Formel-1-Reform "Schumacher ist nur mit Handschellen zu stoppen"

Voller Zuversicht hat die Fia die neuen Formel-1-Regeln vorgestellt. Doch die Rennställe sind skeptisch, ob mit diesen Maßnahmen die Ferrari-Dominanz ernsthaft gefährdet werden kann.


Jaguar-Teamchef Niki Lauda: "Schumacher wird trotzdem Weltmeister"
DDP

Jaguar-Teamchef Niki Lauda: "Schumacher wird trotzdem Weltmeister"

Hamburg - Die Hoffnung der Motorsportfunktionäre, die kommende Saison könnte durch die neuen Formel-1-Regeln spannender werden, ist von den Fahrern eher mit Skepsis aufgenommen worden. Nur wenige Rennställe glauben, dass die Position des fünffachen Weltmeisters Michael Schumacher im kommenden Jahr wackeln wird. "Um Michael zu stoppen, hätte man ihm schon Handschellen anlegen müssen", behauptet beispielsweise Schumacher-Manager Willi Weber, der sich aber mit den Fia-Vorschlägen zufrieden zeigte: "Nach dem ganzen Quatsch im Vorfeld hört sich das alles ganz vernünftig an."

"Die Teamorder ist weg, das ist das Wichtigste"


Die Kommission hatte unter anderem die Stallorder verboten, den Qualifikations-Modus verändert und ein neues WM-Punktesystem eingeführt. Zudem wurde der "Große Preis von Belgien" wegen des Tabakwerbeverbots gestrichen. Nur eine der neun Ideen aus dem im Vorfeld viel diskutierten Reform-Paket von Fia-Präsident Max Mosley wurde umgesetzt: Die Reifenhersteller Bridgestone und Michelin dürfen künftig für jedes Team zwei verschiedene Mischungen anbieten.

Die Aufhebung der Stallorder war seit dem abgesprochenen Sieg von Michael Schumacher gegen seinen Teamkollegen Rubens Barrichello beim "Großen Preis von Österreich" von verschiedenen Seiten gefordert worden. "Die Teamorder ist weg, das ist das Wichtigste", freute sich Jaguar-Teamchef Niki Lauda: "Aber Michael Schumacher wird trotzdem Weltmeister, auch wenn Ferrari jetzt schlafen gehen würde. Die haben einen Riesenvorsprung, da ändern auch neue Regeln nicht viel." Ralf Schumacher fand die Entscheidung ebenfalls richtig, warf jedoch die Frage auf, wie das Verbot überprüft werden soll: "Ich hoffe nur, dass die Fia auch Mittel und Wege findet, um das Ausüben der Teamorder zu kontrollieren."

Freude über das neue Qualifikationssystem


Vor allem die Änderung in der Qualifikation, in der jeder Fahrer eine Runde am Freitag und Samstag als Solist zurücklegen muss, wurde begrüßt. "Das neue Qualifikationssystem garantiert interessantere Freitage und abwechslungsreichere Startaufstellungen", stellte Ferraris Sportdirektor Jean Todt fest. Williams-BMW-Fahrer Ralf Schumacher kündigte Spektakuläres an: "Das ist nicht nur für die Zuschauer spannender, sondern auch für uns Fahrer. Ich freu' mich schon auf eine schnelle Runde ohne Verkehr." Noch mehr Spannung erhofft er sich durch das neue Punktesystem, bei dem die ersten Achtplatzierten statt der bisher ersten sechs Zähler erhalten: "Das ist meiner Meinung nach eine klasse Regelung: So schiebt sich alles näher zusammen."

Über das neu eingeführte Punktsystem hat sich besonders Sauber-Fahrer Nick Heidfeld gefreut. "Das kommt unserem Sauber-Team sehr entgegen", so der Mönchengladbacher. "Jetzt gibt es auch für die Plätze Punkte, um die wir uns zuletzt häufig mit anderen Teams gestritten haben." Insgesamt glaubt Heidfeld aber nicht daran, dass sich durch die neuen Fia-Bestimmungen das Bild der Formel 1 auffällig verändern wird. "Die Dominanz von Ferrari wird sich in geringem Maße ändern", prophezeit Heidfeld. "Das ist aber auch richtig so, denn wir betreiben immer noch Sport. Da sollte derjenige gewinnen, der den besten Job macht."

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