Hamilton-Triumph dank Reifenpanne Ätsch

Weltmeister Lewis Hamilton feierte in Monaco einen emotionalen Erfolg, bei dem die Zahl 44 eine große Rolle spielte - und der folgenschwere Fehler eines Konkurrenten.

Monaco-Sieger Hamilton
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Monaco-Sieger Hamilton

Aus Monaco berichtet Karin Sturm


"Es wäre möglich gewesen, hier und heute Mercedes zu schlagen, wir hätten den Sieg nur mitnehmen müssen."

Christian Horner ließ sich lange Zeit, ehe der Red-Bull-Teamchef in Monaco endlich eine Erklärung lieferte. Die Erklärung dafür, warum sein Pilot Daniel Ricciardo sich am Ende mit dem zweiten Platz hinter Lewis Hamilton zufrieden geben musste, obwohl er doch am Samstag die Poleposition herausgefahren und in der Anfangsphase des Rennens schon einmal einen Vorsprung von über 13 Sekunden gehabt hatte.

Die Erklärung, die Horner dann vorbrachte: Kommunikationsprobleme. "Die Supersoft-Reifen, die wir Daniel Ricciardo bei seinem letzten Boxenstopp geben wollten, waren ganz hinten in der Box 'vergraben'. Deswegen konnten wir sie nicht schnell genug nach vorne bringen, sodass er bei dem Stopp fast zehn Sekunden verloren hat." Ursprünglich hatte der Australier die "Softs" bekommen sollen, dann entschied sich das Team kurzfristig um.

In der Boxengasse in Monaco sitzen die Ingenieure im Obergeschoss des neuen Boxengebäudes, die Reifen selbst sind unten in den Garagen untergebracht. "Und die sind auch noch relativ klein, sodass es schwierig ist, bei solchen Bedingungen wie heute alle fünf Reifentypen für beide Autos permanent griffbereit zu haben", sagte Horner. "Das soll jetzt keine Entschuldigung sein, es gibt nämlich keine. Aber zumindest eine Erklärung dafür, was in den 30 Sekunden vom Fallen der Entscheidung bis zu dem Moment, in dem Daniel dann da war, passiert ist."

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Formel 1 in Monaco: Am Tag, als der Regen kam

Entschuldigen könne und müsse er sich nur bei Ricciardo, so Horner, "der durch unseren Fehler einen sicheren Sieg verloren hat." Was der eine in Monaco verlor, gewann ein anderer. Denn während Ricciardo für den Fehler seines Teams bezahlte, funktionierte bei Mercedes eine riskante Taktik.

Mit einer normalen Strategie hätte Lewis Hamilton, im Qualifying nur Dritter, die Lücke auf Ricciardo nicht mehr schließen können. So setzte er auf Risiko: Als auf abtrocknender Strecke fast alle Piloten zwischenzeitlich auf die Intermediate-Reifen wechselten, blieb der Weltmeister mit den immer mehr nachlassenden "Full Wets" draußen, um dann sofort auf Trockenreifen zu wechseln und sich so einen Stopp zu sparen.

"Das heute darf nicht passieren"

Das bedeutete allerdings, dass der Brite über mehrere Runden den von hinten heranstürmenden und eigentlich deutlich schnelleren Ricciardo in Schach halten musste - ein bisschen im Stile seines großen Idols Ayrton Senna, als der 1992 den drei Sekunden schnelleren Nigel Mansell sieben Runden lang hinter sich hielt und so damals einen überraschenden Sieg feierte. Hamilton schaffte das auch - trotzdem wäre Ricciardo beim letzten Boxenstopp ohne die Reifenpanne wieder vorbeigekommen.

Ricciardo war dann auch bei der Siegerehrung sichtlich sauer: "Zwei Rennen hintereinander haben mich jetzt solche Probleme und Fehlentscheidungen einen Sieg gekostet", sagte er. Schon vor zwei Wochen in Barcelona hatte er sich durch seine Drei-Stopp-Strategie gegenüber der Zwei-Stopp seines Teamkollegen Max Verstappen benachteiligt gefühlt, Verstappen gewann. "In Barcelona war das eine ganz enge Kiste, welche Strategie die bessere sein würde", relativierte Horner, "das würde ich nicht als Fehler bezeichnen. Aber das, was heute passiert ist, das darf natürlich nicht passieren."

So holte sich am Ende Hamilton einen Sieg, der ihm emotional sichtlich viel bedeutete - vor allem nach der Enttäuschung vom Samstag, nach der er sich wieder neu fangen und motivieren musste. Es war der erste Saisonsieg des Briten, der zweite überhaupt erst in seiner Karriere in Monaco, und der 44. insgesamt. Die Zahl, die für ihn eine spezielle Bedeutung hat, weil er mit dieser Nummer seine ersten großen Karterfolge feierte.

All das ließ den Weltmeister bei der Siegerehrung und auch danach noch mehrfach mit den Tränen kämpfen. "Ich habe für so einen Tag gebetet", gestand er, "es war ein unglaublich schwieriges Rennen. Aber es ist so schön, so einen Tag zu erleben, wo für einen selbst mal wieder alles zusammen passt."

Und für andere eben nicht.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Polepositions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Polepositions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)


insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
marshmellow 30.05.2016
1. Das war ein geschenkter Sieg
Die Red Bull Mannschaft hat den Reifenwechsel verpennt. Lewis Hamilton hätte das Rennen sonst nie gewinnen können. Ricciardo kann einem leid tun. Aber so ist es eben: Des Einen Leid; des Anderen Freud.
kaffi 30.05.2016
2. So kann es gehen ;-)
Schade für Ricciardo, da hat RedBull seinen 2. möglichen Sieg versemmelt. Wobei der 1. wurde Verstappen geschenk, so quasi als Willkommensgruss ;-) Mir ist nur etwas nicht ganz klar. Hamilton fuhr an die Box um die Ultra's abzuholen. Ricciardo war da an seinem Heck. Hat Ricciardo in der Runde als Hamilton an der Box war so viel Zeit herausgefahren, dass es trotz den zusätzlichen 10 sek. Standzeit bei Ricciado noch so eng wurde ? Noch kurz zu Rosberg: Die Box hat eigentlich viel zu lange gebraucht bis sie auf Rosberg aufforderten Hamilton vorbei zu lassen! Der riedige Abstand kam nur zustande weil man so lange gewartet hat!
Hirndummy 30.05.2016
3. Da wäre nur noch eine Frage
Eine klitzekleine Erklärungslücke bliebe noch. War das "freiwillige Passiermanöver" Rossberg/Hamilton tatsächlich den technischen Umständen geschuldet, oder eine nette Inszenierung von Mercedes, die Slapsticknummer vom letzten Rennen teamintern gerade zu hobeln? Vielleicht hat man ja intern Hamilton nicht als den Schuldigen ausgemacht...?
granathos 30.05.2016
4. Bond vs. Fröbe
wäre ja echt lustig, wenn diese, zwar arrogante, aber coole Socke Rosberg doch noch wieder abhängen würde. Gerd Fröbe wurde ja auch von James Bond geschlagen - at the very end.
Vladimir Iljic 30.05.2016
5. Das darf nicht passieren?
Leute, solche Glück/Pech Geschichten machen ein Rennen erst sehenswert und letztlich ist es sowas von egal, wer gewinnt, wenn das Rennen spannend war. Aber, dass ist wiederum Gift für die Medien, weil die am liebsten schon den Gewinnen vor dem Rennen küren würden und alles andere abhacken.
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