Formel 1 Schumachers Ausrutscher hilft Barrichello

Wegen eines Ausrutschers im strömenden Regen verpatzte Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher beim Einzelzeitfahren zum Großen Preis von Kanada den ersten Platz. Ferrari liegt trotzdem vorne.


Beim Einzelfahren diesmal nur Ferrari-Vize: Michael Schumacher
DDP

Beim Einzelfahren diesmal nur Ferrari-Vize: Michael Schumacher



Montreal - Durch seinen Patzer schaffte der "Regen-König" den Kurs nur in 1:31,969, sein brasilianischer Teamgefährte Rubens Barrichello war auf dem glitschigen Circuit Gilles Villeneuve in Montreal als Bester 1,044 Sekunden schneller.

Sauber-Pilot Nick Heidfeld überzeugte bei am Ende nachlassendem Regen als Dritter in 1:32,778 Minuten. Sein Teamkollege Heinz-Harald Frentzen (beide Mönchengladbach) kam hinter WM-Spitzenreiter Kimi Räikkönen (Finnland) im McLaren-Mercedes auf Rang 7. Der Schotte David Coulthard belegte im zweiten Silberpfeil den achten Platz. Pech hatte Ralf Schumacher: Der Williams-BMW-Pilot aus Kerpen hatte die schlechtesten Bedingungen und wurde mit 7,285 Sekunden Rückstand 15.

Vor dem 8. Saisonlauf am Sonntag (Start: 19.00 Uhr MESZ/live in RTL und Premiere) führt Räikkönen (48 Punkte) die WM-Wertung mit vier Zählern Vorsprung vor Titelverteidiger Schumacher (44) an. Der Rheinländer gewann schon fünf Mal in Montreal.

Schumacher: "Bin fit und hungrig"

Vor der Presse kündigte Schumacher an, er fühle sich fit und hungrig, "noch mehrere Jahre in der Formel 1 zu bleiben". Er könne es "nur gebetsmühlenhaft wiederholen", dass seine Liebe zum Sport den Ausschlag für die Fortsetzung der einmaligen Karriere gegeben habe.

Er verstehe ja diese ständigen Fragen, ob er nicht aufhören wolle, zeigte der 34-jährige Verständnis. "Aber die Leute können nicht in mich reinsehen. Sie wissen nicht, was ich fühle. Keiner weiß, was ich für das Team empfinde."

Für Schumacher gab es auch keinerlei Gründe, seine erneute Vertragsverlängerung mit Ferrari um zwei Jahre nicht länger geheim zu halten. Die Verlängerung habe seit längerem angestanden. "Wir wollten es hinter uns bringen und haben Nägel mit Köpfen gemacht", sagte er. Spekulationen über seine Zukunft hätten für ihn weniger eine Rolle gespielt. Dagegen hatte Teamchef Jean Todt kurz zuvor erklärt: "Ferrari wollte die Spekulationen beenden, dass Michael aufhört."

Jetzt will der deutsche Dauerbrenner die zehn Jahre bei den Roten voll machen. "Es gibt keine Ausstiegsklausel", versicherte er. Und was nach 2006 sei, werde sich zeigen. Todt stellte jedoch klar, dass die Scuderia Schumacher nicht gegen dessen Willen zum Weiterfahren drängen würde, sollte dieser sich früher aufs sportliche Altenteil zurückziehen wollen. "Es wäre lächerlich, Michael mit Polizeigewalt oder mit Hilfe eines Anwalts zu zwingen."

Gelassen reagierten die Konkurrenten darauf, noch mindestens dreieinhalb Jahre gegen den Seriensieger antreten zu müssen. "Das war keine Überraschung, sondern logisch. Ich habe das erwartet", sagte sein Bruder Ralf, der schon etwas früher Bescheid wusste. WM- Spitzenreiter Kimi Räikkönen meinte nur: "Das ändert nicht viel." Und sein alter Rivale Jacques Villeneuve sagte: "Warum sollte Michael aufhören, wenn er ständig gewinnt und viel Geld verdient."

Zweifel von Eddie Jordan

Teamchef Eddie Jordan äußerte unterdessen Zweifel, dass Michael Schumacher trotz seiner jüngsten Vertragsverlängerung mit Ferrari bis 2006 weiterfährt. "Ich wäre sehr überrascht, wenn er länger als bis 2004 fahren würde", sagte der Ire in Montreal vor dem Großen Preis von Kanada: "Ich kann nicht sehen, wie es in Michaels Interesse liegen soll, bis 2006 zu bleiben." Schumacher hatte im August 1991 seine Formel-1-Karriere beim Jordan-Team in Spa-Francorchamps begonnen, war aber nach dem belgischen Grand Prix zu Benetton gewechselt.

Eddie Jordan meinte, die am Pfingstmontag bekannt gegebene Einigung mit Schumacher sei vielleicht aus PR-Gründen richtig, er würde aber gern sehen, welche Ausstiegsklauseln in dem Vertrag stünden. Der fünfmalige Weltmeister aus Kerpen hatte in Kanada die Existenz derartiger Paragrafen bestritten.



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