Formel 1 Protest abgelehnt - Brawn-Boliden sind regelkonform

Rückschlag für die etablierten Teams der Formel 1: Die Fia lehnte den Protest von Ferrari und Co. gegen die Wagen von Brawn GP, Toyota und Williams ab. Damit bleiben diese in der WM-Wertung vorne - der Rest muss nachsitzen und kräftig draufzahlen.


Hamburg - Im Aerodynamik-Streit der Formel 1 haben die Berufungsrichter des Automobil-Weltverbands Fia den umstrittenen Doppel-Diffusor für legal erklärt. Damit dürfen die Rennställe Brawn GP, Toyota und Williams die von vier Rivalen angezweifelte Lösung am Unterboden ihrer Autos weiter verwenden und ihre Punkte aus den ersten beiden Saisonrennen behalten.

Streitobjekt Diffusor am Brawn-Boliden: Aerodynamisch und regelkonform
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Streitobjekt Diffusor am Brawn-Boliden: Aerodynamisch und regelkonform

Dieses Urteil gab die Fia am Mittwoch in Paris bekannt. Ferrari, BMW-Sauber, Renault und Red Bull hatten gegen das Diffusor-Modell Protest eingelegt. Das Bauteil soll den drei Konkurrenten einen deutlichen Vorteil verschaffen.

"Basierend auf den gehörten Argumenten und den vorherigen Beweisen ist das Gericht zu dem Schluss gekommen, dass die Kommissare richtig gehandelt haben, als sie entschieden, dass die Autos den Regularien entsprechen", hieß es in der ersten Fia-Erklärung.

"Ich war zuversichtlich, dass das Berufungsgericht zu diesem Urteil kommen würde, und bin damit zufrieden. Wir hatten nie daran gezweifelt, dass unser Auto den Regeln entspricht", sagte Toyota-Teamchef Tadashi Yamashina: "Es war eine herausfordernde Zeit für die Formel 1. Ich bin froh, dass diese jetzt hinter uns liegt und wir uns auf eine aufregende Saison auf der Strecke konzentrieren können."

Als Argument für ein Verbot hatten die Gegner eingebracht, dass durch den höheren Abtrieb auch die Kurvengeschwindigkeit der Boliden steige. Die Absicht vor der Saison sei jedoch gewesen, aus Gründen der Sicherheit die Geschwindigkeit im laufenden Jahr durch entsprechende Regeländerungen im Aerodynamikbereich zu drosseln.

BMW und Ferrari kritisierten die Zulassung der umstrittenen Heck-Diffusoren. "Wir werden die Entscheidung des Berufungsgerichts akzeptieren. Damit herrscht hier nun Klarheit bezüglich der Anwendung des Reglements. Eines wird somit allerdings nicht erreicht: Die von der Overtaking Working Group bei der Ausarbeitung des neuen Reglements beabsichtigte Reduzierung von Abtrieb und Kurvengeschwindigkeit", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Gleichzeitig führe die Entscheidung dazu, so Theissen, "dass nun sieben Teams große Investitionen tätigen müssen, um ihre Autos entsprechend umzubauen". Ähnlich äußerte sich Ferrari-Teamchef Stefeno Domenicali: "Leider zwingt uns diese Entscheidung, fundamentale Bereiche unseres Designs zu ändern, um wieder auf Augenhöhe zu kommen. Das wird Zeit und Geld kosten." Vor weiteren Kommentaren wolle man erst noch die Urteilsbegründung abwarten.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug erwartet nun eine schwere Aufholjagd für die bislang ohne Doppel-Diffusor startenden Formel-1-Teams. "Der Vorteil, den sich die drei Teams seit ihrer Reglements-Interpretation gesichert haben, ist auf keinen Fall kurzfristig wettzumachen. Was die einen in neun Monaten erreichten, können die anderen nicht in neun Wochen schaffen", sagte Haug am Mittwoch vor dem Abflug zum Großen Preis von China.

In den ersten zwei Rennen der Saison gehörten die Autos mit den nun für legal bewerteten Diffusoren zu den schnellsten und erfolgreichsten im Feld. In der WM-Fahrerwertung finden sich unter den führenden sieben fünf Piloten, deren Boliden durch das umstrittene Bauteil auf die Piste gepresst werden. Die Brawn-GP-Fahrer Jenson Button und Rubens Barrichello an eins und zwei, die Toyota-Piloten Jarno Trulli und Timo Glock an drei und vier sowie der einen Williams lenkende Nico Rosberg auf Rang sieben.

Aufgrund des Urteils der Fia-Kommission sind die restlichen sieben Teams nun gezwungen, ihre Autos anzupassen. Die meisten Rennställe haben mit entsprechenden Entwicklungen bereits begonnen - und werden sehr viel Geld in den Prozess stecken müssen. So soll Ferrari bereits 20 Millionen Euro investiert haben. Ein Fakt, der dem immer wieder propagierten Sparwillen der Formel 1 entgegensteht.

"Ich habe gehört, dass einige Teams über die Kosten gesprochen haben", hatte Brawn noch vor der Anhörung gesagt: "Aber es gibt viele Dinge, die Teams von anderen Rennställen kopieren, ohne über Kosten zu reden." Während der Befragung, die am Dienstag acht Stunden gedauert hatte, verteidigte der Brite seinen Diffusor als "innovative Auslegung eine existierenden Idee".

fsc/fpf/dpa/sid

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Michael KaiRo 16.01.2009
1.
Zitat von sysopNeue Autos, neue Regeln, neue Technik: Die Formel 1 sieht 2009 ganz anders aus. Doch ändern sich damit auch die Kräfteverhältnisse? Wer ist Ihr Titelfavorit, was halten Sie von den Neuerungen in der Königsklasse?
Die Regeländerungen sehe ich weitgehendst positiv - diese dummen zigfachen Flaps sahen sowieso eher müllig aus. Hätte aber noch das "Umkleiden" der Rückspiegel wie es Ferrari jetzt getan hat, verboten - die waren wohl clever und fanden ne Lücke ;-) Die Kräfteverhältnisse dürften sich wohl eher marginal verschieben. Da bleibe ich Realist. Vor allem wünsche ich mir, dass mehr Entscheidungen auf der Rennstrecke fallen als am grünen Tisch. Aber das dürfte wohl Wunschdenken bleiben. Die Meisterschaft wird immer (nach Möglichkeit) bis zum letzten Rennen offen gehalten werden, egal ob Regelkonfrom oder nicht. Ansonsten: Schade, dass es die Sportwagen-WM der Prototypen nicht mehr gibt :-(
Cholerix, 16.01.2009
2.
Zitat von Michael KaiRoDie Regeländerungen sehe ich weitgehendst positiv - diese dummen zigfachen Flaps sahen sowieso eher müllig aus. Hätte aber noch das "Umkleiden" der Rückspiegel wie es Ferrari jetzt getan hat, verboten - die waren wohl clever und fanden ne Lücke ;-) Die Kräfteverhältnisse dürften sich wohl eher marginal verschieben. Da bleibe ich Realist. Vor allem wünsche ich mir, dass mehr Entscheidungen auf der Rennstrecke fallen als am grünen Tisch. Aber das dürfte wohl Wunschdenken bleiben. Die Meisterschaft wird immer (nach Möglichkeit) bis zum letzten Rennen offen gehalten werden, egal ob Regelkonfrom oder nicht. Ansonsten: Schade, dass es die Sportwagen-WM der Prototypen nicht mehr gibt :-(
Dem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema ist in der F1 nun aber durch. Bedingt durch die Regeländerungen ist da nun was entstanden, was noch grauenhafter aussieht als in den Vorjahren diese ganzen angepappten aerodynamischen Hilfkonstruktionen. Ich fürchte, das könnte mein verbliebenes Interesse an der F1 beenden. Ich hätte zudem eine Rückbesinnung auf die "Bastelstuben" früherer Jahre bevorzugt. Die Konzerne haben letztlich noch jede gute Motorsportserie mit Geld kaputtbekommen. Gerade auch Mercedes (u.a. FIA GT97 und Gruppe C)
lynx2 16.01.2009
3. Geld kaputt machen?
Zitat von CholerixDem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema ist in der F1 nun aber durch. Bedingt durch die Regeländerungen ist da nun was entstanden, was noch grauenhafter aussieht als in den Vorjahren diese ganzen angepappten aerodynamischen Hilfkonstruktionen. Ich fürchte, das könnte mein verbliebenes Interesse an der F1 beenden. Ich hätte zudem eine Rückbesinnung auf die "Bastelstuben" früherer Jahre bevorzugt. Die Konzerne haben letztlich noch jede gute Motorsportserie mit Geld kaputtbekommen. Gerade auch Mercedes (u.a. FIA GT97 und Gruppe C)
Wieso? Mercedes hat's doch! Wenn Chrysler abschmiert müssen sie nochmals eine schlappe Mrd. nachschießen. Für F1 reicht es noch dicke. Das zeigt nur, daß die Autohersteller immer noch genügend Geld haben für diesen Firlefanz. Wo ist da eine Autokrise? Daimler kann über seine Autofinanzierungstochter ja eine 100 Mio oder mehr einsacken an Staatsknete und damit weiter auch F1 finanzieren. Ist doch schön!
myspace 16.01.2009
4. .
Einheitsreifen, keine Schlupfkontrolle mehr - diese Jahr kommt es wieder auf das fahrerische Können an. Plus: Durch die neuen Aerodynamikregeln wird der Abtrieb deutlich gesenkt, gut möglich, daß es wieder ein bißchen Action mit richtige Überholmanövern gibt.
metbaer 17.01.2009
5.
Ich bin gespannt, was die neuen Regeln bringen. Vielleicht schaue ich die Formel 1 dann auch wieder mit etwas mehr Freude... die letzten Jahre machte die NASCAR- Serie in den USA dann doch mehr Spaß. Warum? Weniger Aerodynamik, weniger Elektronik, weniger Schnickschnack und einfach mehr fahrerisches Können.
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