Ferrari in der Formel 1 Vettel und die Konstrukteure

Ferrari wollte in dieser Saison endlich angreifen. Doch der letzte Sieg von Sebastian Vettel liegt fast ein Jahr zurück. Angeblich wollte die Scuderia sogar einen Startechniker von Mercedes abwerben.

Sebastian Vettel
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Sebastian Vettel


Können Sie sich noch erinnern? Es gab eine Zeit, da war Sebastian Vettel das Nonplusultra der Formel 1. Vier WM-Titel in Folge holte der Deutsche, Konkurrenten waren kaum in Sicht. Doch diese Zeiten sind lange vorbei, 2013 hat Vettel seine letzte Weltmeisterschaft gewonnen, seit seinem Wechsel zu Ferrari 2015 kämpft er darum, dass sein neuer Rennstall konkurrenzfähig wird. Bislang vergebens.

Klar, beim Heim-Grand-Prix in Monza vor zwei Wochen hatten die Ferrari-Fans ihm frenetisch zugejubelt, immerhin stand er ja als Dritter auf dem Podium. Davor hatte der Deutsche Mitte Juni in Baku auf dem Podest gestanden. Und doch: Ein Kampf um die WM-Krone sieht anders aus. Nach 14 Rennen gab es noch keinen Sieg. Seinen letzten holte er im vergangenen September in Singapur - das ist nun fast ein Jahr her.

Dabei war das Ziel vor der Saison klar: Man wollte einen Schritt in Richtung Mercedes machen, vielleicht sogar den entscheidenden auf dieselbe Stufe. Stattdessen steht Ferrari gerade noch so auf einer Stufe mit Red Bull - Vettels ehemaliges Team ist in der Konstrukteurswertung vorbeigezogen.

Wie in Österreich leistet sich Ferrari zu viele Ausfälle
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Wie in Österreich leistet sich Ferrari zu viele Ausfälle

Dazu hatte Ferrari in dieser Saison bereits fünf Ausfälle zu verzeichnen. Zum Vergleich: In der kompletten Vorsaison waren es sechs. Und noch ein Vergleich: Mercedes ist in dieser Saison nur zweimal ausgeschieden - in Spanien, als sich Lewis Hamilton und Nico Rosberg gegenseitig von der Strecke schossen. Red Bull kommt gerade mal auf einen Ausfall.

Doch der Mann, der für das Auto verantwortlich ist, der es am besten kennt, ist nicht mehr da. James Allison hat die Scuderia als technischer Direktor verlassen. Seine Frau war Anfang des Jahres gestorben, es wurde spekuliert, dass er einen weniger reiseintensiven Job in der Heimat anstrebe, damit er sich besser um seine drei Kinder kümmern kann.

Antrieb, Aerodynamik, Technik - alle Kompetenzen sind gefragt

Allison war vor allem für Vettel ein Hoffnungsträger. Dass er 2015 in seiner ersten Saison bei Ferrari gleich drei Siege hatte einfahren können, war in erster Linie der Verdienst Allisons. Mit ihm ist nun derjenige gegangen, der den technischen Aufschwung eingeleitet hat, der den Neustart dirigieren sollte und der neben Vettel als einer der wenigen für eine positive Zukunft stand. Vor allem aber ist ein guter Konstrukteur gegangen. Allison brachte alle notwendigen Kompetenzen mit: Antrieb, Aerodynamik, Technik.

Sein Nachfolger, Mattia Binotto, ist ein Spezialist, wenn es um Motoren geht. Seine Weiterentwicklungen im Sommer sind sicher der Grund dafür, warum Ferrari so stark aus der Pause gekommen ist. Mit guter Leistung beim Großen Preis von Belgien und gipfelnd in Platz drei in Monza. Doch mit dem letzten Update ist das Ferrari-Budget erschöpft - und in der nächsten Saison werden wohl andere Qualifikationen gefragt sein.

Ferrari-Fans in Monza
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Ferrari-Fans in Monza

Denn im kommenden Jahr werden Regeländerungen die Aerodynamik der Autos auf den Kopf stellen. Alle Teams starten bei null, da braucht es jemanden, der sich auf diesem Gebiet auskennt. Binottis Expertise im Hinblick auf den Antrieb ist nicht unbedingt das, was Ferrari dann benötigt.

Auch deshalb halten sich in Italien hartnäckig die Gerüchte, Binotti sei nur eine Übergangslösung. Ferrari träumt von einer erstklassigen Personalie. In italienischen Medien wurde über den Versuch spekuliert, einen der wichtigsten Mercedes-Mitarbeiter abzuwerben: Paddy Lowe, derzeit Technischer Direktor bei den Silberpfeilen und angeblich für 2017 noch vertragslos.

Lowe aber erstickte diese Spekulationen: "Ich spreche nicht mit Ferrari und sie sprechen auch nicht mit mir. Ich bin glücklich, wo ich bin", sagte er der Zeitschrift "Autobild".

So sieht es auch im Vorfeld des kommenden Rennens in Singapur am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL und Sky) nicht nach einer baldigen Wende für Ferrari aus. Vettel-Dominanz? Die bleibt wohl vorerst etwas für die nostalgische Erinnerung.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Polepositions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Polepositions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)
insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
akkzent 16.09.2016
1. Die besten Techniker und die besten Mechaniker
sind die eigentlichen Helden der Formel 1. Ganz unerheblich ist der Faktor Geld natürlich auch nicht. Welcher Mickeymouse dann im schnellsten Boliden sitzt, ist dann nicht mehr so entscheidend. Vettel, beileibe kein schlechter Fahrer, konnte seine 4 Titel unter Ausschluss der Konkurrenz und mit dem mit Abstand besten Auto einfahren. Seither heult der nur noch rum und alle Anderen sind Schuld. Alonso, menschlich gesehen nicht mein Favorit, kämpft akribisch und tapfer mit einem immer besser werdenden McLaren-Honda - Respekt!
hpptrading 16.09.2016
2. idiotie:
diese rennen haben hauptsaechlich mit der mechanischen qualitaet der wagen zu tun, und da hat der vettel halt die falsche marke gewaehlt.
akkzent 16.09.2016
3. Die besten Techniker und die besten Mechaniker
sind die eigentlichen Helden der Formel 1. Geld ist sicherlich auch ein wichtiger Faktor. Welcher Mickeymouse dann im Rennwagen sitzt ist nicht mehr so entscheidend. Vettel, beileibe kein schlechter Fahrer, konnte seine 4 Titel mit dem mit Abstand besten Auto und praktisch unter Ausschluss der Konkurrenz einfahren. Seither heult der nur noch rum und alle Anderen sind Schuld. Alonso, menschlich gesehen nicht mein Favorit, kämpft akribisch und tapfer mit einem immer besser werdenden McLaren-Hond - Respekt!
Nonvaio01 16.09.2016
4. so schlimm ist es nicht
auch ein Schumacher hat 2 jahre gebraucht bis er mit Ferrari erfolg hatte. Und im naechsten jahr ist es eben anders. Ich tippe auf Honda, der grund ist schlicht und ergreifend der das Honda die letzten 2 jahre nutzten konnte um sich auf 2017 vorbereiten zu koennen, waehrend die Top 3 um die WM gekaempft haben. Was Honda und Mc Laren die letzte und diese saison gemacht haben kann getrost alles als test fahrten abhackt werden.
motto50 16.09.2016
5. Vettel
der im Kreisfahrer wirbt für eine kriminelle Bank und wundert sich das er nicht gewinnt.Man kann ihn auch nicht per Mail erreichen ,aber schön in der Schweiz verstecken,deutsche Steuern sind ja so hoch.
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