Red Bull und Ferrari in der Formel 1 Rot-Rote Duelle

Vettel gegen Ricciardo und Räikkönen gegen Verstappen - das waren die interessanten Duelle in Ungarn. Für Ferrari ging es dabei nicht immer fair zu und auch abseits der Strecke kracht es zwischen den Rennställen.

Duell zwischen Red Bull und Ferrari
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Duell zwischen Red Bull und Ferrari

Aus Budapest berichtet


Wären die Duelle zwischen Ferrari und Red Bull nicht gewesen, dann wäre der elfte Formel-1-Lauf der Saison vermutlich gänzlich ohne Rennaction zu Ende gegangen. Sieger Lewis Hamilton fuhr an der Spitze ein einsames Rennen, mit Jenson Button im McLaren fiel nur ein Auto aus und selbst im hinteren Feld gab es auf der kurvenreichen Strecke in Budapest kaum Überholmanöver.

Doch hinter den beiden dominanten Mercedes-Piloten Hamilton und Nico Rosberg, der seine WM-Führung erstmals in dieser Saison abgeben musste, tobt ein Kampf um den dritten Platz - auf und neben der Strecke. In der Fahrerwertung erkämpfte sich Daniel Ricciardo aus dem roten Quartett mit 115 Punkten den dritten Platz, knapp vor den beiden Ferrari-Fahrern Kimi Räikkönen (114 Punkte) und Sebastian Vettel (110) und Teamkollege Max Verstappen (100). In der Konstrukteurswertung geht es mit 224:223 für Ferrari ähnlich knapp zu.

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Formel 1: Hamiltons souveräner Sieg in Ungarn

Vettel, der hinter Ricciardo auf Platz vier landete, war trotzdem zufrieden: "Nach der Kritik der vergangenen Wochen war das eine gute Antwort", sagte der vierfache Weltmeister. "Wir waren schneller, aber das ist halt Ungarn." Der 29-Jährige hatte Ricciardo in den letzten Runden attackiert, kam auf der Strecke aber nicht vorbei. "Red Bull war im Qualifying besser, wir waren es im Rennen", sagte Vettel weiter und blickte optimistisch auf das nächste Rennen am Hockenheimring kommenden Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL und Sky).

"Das Manöver von Max war nicht fair"

Noch enger ging es zwischen Verstappen und Räikkönen im Kampf um Platz fünf zu. Zweimal setzte der Finne auf der linken Seite zum Überholmanöver an, beide Male zog Verstappen kompromisslos herüber und bremste den Ferrari so aus. In der 58. Runde berührten sich die Boliden des 18-jährigen Shootingstars und des 36 Jahre alten Routiniers - mit glimpflichem Ausgang, aber einem lädierten Frontflügel bei Räikkönen.

Der in der Regel schweigsame Finne schimpfte schon während des Rennens via Funk über die Manöver seines Kontrahenten - und legte später nach. "Max' Manöver war nicht korrekt", sagte Räikkönen und forderte indirekt eine Bestrafung. "Aber wie die Regeln ausgelegt werden, ist nur noch ein Witz." Auch Vettel sprang seinem Teamkollegen zur Seite: "Kimi ist einer der fairsten Fahrer in der Formel 1 und ich denke, das Manöver von Max war nicht fair."

Verstappen konnte die Aufregung dagegen nicht verstehen. "Ich bin nur einmal herübergezogen", sagte der Red-Bull-Fahrer, "von daher wäre es ziemlich seltsam, wenn ich bestraft werden würde." Ohnehin hätte der Zweikampf etwas Gutes, immerhin habe man Kimi "zumindest mal über den Funk reden hören".

Red Bull vor Augen, Mercedes im Kopf

Die Duelle auf der Strecke sind nur die Fortsetzung einer Entwicklung, die sich bereits in den vergangenen Tagen und Wochen angedeutet hatte. Ferrari will den zweiten Platz in der Teamwertung mit aller Macht verteidigen und Red Bull bemüht sich, beim Konkurrenten Unfrieden zu stiften. So brachte Teamchef Christian Horner seinen ehemaligen Schützling Vettel mit Mercedes in Verbindung - obwohl die Cockpit-Belegung bei allen drei Top-Teams für die kommenden Saison bereits geklärt ist. "Da ist nichts dran", erwiderte Vettel, "ich fühle mich sehr wohl bei Ferrari."

Um die Gerüchteküche weiter anzuheizen unterstellte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko Ferrari und Mercedes, offen um Ricciardo und Verstappen zu werben. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene lässt das kalt: "Die angeblich nicht mehr so gute Moral, das sind doch alles nur Geschichten, um uns auseinander zu bringen. Das wird nicht gelingen."

Am allerliebsten würde das italienische Team ohnehin über ein Duell mit Mercedes sprechen. Für Vettel fuhren die Silberpfeile in Ungarn zwar "in ihrer eigenen Liga", aber Räikkönen will lieber nach oben als nach unten schauen: "Unser Ziel ist nicht Red Bull, unser Ziel ist Mercedes." Nach dem nächsten Rennen könnten allerdings beide vor Ferrari stehen.

insgesamt 9 Beiträge
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jakker 24.07.2016
1.
War ein geiles Rennen, der Sechste hinter dem Fünften, der Vierte hinter dem Dritten und der Zweite hinter dem Ersten; jedes Duell richtig spannend!! ;-)
gruenertee 24.07.2016
2.
Ist genauso interessant wie die Bundesliga. Der Sieger steht im Voraus fest und das einzig interessante sind die Kämpfe hinten bzw. um den Abstieg. Besonders wenn der beste Fahrer (Alonso) im schlechten Auto sitzt.
tobih 24.07.2016
3. Insgesamt...
...einer der besseren Ungarn-GP, vor allem wegen den Scharmützeln zwischen Räikkönen und Verstappen, aber: Verstappen ist zwar sehr schnell und sicherlich ein großes Talent, ist aber zu früh in einem Topteam gelandet: er übertreibts regelmäßig...da könnte man ruhig mal eine Strafe aussprechen und generell wirft es nicht das beste Bild auf die Formel 1, wenn man mit einem Jahr Formel 3 und einem Alter von 18 Jahren schon munter ein F1-Rennwagen am absoluten Limit fahren kann: sowas wäre in den 80er und 90er Jahren (und früher sowieso...aber die Zeiten will wohl niemand mehr zurück) undenkbar gewesen...
black-mamba 25.07.2016
4. einfache Kiste
Was Verstappen abgezogen hat war unterste Schublade. Rennen fahren ist Wettkampf und es ist gefährlich. Jeder der in so ein Auto steigt und Gas gibt weiß das. Bis hier hin ist klar, dass jeder Rennfahrer selbst entscheidet, womit er seine Gesundheit oder gar sein Leben riskiert. Was aber nicht in Ordnung ist, ist wenn ein Fahrer wegen leichtsinnigem Ehrgeiz durch unfaires Verhalten, die Gesundheit und das Leben anderer Fahrer riskiert. Verstappen hat eben nicht bloß einmal rübergezogen, sondern Regelwidrig zweimal und bei einer darauffolgenden Situation hat er ein weiteres Mal Raikönen regelwidrig behindert. Ich verstehe ohnehin nicht, wieso erlaubt ist, dass ein langsamerer Fahrer durch behindern einen schnelleren aufhalten darf. Es sollte doch darum gehen, wer schneller fahren kann und nicht darum, wer einem andeen besser vor der Nase rumgurkt. Jedenfalls fehlt Verstappen nach meiner Ansicht die notwendige Refe um ein Auto mit fast 400 km/h verantwortungsvoll und fair bei einem Rennen zu bewegen. Er hat in der Formel 1 nichts zu suchen. Und ihm jugendlichen Leichtsinn augenzwinkernd durchgehen zu lassen, dazu sind die Umstände für zuviele Beteiligte Menschen zu gefährlich - betrffen können im ungünstigsten Falle neben den Fahrern auch Streckenposten oder gar Zuschauer sein. Nicht zu vergessen, Zuschauer sind dort teils auch Kinder. Darüber muss sich jeder Fahrer stets bewusst sein. Formel1 ist Unterhaltung und nicht Kampf auf Leben und Tod. Das sollte es auch bleiben.
Crossi71 25.07.2016
5. Fast schon spannend
Die Grundvoraussetzung war gegeben. Drei Zweipärchen, die sich jagen, nur leider erlauben es die aktuellen Autos nicht, so richtig Druck zu machen ohne sich die Karre zu ruinieren. Gut und Ungarn mit seiner Streckencharakteristik lässt überholen ja auch fast nicht zu.
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