Formel 1 Red Bull fordert Anhebung der Budgetgrenze – und fürchtet Zwangspause

Mehrere Formel-1-Teams wollen eine Anpassung des neuen Kostendeckels an die Inflation. Andernfalls ginge ihnen zum Ende der Saison das Geld aus, sagte Red Bulls Teamchef Christian Horner. Die kleineren Teams widersprechen.
Christian Horner

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Mark Thompson / Getty Images

In der Formel 1 ist ein Streit um die Anhebung der neuen Ausgabengrenze ausgebrochen. »Sieben Teams werden wahrscheinlich die letzten vier Rennen auslassen müssen, um das Budgetlimit einzuhalten«, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Der Brite verwies auf die inflationsbedingt stark gestiegenen Kosten für Energie und den Unterhalt der Rennfabriken. Zudem hätten sich die Preise für den Transport der Fracht vervierfacht.

Der Weltverband Fia müsse daher prüfen, ob die für diese Saison auf rund 140 Millionen Dollar festgelegte Budgetgrenze  pro Team erhöht wird, forderte Horner. Ansonsten müssten aus Sicht des Teamchefs einige Rennställe entweder zahlreiche Mitarbeiter entlassen oder auf Rennen verzichten.

Der BBC zufolge  sollen neben WM-Spitzenreiter Red Bull auch die finanzstarken Topteams Ferrari und Mercedes sowie McLaren auf eine Anhebung des Budgetlimits drängen. Vor dem Großen Preis von Spanien hatte Ferrari-Teamchef Red Bull noch unterstellt , bereits 75 Prozent seines Entwicklungsbudgets verbraucht zu haben. Red Bulls Motorsport-Koordinator Helmut Marko hatte das bestritten.

Medienberichten zufolge stellen sich aber mehrere Rennställe gegen diese Bestrebungen. Alfa Romeo, Alpine, Haas und Williams hätten gegen einen Vorschlag für eine Anpassung des Ausgabenlimits an die Teuerungsrate votiert. Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer schlug vor, die an anderer Stelle erhöhten Kosten bei den Entwicklungsausgaben für die Autos einzusparen.

Die Topteams könnten Rennen auslassen? »Ich begrüße das«

»Wir haben unsere Budgets frühzeitig festgelegt, wir haben die Inflation ein wenig vorweggenommen. Die Inflation hat uns nicht einfach überrumpelt«, sagte Szafnauer, dessen Team nach sechs Rennen auf Platz sechs liegt. »Wenn wir es können, können es andere sicher auch. Ich bin nicht dafür, einfach die Obergrenze zu erhöhen.«

Zu der Aussage Horners, dass einzelne Teams möglicherweise Rennen auslassen müssten, sagte er: »Das wird uns in der Meisterschaft nach vorn bringen. Ich begrüße das«, sagte er. »Sollten wir das einplanen, oder war das nur ein Scherz?«

Ein Sprecher von Aston Martin sagte: »Wir unterstützen eine Erhöhung der Budgetobergrenze in Übereinstimmung mit der Inflation, sehen aber keine Notwendigkeit für eine darüber hinausgehende Erhöhung.«

Die Grenze war im vergangenen Jahr ins Regelwerk aufgenommen worden, um für mehr Chancengleichheit zu sorgen. Wegen der Coronakrise wurde sie noch einmal deutlich gesenkt. Im kommenden Jahr wird sie um weitere 4,5 Millionen Euro reduziert.

Die kleineren Rennställe sorgen sich vor allem, dass bei einer Aufweichung der Ausgabengrenze vor allem die Topteams profitieren, weil sie sich weniger als geplant einschränken müssten. Mehrere der Außenseiter-Rennställe erreichen mit ihren Etats ohnehin nicht das Limit, während die Spitzenteams durch eine strikte Begrenzung der Ausgaben zumindest etwas eingebremst werden.

ngo/rtr/dpa