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Vettels WM-Triumph Erst der Schwips, dann die Party

Viermal in Folge Formel-1-Weltmeister: Grund genug für Sebastian Vettel, sich kurz nach dem Rennen mit Champagner einen kleinen Schwips anzutrinken. Der Red-Bull-Pilot feierte mit seinem Team ausgelassen, die Konkurrenz gratulierte höflich - und versprach bessere Leistungen in der kommenden Saison.

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko hatte es eilig. Sebastian Vettel war gerade beim Großen Preis von Indien durchs Ziel gefahren und hatte sich seinen vierten WM-Titel in Folge gesichert, da lief Marko los. Zehn Minuten Zeit hatte er bis zur Siegerehrung, um zwei Dinge zu erledigen: am Handy die Glückwunsche von Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz aus Salzburg in Empfang zu nehmen. Und sich umzuziehen.

Die Kartons mit den Sieger-T-Shirts hatte Red Bull schon vor zwei Wochen beim Rennen in Japan dabeigehabt. Dort blieben die Kisten aber noch ungeöffnet, weil die Titelfeier verschoben werden musste. Jetzt wurden die T-Shirts gebraucht.

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Formel 1: Vettel feiert, Alonso trauert

Foto: Paul Gilham/ Getty Images

Als Vettel auf das Podium stieg, um sich für seinen sechsten Rennsieg in Folge und seinen vierten WM-Titel hintereinander feiern zu lassen, stand der Entdecker und Förderer von Vettel ganz vorne in der ersten Reihe. Eine Vettel-Mütze hatte Marko schief auf dem Kopf, ein Vettel-T-Shirt ungeordnet übergezogen. Als die Blicke der beiden sich trafen, zeigte Marko spontan auf sein T-Shirt. Vettel antwortete ebenfalls mit einer Geste: Er zeigte mit dem Finger auf Marko und reckte den Daumen nach oben.

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Von Australien bis Indien: Vettels Weg zum vierten Titel

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Dass ein sonst sehr analytischer Kopfmensch wie Marko, der sogar beim Mittagessen an der Rennstrecke eine Serviette trägt, um keine Spritzer auf sein blütenweißes Teamhemd zu bekommen, diesmal keinen Wert auf den Sitz seiner Kleider legte, zeigt: Das als so technokratisch angesehene Team von Red Bull kann auch feiern, wenn es sein darf. Marko gab später Interviews mit einem Champagnerglas in der Hand und orderte spezielle Getränke, die es später im Teamhotel geben sollte. Red Bull mit viel Jägermeister - Vettels Wunschmischung für solche Anlässe.

Red Bull plante die Party und dann den Aufbruch. Vettel fliegt nach Zürich, landet dort gegen sechs Uhr am Morgen, um mit seiner Lebensgefährtin Hanna ein Champagnerfrühstück auf dem heimischen Bauernhof abzuhalten. Teamchef Christian Horner wird nach Salzburg fliegen und dort am Montagabend wieder auf Vettel treffen: In einer Talkshow auf dem Salzburger Flughafen beim Sender "Servus TV", der auch zum Firmenimperium von Dietrich Mateschitz gehört. Marko flog nach Graz, der Rest des Teams direkt nach Abu Dhabi, wo schon am kommenden Sonntag das nächste Rennen (14 Uhr, TV: RTL und Sky, Liveticker SPIEGEL ONLINE) stattfinden wird.

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Vom Kart bis zur Formel 1: Vettels Traumkarriere in Bildern

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Das gemeinsame Teamfoto mit dem schon nicht mehr ganz nüchternen Vettel, Marko und Horner hat das Team schon hinter sich. Es fand unter Geschrei, Gegröle und Gejubel hinter der Red-Bull-Box statt. Vettel hatte da schon einen Interviewmarathon absolviert, bei dem er immer mehr die Sprache verlor. Die Champagnerflasche hatte er schon zur offiziellen Pressekonferenz mitgenommen und leerte sie dort genüsslich. Er hörte kaum mehr auf zu reden und gab später dann auch zu: "Ich bin ein bisschen beschwipst."

Das gefiel speziell Teamchef Horner: "Es ist diese Leidenschaft und das Feuer, das in ihm brennt, was ihn so stark macht. Das Beste daran: Eigentlich hat er sich seit seiner Zeit im Kart nicht verändert. Natürlich hat er Erfahrung dazugewonnen. Aber er ist immer noch derselbe lustige und bodenständige Junge wie damals."

Bei den Konkurrenten hielt sich der Jubel naturgemäß in Grenzen. Alle gratulierten brav, aber nach Feiern war keinem so richtig zu Mute. Mercedes-F1-Chef Niki Lauda zog seine Mütze und wollte gar nicht mehr viel über den vierfachen Weltmeister und sein Team sagen: "Vettel, Vettel, Vettel!" Das war der ironische Beitrag der Formel-1-Legende. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali immerhin wollte persönlich gratulieren.

Sein Pilot Fernando Alonso, mit 115 Punkten Rückstand auf Vettel Zweiter des Klassements und damit Bester vom Rest, gratulierte über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Glückwunsch für Sebastian für den WM-Titel." Und dann schickte der Spanier noch eine Drohung hinterher: "Nächstes Jahr werden wir besser werden."

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