfeld: Rennen zu gewinnen.

Das Interview führte Ralf Bach
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