Pleite beim Heim-Grand-Prix Starkes Auto als schwacher Trost für Vettel

Wieder kein Sieg in Hockenheim, WM-Führung verloren: Der Große Preis von Deutschland lief für Sebastian Vettel enttäuschend. Hoffnung für die nächsten Rennen gibt ihm jedoch sein neuer Ferrari.
Sebastian Vettel

Sebastian Vettel

Foto: Getty Images

Es sollte sein Wochenende werden, beim vielleicht letzten Grand Prix in Hockenheim, möglicherweise dem letzten überhaupt in Deutschland für absehbare Zeit. Und alles schien angerichtet für den ersten Heimsieg von Sebastian Vettel: Im ausverkauften Motodrom vor 70.000 Zuschauern herrschte eine Stimmung wie seit den größten Schumacher-Zeiten nicht mehr.

Am Samstag noch hatte Vettel seine Pole Position emotional gefeiert und von einem der schönsten Tage in seiner Karriere gesprochen. Und bis zur 52. Runde schien er auch auf dem besten Weg, sich endlich diesen Traum zu verwirklichen: keine 30 Kilometer von seinem Heimatort Heppenheim entfernt einmal ganz oben auf dem Podium stehen zu dürfen. Doch dann folgte bei den Vettel-Fans auf den Tribünen ein Aufschrei des Entsetzens.

In der Sachskurve war Vettel bei einsetzendem Regen auf der immer nasser werdenden Fahrbahn von der Strecke gerutscht und in die Bande eingeschlagen. Fast verzweifelt trommelte er auf sein Lenkrad ein, nach einigen Flüchen entschuldigte er sich bei seinem Team: "Sorry, Jungs!"

Aus für Sebastian Vettel

Aus für Sebastian Vettel

Foto: Motorsportpics.De/ dpa

Vor den Fernsehkameras versuchte er, die Fassung zu bewahren. Es sei gar kein so großer Fehler gewesen, aber eben "einer mit riesigen Konsequenzen", wie er sagte. "Es war mein Fehler, deswegen habe ich mich beim Team entschuldigt. Ich hatte es in der Hand - dann ein kleiner Fehler und eine riesige Enttäuschung." Er habe einen winzigen Tick zu spät gebremst, die Hinterräder hätten blockiert. Sogar die Bemerkung, er werde deshalb jetzt keine schlaflose Nacht haben, rang er sich ab - doch wer Vettel kennt, wird ihm das nicht so ganz abnehmen.

"Habe schon schlimmere Fahrfehler gemacht"

Denn der 31-Jährige ärgerte sich maßlos über seinen Schnitzer in einer Situation, in der es schien, als müsse er den Sieg nur noch abholen. "Wir schienen alles unter Kontrolle zu haben - und dass es dann auch noch hier passiert ist, ist natürlich besonders bitter", sagte er nach dem Rennen. "Trotzdem - ich habe schon schlimmere Fahrfehler gemacht als diesen."

Sebastian Vettel niedergeschlagen

Sebastian Vettel niedergeschlagen

Foto: Motorsportpics.De/ dpa

Sein wichtigster Trost - und auch der für Ferrari in dieser bewegten Saison: Man hatte in Hockenheim das schnellste Auto, hat vor allem im Bereich Motorleistung einen extremen Sprung nach vorn gemacht, der bei der Konkurrenz schon für Stirnrunzeln sorgte, weil man ihn sich nicht so recht erklären kann.

Nach dem Qualifying schätzte Mercedes-Sportchef Toto Wolff Ferraris Vorteil in den Vollgas-Passagen auf vier oder fünf Zehntel: "Seit einigen Rennen stellen wir fest, dass wir genau dort verlieren. Und nie war es so deutlich wie hier in Hockenheim. Wir sehen in allen Kurven gut aus, können auf den Geraden Ferrari im Moment nichts entgegensetzen."

"Zuversichtlich für Ungarn"

Wobei Wolff davor warnte, im ersten Reflex zu denken, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugehe. "Wir müssen uns bei der eigenen Nase packen und herausfinden, wie wir vom Verbrennungsmotor mehr Leistung rausholen und vom Elektromotor mehr Power einspeisen können", sagte er. "Es wäre falsch, einem Automatismus zu folgen und dem Gegner falsches Spiel zu unterstellen." Andererseits sei es schon seltsam, dass Ferrari innerhalb von einem Rennen zum anderen so signifikant Leistung gefunden hätte.

Bei Mercedes hat man eine Steigerung von 28 Kilowatt (38 PS) errechnet. "Das ist ein Wert für den man bei normaler Entwicklung zwei Jahre braucht. Andererseits: Wenn Ferrari in der Lage war, das in so kurzer Zeit darzustellen, müssten wir das auch können." Auch die FIA schob eventuellen Vermutungen von "illegalen Tricks" einen Riegel vor: "Alles in Ordnung", heißt es von den Technikexperten des Weltverbandes.

Vettels Ferrari

Vettels Ferrari

Foto: ANDREJ ISAKOVIC/ AFP

Ermutigt durch diesen technischen Fortschritt wollte Vettel auch trotz des Rückschlags noch nichts von einer Vorentscheidung in der Weltmeisterschaft wissen: "Heute ist ein sehr bitterer Tag - aber wir werden wiederkommen." Vielleicht hilft es psychologisch sogar, dass es schon in einer Woche in Budapest weitergeht und die volle Konzentration dann wieder der Arbeit auf der Strecke gilt. "Wir hatten das Rennen in der Hand, wir haben allen gezeigt, was wir können, wir haben ein sehr gutes Auto. Ich bin zuversichtlich für Ungarn", versuchte er, sich kämpferisch zu geben.

Dann kommt erst einmal die Sommerpause - und danach erst einmal die zwei Rennen in Spa und Monza, bei denen der Ferrari-Power-Vorteil noch einmal voll zum Tragen kommen sollte - wenn Mercedes nicht bis dahin dem Geheimnis der Italiener auf die Spur kommen sollte.

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