Formel 1 Schumacher dreht erste Runden im alten Ferrari

Zurück im Cockpit: Michael Schumacher hat in Mugello die ersten Tests absolviert - in einem zwei Jahre alten Ferrari. Kimi Räikkönen findet es "egal", wer sein Teamkollege ist. Der verunglückte Felipe Massa soll am Montag aus dem Krankenhaus entlassen werden.


Hamburg - Michael Schumacher hat nicht einmal 48 Stunden nach seiner Comeback-Ankündigung wieder in einem Rennwagen gesessen. Auf der hauseigenen Ferrari-Strecke in Mugello drehte der 40-Jährige seine Runden im zwei Jahre alten F2007. "Zwar kann ich hier keine aktuellen oder letztjährigen Autos fahren, aber ich möchte eben so viel wie möglich fahren, und da ist das schon mal eine gute Option", teilte Schumacher vor Fahrtantritt auf seiner Internet-Seite mit.

Rekordweltmeister Schumacher in Mugello: "So viel wie möglich fahren"
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Rekordweltmeister Schumacher in Mugello: "So viel wie möglich fahren"

Der Wagen, den er am Freitag pilotierte, stammt von F1 Clienti, eine Ferrari-Abteilung, die sich um die Pflege ehemaliger Rennwagen kümmert. "Das Testverbot in der Formel 1 ist ja bekannt, daher habe ich die Jungs von F1 Clienti kontaktiert, ob die mir ein Auto geben können", sagte Schumacher, der in fast zwei Stunden rund 35 Runden absolvierte. Die Strecke soll währenddessen vollkommen abgeschirmt gewesen sein.

Den aktuellen F60 darf Schumacher aufgrund der Regularien nicht testen, denkbar wäre höchstens eine Fahrt während eines PR-Termins. Für den Rekordweltmeister geht es darum, sich wieder an die Fliehkräfte und die körperlichen Beanspruchungen zu gewöhnen. "Er wird versuchen, so häufig wie möglich zu fahren, um die Belastungen in einem Formel-1-Wagen wieder zu erfahren", sagte Schumachers Sprecherin Sabine Kehm.

Ferrari-Sportdirektor Massimo Rivola hat unterdessen die Formel-1-Konkurrenten in einem Brief um eine Sondererlaubnis für Schumacher gebeten. Nach Angaben von "Motorsport-total" bat Rivola die anderen Teams um eine Erlaubnis für einen Testtag Schumachers im F60. Sollten die Konkurrenten geschlossen zustimmen, könnte Schumacher sein künftiges Arbeitsgerät doch vor dem ersten freiten Training beim Grand Prix in Valencia kennenlernen. In seinem Schreiben unterstreicht Rivola, dass Schumacher mit der Ausnahme einiger Testfahrten im Jahr 2007 seit 2006 keinen Automobilrennsport mehr betrieben habe.

"Um die Möglichkeit eines Comebacks angemessen evaluieren zu können, erbitten wir die Zustimmung aller Teilnehmer der Weltmeisterschaft 2009 und auch der Fia für einen offiziellen Testtag", schrieb er.

Die Teamvereinigung Fota deutete bereits ihre Zustimmung an. "Ich glaube, alle Fota-Teams haben diese Bitte akzeptiert", wird Fota-Vizepräsident John Howett von SpeedTV.com zitiert: "Die Situation ist sehr unglücklich für Felipe Massa und dies ist eine sportliche Geste, die Ferrari sicherlich zu schätzen weiß." In der Fota sind noch sieben der neun Konkurrenten organisiert, zudem müssen die ausgeschlossenen Teams Williams und Force India zustimmen.

Für den spanischen Toro-Rosso-Piloten Jaime Alguersuari (19), der vergangenen Sonntag in Budapest als jüngster Fahrer der Geschichte sein Debüt gegeben hatte, hatte es keine Sondererlaubnis gegeben.

Bereits am Donnerstag hatte Schumacher am statischen Simulator die Funktionalität des Lenkrads gecheckt. Auch sein Sitz im F60 von Felipe Massa soll angepasst worden sein. "Natürlich habe ich auch gleich noch mal die Gelegenheit genutzt und mich mit den Ingenieuren zum weiteren Vorgehen beraten", so Schumacher.

Kimi Räikkönen, Nachfolger Schumachers nach dessen Rücktritt 2006, sieht dem Duell mit dem siebenmaligen Titelträger derweil gewohnt gelassen entgegen. "Mir ist egal, wer den zweiten Ferrari fährt. Ob ich Michael oder einen anderen neben mir habe, kommt aufs selbe raus. Aber es wird nett sein, ihn als Teamkollegen zu haben."

Massa soll unterdessen nun definitiv am Montag das Krankenhaus in Budapest verlassen und in seine brasilianische Heimat zurückkehren. "Wir haben entschieden, dass er am Montag nach Hause kommen wird", sagte sein Privatarzt Dino Altman: "Er wird in einem Privatjet transportiert werden, wahrscheinlich nach São Paulo. In Brasilien wird er dann seine Reha fortsetzen und so bald wie möglich in den Rennsport zurückkehren."

Der Brasilianer war am vergangenen Samstag im Qualifying zum Großen Preis von Ungarn bei Tempo 240 von einer 800 Gramm schweren Stahlfeder am Helm getroffen worden, hatte kurzzeitig das Bewusstsein verloren und war geradeaus in einen Reifenstapel gerast. Massa musste am Kopf operiert werden und wurde zwischenzeitlich in ein künstliches Koma versetzt.

fsc/dpa/sid



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