Vettels Auftaktsieg in Melbourne Gina ganz wild!

Wenig Rennaction trotz Top-Speed, dafür ein taktischer Triumph: Der Formel-1-Start mit einem Sieg von Sebastian Vettel erinnerte an Schach. Lagen die Strategen der Rennserie mit ihren Veränderungen daneben?
Sebastian Vettel nach seinem Sieg in Australien

Sebastian Vettel nach seinem Sieg in Australien

Foto: Mark Thompson/ Getty Images

Ausgangslage: Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg hat seine Karriere beendet, Bernie Ecclestone ist nicht mehr der mächtige Mann der Rennserie, und die Dominanz der Silberpfeilpiloten ist vorbei? Nach den ersten Testfahren gab es bei Ferrari Hoffnung, dem Weltmeister-Team wieder ein Stück nähergekommen zu sein. Auch Red Bull experimentierte. Mit der Poleposition von Lewis Hamilton in Australien schien Mercedes gute Chancen auf einen Sieg zu haben.

Ausgangslage II: Breiter, schneller, wieder mehr Racing? Die Regelhüter der Rennserie haben - mal wieder - für Veränderungen gesorgt. Dieses Jahr sollen breitere und längere Wagen für mehr Speed auf der Strecke sorgen. Auch die Größe der Reifen nahm zu. Die Fahrer schwärmen, und die Fans? Überholmanöver sollen schwieriger geworden sein, und vor allem die machen den Rennsport doch aus.

Ergebnis: Von wegen Mercedes-Dominanz: Sebastian Vettel siegte mit "Gina" (so hat er sein Auto vor der Saison getauft) souverän vor Hamilton. Dritter wurde Rosberg-Nachfolger Valtteri Bottas. Hier geht's zur Meldung.

Startphase: Lokalmatador Daniel Ricciardo setzte das enttäuschende Wochenende der hochambitionierten Red Bulls mit Getriebeproblemen fort und ging aus der Box als Letzter ins Rennen. An der Spitze kam es zum Duell zwischen Hamilton und Vettel, der Engländer setzte sich problemlos durch, auch wenn das Anfahren durch Regelveränderungen noch schwieriger geworden sein soll (die Piloten müssen jetzt komplett ohne Hilfe den Schleifpunkt der Kupplung finden) und der Vizeweltmeister in der Vorsaison immer mal wieder beim Start patzte.

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Formel 1: Vettel feiert in Down Under

Foto: WILLIAM WEST/ AFP

Hallo-wach: 24 zähe Runden und eine Stunde weniger Schlaf (mehr zur Zeitumstellung lesen Sie hier) mussten viele Fans überstehen - dann wurde es spektakulär. Vettel pokerte, blieb sechs Runden länger als Hamilton auf der Strecke und wurde belohnt. Nach seinem Boxenstopp kam er knapp vor dem 32-Jährigen zurück auf den Parcours. Perfektes Timing bei Ferrari. Mercedes-Chef Toto Wolff ärgerte sich:

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Ausfall des Rennens: Ricciardo in Runde 30, was für ein gebrauchtes Heimrennen. Max Verstappen holte als Fünfter immerhin ein paar Punkte für das RB-Team.

Ausfall des Rennens II: Schnellere Autos? Die gibt es jetzt. Die schnellste Rundenzeit betrug 1:26.538 (Kimi Räikkönen), im Vorjahr lag die Bestzeit bei 1:28.997. Knapp zwei Sekunden, kann das bloße Auge des Zuschauers das und die neuen Top-Geschwindigkeiten überhaupt erkennen? Das ist fraglich und damit auch die erneuten Eingriffe der Formel-1-Strategen. Rennaction gab es nämlich kaum, Überholmanöver waren - wie bereits befürchtet - Mangelware.

Hoffnung und Gefahr: Bereits im vergangenen Jahr wurden einige Rennen nicht auf der Strecke, sondern durch Boxenstopp-Strategien entschieden. Das ist spannend und erwies sich in Melbourne als das Highlight: Vettel profitierte und jubelte. Es war auch ein Glücksfall für alle Zuschauer.

Denn es gibt auch Befürchtungen, dass virtuelles Überholen in der Box weniger werden könnte. Die Reifen wurden weiterentwickelt, nutzen nicht mehr so stark ab und meist sollten alle Teams mit einer Ein-Stopp-Strategie auskommen. Fallen taktischer Poker und Überholmanöver auf der Strecke aus, dann droht der Formel 1 ein echtes Problem: nämlich Langeweile pur.

Frage des Rennens: Was hat Rosberg gemacht?

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Erkenntnis des Rennens: Vettel - in der vergangenen Saison oft als Motzki der Formel 1 verschrien - kann nach 553 Tagen ohne Grand-Prix-Erfolg doch noch jubeln. Nach dem Rennen freute sich der mittlerweile 29-Jährige überschwänglich, so als wäre es sein erster Karrieresieg gewesen. Es war sein 43. Ob der Deutsche jetzt zu einer Serie startet? Die Chemie mit seiner "Roten Göttin" Gina scheint zu stimmen. Es hängt aber auch stark davon ab, wie Mercedes auf den verpassten Sieg reagiert. Und ob sich in Zukunft der taktische Poker erneut bewährt.

Formel-1-Saison 2017