Formel 1 Pirelli gibt Teams die Schuld an Reifenplatzern

Neue Runde im Reifen-Zoff der Formel 1: Pirelli hat Gründe für die Reifenplatzer von Silverstone genannt. Demnach hätten die Teams etwa die Hinterreifen verkehrt herum montiert. Für das Rennen auf dem Nürburgring gibt es überarbeitete Pneus, in Ungarn sollen dann ganz neue zum Einsatz kommen.
Mercedes-Pilot Hamilton: Hinterreifen verkehrt herum montiert

Mercedes-Pilot Hamilton: Hinterreifen verkehrt herum montiert

Foto: Lars Baron/ Getty Images

Hamburg - Der große Reifen-Streit hätte ganz friedlich enden können. Hersteller Pirelli liefert zum Großen Preis von Deutschland, der am Wochenende auf dem Nürburgring stattfindet, überarbeitete Reifen, die deutlich sicherer sein sollen. Der Automobil-Weltverband Fia erlaubt Pirelli und den Teams zudem zusätzliche Reifen-Testtage in dieser Saison und auch für die Zukunft. Diskussion vorbei? Denkste, jetzt legt Pirelli nach.

Am späten Dienstagabend verschickte der Reifenhersteller ein dreiseitiges Statement, in dem er seine Analyse der Reifenproblematik präsentiert. Unter Punkt eins heißt es: "Die Hinterreifen wurden verkehrt herum montiert, das bedeutet: An den betroffenen Autos wurde der rechte Reifen platziert, wo der linke hätte sein sollen, und umgekehrt. Die diesjährigen Slicks haben eine asymmetrische Struktur, sind daher nicht austauschbar." Weitere Faktoren seien ein enorm niedriger Reifenfülldruck, dessen Wert niedriger war, als der von Pirelli empfohlene, und ein extremer Einstellwinkel beim Radsturz.

Übersetzt heißt das alles: Die Teams sind selbst Schuld an den Reifenplatzern beim Großen Preis von Großbritannien, weil sie die Pneus falsch montiert und mit zu wenig Druck gefüllt hätten.

Pirellis Motorsportchef Paul Hembery beeilte sich anschließend zu betonen: "In keiner Weise beabsichtigen wir, einen Streit auszulösen oder irgendjemanden zu attackieren." Daher stellen die Italiener auch klar: Allen Beteiligten seien die Praktiken des Reifentauschs, des geringen Reifendrucks und des extremen Einstellwinkels beim Radsturz bekannt gewesen. Pirelli räumt ein, man habe die Auswirkungen unterschätzt.

Ganz neue Reifen für das Rennen in Ungarn

Der Reifenhersteller will nun in zwei Stufen für mehr Sicherheit sorgen. Für das kommende Wochenende stellt Pirelli den Teams überarbeitete Reifen zur Verfügung. Auf dem Nürburgring wird ein Stahlband in den Reifen wieder durch Kevlar ersetzt. Diese Änderung hatte Pirelli eigentlich schon für den Großen Preis von Kanada vor rund einem Monat vorgesehen, doch die Einführung scheiterte am Veto von Ferrari, Lotus und Force India. Diese Teams haben nach den gefährlichen Reifenplatzern in Silverstone ihren Widerstand jedoch aufgegeben. Zudem liefert Pirelli ab dem übernächsten Rennen, dem Großen Preis von Ungarn Ende Juli, ganz neue Reifen. Diese sollen eine Mischung aus den Vorjahresmodellen und den aktuellen Pneus sein.

Auch die Fia hat reagiert und die Nachwuchsfahrer-Tests vom 17. bis 19. Juli in Silverstone für alle Piloten freigegeben. Mercedes ist allerdings weiterhin von der Veranstaltung ausgeschlossen, nachdem das Team in der Testfahrtaffäre verurteilt worden war. Zudem soll Pirelli ab der kommenden Saison mehr Tage zum Testen von Reifen bekommen.

ham/sid/dpa
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