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13. Oktober 2012, 13:13 Uhr

Formel-1-Pilot Grosjean

Der Verrückte aus Kurve eins

Bereits achtmal war Formel-1-Pilot Romain Grosjean in diesem Jahr in einen Crash in der ersten Runde verwickelt - dabei startete er erst 14-mal. Und fast immer war der Lotus-Fahrer der Verursacher. Die Konkurrenz ist erbost, bezeichnet ihn als "Verrückten".

Die meisten Piloten starten in der Formel 1, um Rennen zu gewinnen. Für einige ist schon ein Platz auf dem Treppchen ein Erfolg, nur wenige können sich über eine Top-Ten-Platzierung freuen. Bei Romain Grosjean ist das anders: Der Franzose kann schon von einem guten Rennen sprechen, wenn er die erste Runde unfallfrei überstanden hat.

Denn wirklich häufig ist das dem Lotus-Fahrer in dieser Saison nicht gelungen: 14-mal ging er an den Start, achtmal war er in der ersten Runde in einer Kollision verwickelt. Doch schuld waren nicht sein anfälliges Auto oder rücksichtslose Konkurrenten. Schuld war fast immer er selbst. Grosjean geht beim Start volles Risiko, nimmt kaum Rücksicht auf die anderen Fahrer - und verursacht somit häufig einen Crash. So auch beim vergangenen Rennen in Suzuka, als er auf Mark Webber auffuhr. "Das war ein dummer Fehler", sagte Grosjean anschließend.

Jetzt soll alles besser werden, beim Großen Preis von Korea am Sonntag (8 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) will der Franzose unfallfrei bleiben. Allein: Dieses Ziel hat er schon häufiger ausgegeben, besser wurde es nicht. Anfang September hatte er beim Großen Preis von Belgien für einen spektakulären Crash gesorgt und wurde für ein Rennen gesperrt. Grosjean gab sich geläutert, änderte seinen Fahrstil aber nicht.

"Seit Singapur versuche ich, beim Start sehr vorsichtig zu sein", sagte er, um direkt zu bemerken, dass der Plan offenbar nicht aufgegangen sei: "Es ist umso frustrierender, in Japan in einen Zwischenfall verwickelt gewesen zu sein." Der Start eines Rennens ist in der Formel 1 extrem wichtig geworden, wer früh weit vorne ist, hat bei der Wahl der Strategie die meisten Optionen.

"Jetzt müssen wir nach vorn schauen"

Dass er mit seiner Fahrweise Konkurrenten aus dem Rennen nimmt, scheint ihn dabei weniger zur stören. Doch der Zorn der Betroffenen wird immer größer. "Das war wieder der Verrückte aus Kurve eins", schimpfte Red-Bull-Pilot Webber nach dem Rennen in Suzuka. Und Nico Rosberg, dessen Rennen nach der Kollision ebenfalls beendet war, sagte: "Wieder der Grosjean. Ich werde wohl mal ein Wort mit ihm reden, schließlich hat er mein Rennen kaputtgemacht und das von vielen anderen auch. Ein Rennen auf diese Art und Weise in der ersten Kurve zu beenden, ist beschissen."

Zumal sie befürchten, dass Grosjean seine Fahrweise ob der geringen Strafen nicht ändern wird. Trotz seiner Vorgeschichte und der vorherigen Sperre bekam der Lotus-Pilot zuletzt in Suzuka nur eine Zehn-Sekunden-Zeitstrafe. "Wenn einer so wahnsinnig ist und nicht durch die erste Kurve kommt, muss man ihn belehren. Man müsste ihn wieder sperren, und diesmal mehr als ein Rennen", forderte Niki Lauda, der künftige Aufsichtsratschef des Formel-1-Teams von Mercedes. Auch Red-Bull-Berater Helmut Marko forderte eine Strafe "von drei Rennen".

Einen Seitenhieb hat Grosjean jetzt auch von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone kassiert: "Vielleicht hat er ein Problem mit den Augen", sagte der 81-Jährige, "er ist schnell, war aber bei den Starts oft in Probleme verwickelt. Ich würde vorschlagen, dass er seine Augen untersuchen lassen sollte, weil er Probleme hat, das zu sehen, was um ihn herum passiert."

Grosjean selbst versucht, die Thematik möglichst kleinzuhalten. Er habe sich bei Webber entschuldigt, sagte der Franzose: "Jetzt müssen wir nach vorn schauen." Dabei könnte er von einem risikoärmeren Rennstil möglicherweise selbst profitieren. Denn wenn der Franzose in diesem Jahr ins Ziel kam, erreichte er durchaus gute Platzierungen. Beim Großen Preis von Kanada fuhr er auf Platz zwei, bei den Rennen im Bahrain und in Ungarn wurde Grosjean Dritter.

Mit 82 Punkten liegt er derzeit auf Rang acht der WM-Wertung. Teilt man die Punktzahl durch die nur sieben zu Ende gefahrenen Rennen, ergibt sich ein Wert von 11,7 Punkten pro Rennen. Kimi Räikkönen kam in dieser Saison 14-mal ins Ziel, er hat 157 WM-Punkte. Sein Quotient liegt bei 11,2 Punkten. Räikkönen liegt in der Gesamtwertung derzeit auf dem dritten Platz.

leh/sid/dpa

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