Formel-1-Theater Mosley stellt Kompromiss in Frage

Der Streit in der Formel 1 schien beigelegt - doch nun ist fraglich, ob der Frieden zwischen den Rennställen und Max Mosley hält. Der Fia-Boss fühlt sich zu Unrecht als "Diktator" verunglimpft und fordert eine Entschuldigung. Andernfalls könnte er seinen angekündigten Rückzug rückgängig machen.


Hamburg - Der Formel-1-Frieden steht auf wackligen Beinen: Fia-Präsident Max Mosley hat den am Mittwoch zwischen dem Automobil-Weltverband und der Teamvereinigung Fota ausgehandelten Kompromiss in Frage gestellt. Der 69-jährige Brite beklagte, dass die Teamvereinigung Fota gegenüber der Presse angedeutet habe, er sei ein "Diktator" gewesen. Mosley fordert nun von der Fota eine öffentliche Entschuldigung, andernfalls würde er entgegen seiner Rücktrittsankündigung im Oktober möglicherweise doch noch einmal zur Wiederwahl antreten.

Mosley (Mitte) und di Montezemolo (r.): Wackliger Kompromiss
Reuters

Mosley (Mitte) und di Montezemolo (r.): Wackliger Kompromiss

"Wenn Sie wollen, dass die Vereinbarung, die wir getroffen haben, irgendeine Chance aufs Überleben hat, müssen Sie und die Fota unverzüglich ihre Handlungen berichtigen. Sie müssen falsche Aussagen, die gemacht wurden, korrigieren und dürfen nicht länger solche Aussagen tätigen", schrieb Mosley in einem am Donnerstag verfassten Brief an Ferrari-Chef und Fota-Präsident Luca di Montezemolo.

Fia World Motor Sport Council
Das World Motor Sport Council der Fia besteht aus insgesamt 26 Personen, mit Fia-Präsident Jean Todt an der Spitze. Zudem gehören unter anderem Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone sowie ein Vertreter von Ferrari stellvertretend für die Hersteller zum World Council. Das Gremium ist innerhalb der Fia zuständig für die Verwaltung des internationalen Motorsports, die kontinuierliche Verbesserung der Sicherheitsstandards in allen Bereichen des Motorsports, die Einführung von Reglements für alle Formen des Motorsports und Serien rund um die Welt sowie die generelle Entwicklung des Motorsports, besonders im Jugendbereich und in den Entwicklungsländern. Das World Council verabschiedet beispielsweise unter anderem die Regeln und den Terminkalender der Formel 1.
(sid)
Zudem würde es auch die anderen 25 Mitglieder des World Motor Sport Councils, die mit ihm Entscheidungen getroffen hätten, verunglimpfen, wenn er als "Diktator" bezeichnet werde. Darüber hinaus hätten sich Vertreter der Teams nicht an die Vereinbarung gehalten, über das Treffen am Mittwoch "gegenüber den Medien positiv und wahrheitsgemäß" zu berichten.

Mosley hatte eine Entschuldigung eigentlich schon auf einem Fota-Treffen am Donnerstag in Bologna eingefordert, wo es aber von Seiten der Teams keine solche Äußerungen gab. Allerdings ist nicht bekannt, ob der Brief Montezemolo zu diesem Zeitpunkt bereits vorgelegen hatte.

Neben dem Wort "Diktator" störte sich Mosley daran, dass seiner Meinung nach Fota-Kreise den Eindruck erweckt hätten, er sei aus dem Amt gezwungen worden. Auch die Darstellung, er würde sich bereits ab sofort bis zu seinem geplanten Ausscheiden im Oktober nicht mehr mit Formel-1-Themen befassen und diese Aufgaben Fia-Senatspräsident Michel Boeri überlassen, sei nicht richtig. Es sei auch falsch, dass er nach Oktober keine Rolle mehr innerhalb der Fia spielen würde. Ohne eine Entschuldigung wolle er sich bezüglich seines Verzichts auf eine weitere Amtszeit, den die Fia am Mittwoch in einer Pressemitteilung angekündigt hatte, seine Optionen offen halten. "Zumindest bis Oktober bin ich mit voller Amtsgewalt Präsident der Fia", sagte Mosley.

Für Sebastian Vettels Red-Bull-Teamchef Christian Horner wäre es ein "Desaster für die Formel 1, wieder einzusteigen in mehr Konfusion und neuen Streit. Die Fia war am Mittwoch sehr entgegenkommend, da hat es eigentlich die Lösung gegeben. Hoffentlich bleibt es dabei", sagte Horner am Freitagnachmittag.

In einem weiteren Schreiben, aus dem am Freitag das Magazin "Autosport" auf seiner Homepage zitierte, appellierte Mosley an die Fia-Mitgliedsverbände: "Die Frage des Fia-Präsidenten ist eine exklusive Angelegenheit für Sie, die Mitgliedsclubs der FIA, und definitiv nicht für die Automobilhersteller, die die FOTA ausmachen." Dabei bezog sich Mosley wohl auf die Aussagen von Fota-Vizechef John Howett, der sich am Donnerstag für einen "Unabhängigen" als Mosley-Nachfolger stark gemacht hatte. Der angeblich von Mosley favorisierte ehemalige Ferrari-Teamchef Jean Todt wäre dies nicht. "Wir müssen weiter die Unabhängigkeit der Fia verteidigen, selbst wenn es zu Schwierigkeiten in dem Sport führt", stellte Mosley klar, dessen Verband offenbar befürchtet, von der Fota weiter entmachtet zu werden.

Mosley, Montezemolo und Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone hatten am Mittwoch eine Einigung über die Zukunft der Formel 1 ausgehandelt, nach der die Teams ihre Drohung einer eigenen Serie zurücknahmen. Dabei wurde unter anderem vereinbart, dass die Königsklasse 2010 nach den aktuellen Regeln weiterfährt und es nicht die von Mosley gewünschte Budget-Obergrenze von 45 Millionen Euro oder ein Zwei-Klassen-Reglement gibt. Kostensenkungen sollen nach Plänen der Fota dennoch umgesetzt werden.

Mosley hatte von seiner Seite auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Das wäre ohnehin sein ursprünglicher und langgehegter Plan gewesen, stellte er jetzt in dem Brief noch einmal klar. Außerdem sei für die Formel 1 ein 25-köpfiges Team zuständig, ohne Hilfe von ihm oder einem anderen Außenstehenden: "Deshalb war es für mich möglich, ihnen beide Punkte zu bestätigen."

Horner fand unterdessen lobende Worte für Mosley. "Max Mosley hat in seiner Präsidentschaft fantastische Arbeit geleistet, besonders im Bereich der Sicherheit der Autos und der Strecken. Und er hat geholfen, die Kosten signifikant zu senken", sagte Horner: "Im Moment ist mein Verständnis, dass er nicht beabsichtigt, im Oktober wieder zu kandidieren, aber bis dahin ist er noch der Präsident."

wit/sid/dpa

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