Scharfe Kritik von Amnesty International Formel 1 fährt 2021 erstmals in Saudi-Arabien

Ein Nachtrennen in Dschidda wird den Rennkalender der Formel 1 in der Saison 2021 ergänzen. Die Premiere in Saudi-Arabien sorgt aufgrund von Menschenrechtsverletzungen im Land für Kritik.
Dschidda bei Nacht: Die Weltelite des Motorsports macht 2021 Station in Saudi-Arabien

Dschidda bei Nacht: Die Weltelite des Motorsports macht 2021 Station in Saudi-Arabien

Foto: -/ dpa

Die Formel 1 fährt kommendes Jahr erstmals in Saudi-Arabien. Wie die Motorsport-Königsklasse am Donnerstag mitteilte, ist im November 2021 ein Nachtrennen auf einem Straßenkurs in Dschidda vorgesehen. Die Hafenstadt im Westen des Landes liegt am Roten Meer. "Die Region ist sehr wichtig für uns", sagte Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey und verwies auf 70 Prozent der saudischen Bevölkerung, die unter 30 Jahre alt sei. Man sei "erfreut über die Möglichkeit, neue Fans zu erschließen".

Medienberichten zufolge ist zunächst ein Vertrag über zehn Jahre vorgesehen. Fester Bestandteil des Formel-1-Kalenders im arabischen Raum sind seit Jahren Bahrain und Abu Dhabi als Königsklassen-Finale. Der saudi-arabische Mineralölkonzern Aramco ist seit diesem Jahr Hauptsponsor der Rennserie.

Amnesty International hatte eine Austragung scharf kritisiert. "Trotz der Schlagzeilen, dass saudische Frauen endlich Autofahren dürfen, ohne eingesperrt zu werden, haben die Verantwortlichen erst neulich einige führende Frauenrechtsaktivisten eingesperrt und gefoltert", teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Die Formel 1 müsse darauf bestehen, dass während des Grand Prix arbeitsrechtliche Standards eingehalten werden und die Rennevents ohne Diskriminierung zugänglich sind.

Auch die Pressefreiheit in Saudi-Arabien ist stark eingeschränkt. 2018 war der regierungskritische Journalist Jamal Khashoggi im türkischen Istanbul von einem saudischen Spezialkommando getötet worden. Kronprinz Mohammed bin Salman soll den Mord an Khashoggi in Auftrag gegeben haben. Offiziell heißt es aus Riad, Khashoggi sei "bei einem missglückten Einsatz zu seiner Festnahme" getötet worden.

Sportevents als saudische Imagekampagne

Saudi-Arabien wolle mit dem Gastspiel der Rennserie von der schlechten Menschenrechtslage in dem Staat ablenken, heißt es weiter. Zuletzt fanden im Staat bereits das spanische Pokalfinale im Fußball, ein Weltmeisterschaftskampf im Schwergewichtsboxen und die Rallye Dakar statt. Aus dem Fahrerlager äußerten sich bislang nur wenige Stimmen zum Grand Prix. Weltmeister Lewis Hamilton hatte zuletzt betont, der Sport sei eine Möglichkeit, im Land "Dinge in Bewegung zu setzen".

Die Formel 1 plant für 2021 insgesamt 23 Grand Prix. Die Saison soll wie gewohnt in Australien am 21. März beginnen. Der vollständige provisorische Kalender soll Carey zufolge "in den nächsten Wochen" vorgestellt werden.

cev/dpa/sid
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