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Robert Kubica: Mit einer Hand

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Comeback-Pläne von Robert Kubica Formel 1 mit links

Der 2011 schwer verunglückte Robert Kubica könnte kommende Saison in die Formel 1 zurückkehren. Doch Experten warnen vor einem Sicherheitsrisiko.

Robert Kubica steht kurz vor einer Rückkehr in die Formel 1. Nach dem Saisonende stehen am Dienstag und Mittwoch in Abu Dhabi noch zwei Reifentesttage an, der Pole wird erstmals einen Williams fahren. Das soll Klarheit bringen, ob eine Verpflichtung Kubicas sportlich wenigstens einigermaßen zu vertreten wäre. Aus Marketinggründen ist sie bereits der Traum der Williams-Verantwortlichen - der 32-Jährige bringt zwölf Millionen Dollar Sponsorengelder mit.

Als Kubica im Juli für Renault Testfahrten bestritt, wurde im Fahrerlager noch darüber diskutiert, ob er wegen seiner bei einem Rallyeunfall erlittenen Handverletzung genügend Speed und Konstanz für ein Formel-1-Cockpit mitbringt. 2011 war Kubica bei einer Rallye in Italien von der Strecke abgekommen, eine Leitplanke bohrte sich in seinen Wagen, und Ärzte konnte seine rechte Hand nur mit großer Einschränkung der Funktionsfähigkeit erhalten.

Mittlerweile steht eine andere Frage im Vordergrund: Kann sein Comeback zum Sicherheitsrisiko für andere Piloten werden?

Immer mehr Experten machen sich Sorgen, ob Kubica, bei dem die Funktionsfähigkeit des rechten Arms extrem eingeschränkt ist, der mit der rechten Hand kaum ein Glas anheben kann, in kritischen Situationen richtig reagieren könnte.

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Robert Kubica: Mit einer Hand

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Jacques Villeneuve, 1997 der letzte Williams-Weltmeister, sagt: "Es geht nicht um die sieben Sekunden, in denen Kubica 2018 aus einem stehenden Auto klettern muss. Das ist mit den neuen Halo-Käfigen schwer genug. Dieser Test dient nur seiner eigenen Sicherheit." Vielmehr interessiert sich Villeneuve für überraschende Hindernisse auf der Strecke. "Was ist, wenn er beim Start mit einem abrupten Manöver einem stehenden Auto ausweichen muss? Ich bezweifle, dass dies mit der Kraft einer Hand überhaupt geht."

Villeneuve erinnert an das Rennen in Brasilien in diesem Jahr, als Daniel Ricciardo sich drehte und ein Sauber extrem verreißen musste, um einen Frontalaufprall zu verhindern. "Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass du dazu zwei voll funktionsfähige Hände brauchst. Hätte Kubica das auch geschafft? Das bezweifle ich." Der Motorsport-Weltverband Fia müsse sich deshalb überlegen, wie Kubica für solche Situationen getestet werden soll. Es gehe um die Verantwortung für die Kollegen - für die Fia, für Williams und auch für Kubica selbst.

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Formel 1: Von Flügeln und Flossen

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Diese Situation, ein plötzlich quer auf der Strecke stehender Rennwagen, der von einem anderen Auto frontal torpediert wird, "ist der gefährlichste Unfall, den man sich heute noch vorstellen kann, der auch mit den sichersten Strecken nicht zu verhindern ist", sagt der deutsche Streckenarchitekt Hermann Tilke. Auch Marc Surer, ehemaliger Rennfahrer und Sky-Experte, betont den Unterschied zwischen Testfahrten und Rennsituationen. "Es ist etwas anderes, im Pulk zu kämpfen, blitzschnell reagieren zu müssen." Und Surer weist darauf hin, dass Kubica im Laufe seiner Rallye-Karriere aufgrund von Unfällen achtmal nicht ins Ziel kam, was auf Probleme hindeute, ein Auto in Extremsituationen wieder einzufangen.

Die aktiven Fahrer halten sich im Moment mit öffentlichen Aussagen noch zurück. Weil es im Moment schwierig ist, offen etwas gegen Kubica zu sagen. Weil er viele Freunde im Fahrerlager hat, man ihm großen Respekt dafür entgegenbringt, überhaupt wieder so weit gekommen zu sein. Weil ihm niemand zu nahetreten will.

Mit seinem neuen Berater Nico Rosberg hat Kubica einen prominenten Fürsprecher. Tatsächlich ist es eindrucksvoll, wie schnell er in seiner körperlichen Verfassung überhaupt ein Formel-1-Auto bewegen kann. Die Folgen der schweren Verletzung sind im Alltag schließlich offensichtlich: Narben, sehr wenig Muskulatur im rechten Arm, Bewegungseinschränkungen, geringere Kraft, maximal noch 40 Prozent, so hört man. Auch im Alltag erledigt der Pole die meisten Dinge mit der linken Hand. Kubica selbst verwies vor einigen Wochen auf die Servolenkung in der Formel 1 und betonte die Bedeutung mentaler Dinge: "80 Prozent macht der Kopf aus."

Die Fia muss genau abwägen

Fia-Präsident Jean Todt sagt immerhin, die Situation nicht leichtfertig angehen zu wollen: "Wir haben Experten für so etwas und wir werden alle notwendigen Schritte unternehmen, sollten wir mit der Situation konfrontiert werden." Es geht um die Superlizenz, die die Fahrer nur erhalten, wenn sie bestimmte Medizinchecks bestehen und Sicherheitsstandards wie die Sieben-Sekunden-Regel erfüllen können.

"Fahrer kommen und gehen", sagt Todt. "Bei Robert wäre es etwas Besonderes, denn er hat einen schweren Rallyeunfall überlebt. Zunächst ist er in der Rallye zurückgekommen, nun im Formelsport. Die Zeit wird uns verraten, wie weit er es wirklich schafft." Und noch etwas hört man: Ab Januar 2018 soll es bei der Fia eine spezielle Kommission für behinderte Rennfahrer geben, die sich dann auch solchen Problemen widmen und das tatsächliche Können der Piloten einschätzen soll.

Selbst wenn Williams Kubica nach den Testfahrten einen Vertrag geben sollte: Dass er 2018 wirklich fahren darf, wäre damit noch nicht sicher. Denn Todt muss genau überlegen, was er tut: Die Fia hat schließlich noch immer mit der Klage der Familie von Jules Bianchi zu tun. Da steht im Zusammenhang mit dessen tödlichen Unfall in Suzuka 2014 der Vorwurf der Nachlässigkeit im Raum.

Kubica ist womöglich ein Risiko. Einen weiteren Rechtsstreit will sich die Fia nicht erlauben.

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