Verstappens Sieg in Österreich Das lange Warten nach dem Spektakel

Die Formel-1-Saison war bislang eine Soloshow von Lewis Hamilton. In Österreich entschädigte Max Verstappen die Fans mit einer sensationellen Aufholjagd. Erst drei Stunden nach Ende stand fest: Sie wird belohnt.

Max Verstappen feiert seinen ersten Saisonsieg
Georg Hochmuth / AFP

Max Verstappen feiert seinen ersten Saisonsieg

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Die Szene des Rennens: 68 Runden lang hielt Charles Leclerc seinen ersten Platz fast unbedrängt. Bis Max Verstappen heranrauschte. Zwei Runden lang rang der Red-Bull-Pilot mit dem Führenden um seinen Platz, musste sich immer wieder vom Ferrari abblocken lassen. In Runde 69 reichte es Verstappen, auf der Innenposition fuhr er die Kurve drei weit aus, drängte Leclerc kurzzeitig von der Strecke und zog vorbei. In dieser Konstellation kamen beide Fahrer auch ins Ziel. Während der Niederländer jubelte, prüfte die Rennleitung die Situation.

Die Reaktionen der Beteiligten: Verstappen selbst sagte zu seinem Manöver nur knapp: "Wir fahren Rennen." Sein Konkurrent Leclerc schrie während des Rennens noch "Was zur Hölle soll das?" in sein Mikrofon, nach dem Rennen schwieg er.

Das Ergebnis: Die Rennleitung hatte nichts zu beanstanden. Aber die Überprüfung der Szene dauerte drei Stunden und überstieg damit die Dauer des gesamten Rennens. Da soll noch mal ein Fußballfan über die langen Wartezeiten beim Videobeweis schimpfen. Die Erklärung des Weltverbandes Fia lautete so:

Es ist der erste Saisonsieg für Verstappen und Red Bull. Leclerc musste sich mit Platz zwei arrangieren. Valtteri Bottas komplettierte das Podium, Sebastian Vettel schob sich noch spät im Rennen an Lewis Hamilton vorbei und damit auf Platz vier.

Aufholjagd: Für Verstappen war der Sieg ein Kraftakt. Der Start ging komplett schief, er fiel von Platz zwei auf Platz sieben zurück. Eine zu aggressiv eingestellte Kupplung, wie der 21-Jährige nach dem Rennen erklärte. Der Rest des Rennens war für Verstappen eine Aneinanderreihung von zähen Duellen mit den Top-Fahrern. Zwischendrin meldete er zudem per Funk, sein Wagen verliere Power. Seine Rundenzeiten widerlegten das. Niemand konnte den jungen Niederländer an diesem Tag stoppen.

Junge Champions: Das Rennen begann nicht nur mit der jüngsten ersten Startreihe in der Geschichte der Formel 1, es ging auch mit dem jüngsten Siegerduo zu Ende. Auch Leclerc ist erst 21.

Enttäuschung: Sebastian Vettel zeigte in Spielberg ein starkes Rennen, hätte am Ende sogar beinahe noch Bottas eingeholt. Womöglich wäre auch mehr drin gewesen. Doch erst hinderte ihn im Qualifying ein Motorproblem daran, sich eine gute Startposition herauszufahren - dann patzte während des Rennens seine Crew.

Boxenpanne: In der 22. Runde reagierte Ferrari auf den Stopp von Mercedes-Fahrer Bottas und holte Vettel ebenfalls in die Box. Der für den linken Vorderreifen zuständige Mechaniker schien von der Entscheidung überrumpelt, hatte den Ersatzreifen nicht parat und so dauerte der Stopp 6,1 Sekunden. Bottas war nach 3,5 Sekunden zurück im Rennen. Immerhin zeigte der Schock bei den Italienern Wirkung: Beim Stopp von Charles Leclerc kurz darauf brauchte das Team nur noch 2,6 Sekunden.

Und der Weltmeister? Lewis Hamilton musste zwischenzeitlich sogar elf Sekunden in der Box warten, weil bei ihm der komplette Frontflügel ausgetauscht werden musste. So war er zu keinem Zeitpunkt dem Sieg auch nur nahe. Erfrischend für alle Fans, die es nicht mit Mercedes halten. Doch Hamilton nahm es nach dem Rennen nicht allzu schwer. Auch er kennt seinen Vorsprung in der Gesamtwertung:

  • Hamilton - 197 Punkte
  • Bottas - 166 Punkte
  • Verstappen - 126 Punkte
  • Vettel - 123 Punkte
  • Leclerc - 105 Punkte

Tragische Figur: War an diesem Wochenende der Däne Kevin Magnussen. Nach einem überraschend starken Qualifying wurde er wegen eines vorzeitigen Getriebewechsel auf Platz zehn strafversetzt. Es muss ihn sehr mitgenommen haben, denn vor dem Start stand sein Wagen leicht außerhalb der für ihn vorgesehenen Position, die Rennleitung belegte den Haas-Piloten mit einer Durchfahrtsstrafe. Nach seiner Extrarunde durch die Boxengasse fuhr Magnussen zum ersten Stopp - und dem Feld in der Folge nur noch hinterher. Am Ende wurde er Vorletzter.

Max Verstappen passiert seine Fans
Andrej Isakovic / AFP

Max Verstappen passiert seine Fans

Showtime: Das Wochenende begann für Verstappen schlecht: mit einem Trainingsunfall. Das Selbstvertrauen war nach seinem Vorjahressieg beim Red-Bull-Heimrennen in Österreich trotzdem ungebrochen. Die Organisatoren fuhren den großen Bahnhof auf: Fans zeigten auf der Tribüne mit Pappen eine riesige Österreich-Flagge, roter Rauch stieg auf, nach einer Flugshow trug ein Helikopter eine Niki-Lauda-Flagge über die Strecke - und dazu spielte die Band Opus ("na na na na na") die österreichische Hymne. Die zahlreichen niederländischen Fans stiegen voll mit ein, bei jedem Überholmanöver von Verstappen wurde es laut auf der gesamten Strecke. Mag die bisherige Formel-1-Saison öde gewesen sein - an dieses Rennen wird man sich erinnern.

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AK_1 30.06.2019
1. Führungs- und Einstellungswechsel
Ferrari ist in der Führungsetage ganz schwach besetzt. Neben Mercedes und Redbull sehen die Leader des Ferrariteams wie Clowns aus. Strategie schwach, Team katastrophal und kein Einfluss bei der Rennkommission. Die werden nach Belieben bestraft, wobei andere bei ähnlichen Vergehen ohne Strafen davonkommen. Ich bin mir 100% sicher, ein Vettel hätte hier eine Strafe erhalten. Am besten die komplette Führungsetage austauschen und zwar gehören da Briten und Franzosen hin.
stollenreiter 30.06.2019
2. Pax Mercedes?
Komisch, dass Mercedes ausgerechnet bei dem so wirksamen Alpen GP im Zentrum der geballten RedBull Macht nicht so stark ist. Wo sie doch vor einer Woche noch im Schongang eine schnellste Runde nach der anderen fahren konnten auf abgefahrenen harten Reifen und die Konkurrenz auf ganz frischen weichen Qualifikationsreifen nur um zwei Tausendstel den Mercedes schlagen konnte. Was Verstappen betrifft, er hätte eine fünf Sekunden Strafe bekommen müssen, nur das hat sich kein Stewart mehr getraut nach dem riesen Fehler um Vettels völlig unsinnige Strafe.
bonebene 30.06.2019
3. Lächerlich
Mehr kann man dazu nicht mehr sagen. Man hat in den Wiederholungen deutlich gesehen, dass sich Verstappen absichtlich weit nach außen tragen hat lassen und eine Kollision mit dem Ferrari in Kauf genommen. Wäre es statt Verstappen ein Ferrari gewesen der Hamilton so abgedrängt hätte, dann hätte es noch vor der Siegerehrung eine Strafe gegeben. Die Formel 1 macht sich so nur noch lächerlich und haben mich nach 25 Jahren endgültig als Fan verloren.
jack14 30.06.2019
4. unfair
Nach dem schlechten Start ein tolles Rennen vom Holländer. Aber wenn solche Überholmanöver jetzt Standard werden... Bist nicht vorn, also maximal auf gleicher Höhe, und dann gibst du dem außen Fahrenden einen kleinen Schubs, und schwup bist du vorbei. Und das Ganze vielleicht noch in der Tamborello...
-su- 30.06.2019
5.
Ferrari wurde da betrogen. Für die Aktion, als er sein Auto gegen das von LeClerq gelenkt hat, hätte Verstappen eine Strafe bekommen müssen. So bleibt ein fahler Nachgeschmack. Gerade vor dem Hintergrund der Strafe gegen Vettel.
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