Angeblicher Formel-1-Verkauf Und was wird jetzt aus Ecclestone?

Ein US-Konzern will offenbar die Formel 1 für 8,5 Milliarden Dollar kaufen. Was das für Chefpromoter Bernie Ecclestone bedeutet und wie sich der Rennsport ändern könnte - der Überblick.

Formel-1-Rennen in Monza
Getty Images

Formel-1-Rennen in Monza


Wer soll neuer Besitzer der Formel 1 werden?

Gerüchte über einen Verkauf der Formel 1 gibt es schon lange, nun könnte es einem Bericht des Fachmagazins "Auto, Motor und Sport" zufolge schnell gehen. Dem bisherigen Haupteigentümer CVC aus Luxemburg soll ein Angebot des US-amerikanischen Medienkonzerns Liberty Media über 8,5 Milliarden US-Dollar vorliegen. Noch in dieser Woche könnte der Verkauf öffentlich gemacht und eine erste Rate überwiesen werden.

Liberty Media befindet sich mehrheitlich im Besitz von John Malone, der das Unternehmen vor 25 Jahren gründete. Der Milliardär, als Besitzer der Baseball-Franchise Atlanta Braves mit sportlichen Fragen vertraut, ist in Europa an diversen Kommunikationsunternehmen beteiligt - in Deutschland am Kabelnetzanbieter Unitymedia. Und genau hier soll auch ein Schwerpunkt in der Arbeit des neuen Besitzers liegen, die Rechte an den Bewegtbildern der Formel 1 sollen teurer als bisher veräußert werden und so die Möglichkeit geschaffen werden, Antrittsgagen für Rennstrecken und Eintrittspreise für Zuschauer zu verkleinern.

Warum will CVC verkaufen?

Für das Finanzunternehmen ist der Verkauf ein lukratives Geschäft. Vor zehn Jahren kaufte CVC Anteile für etwa 830 Millionen Dollar und könnte nun das Zehnfache erlösen. Zudem soll der Gewinn in den vergangenen Jahren bis zu fünf Milliarden Dollar betragen haben. Auf der anderen Seite steckt die Formel 1 aktuell nicht in ihrer besten Phase. Fehlende Spannung, Regelchaos und komplizierte Technik haben zuletzt viele Negativschlagzeilen produziert.

CVC-Chef Donald Mackenzie hat allerdings bereits dementiert, dass es zu einer schnellen Einigung kommen könnte. "Ich wäre überrascht, wenn es in dieser Woche irgendeine Bekanntgabe geben würde", zitierte die "Daily Mail" Mackenzie.

Bernie Ecclestone
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Bernie Ecclestone

Was passiert mit Bernie Ecclestone?

Der Chefpromoter der Formel 1, der selbst noch 5,3 Prozent der Anteile hält, hat die Verhandlungen und die bevorstehende Einigung selbst bestätigt. Sofort kam im Fahrerlager das Gerücht auf, Ecclestone werde sich aus Verärgerung über den Verkauf zurückziehen.

Ohne finanzielle Entschädigung wird der 85-Jährige seinen Posten als Geschäftsführer aber sicher nicht räumen. "Ich tue, was ich immer getan habe", sagte Ecclestone am Rande des vergangenen Rennens in Monza. "Es ist meine Entscheidung, welche Rolle ich einnehme." Und auch Mackenzie glaubt nicht an eine schnelle Ablösung Ecclestones. "Soweit ich weiß, wird Bernie bleiben. Nichts hat sich geändert."

Welche Änderungen stehen der Formel 1 bevor?

Liberty Media will die Formel 1 an der New Yorker Börse platzieren - dadurch dürfte sich aus sportlicher Sicht wenig ändern. Anders sieht es bei der Gewinnverteilung an die Teams aus. Ecclestone hat individuelle Verträge ausgehandelt und bevorzugt so Traditionsrennställe und Teams mit wichtigen Herstellern.

Über ein Bonussystem erhielt Ferrari in der vergangenen Saison beispielsweise mehr Prämien als Weltmeister Mercedes, Sauber wiederum bekam insgesamt 138 Millionen US-Dollar weniger als Ferrari. Wegen dieses Ungleichgewichts läuft vor der Europäischen Kommission ein von Sauber und Force India angestrengtes Verfahren. Dieses System will Liberty Media kippen, um wieder mehr Konkurrenzkampf zu fördern.

Außerdem könnte es die Formel E, eine Formel-Rennserie mit Elektromotoren, ins Rahmenprogramm der Formel 1 schaffen. Bisher können die Zuschauer an einem Rennwochenende mit GP2, GP3 und Porsche Supercup drei weitere Rennserien verfolgen, mit der Formel E soll der Blick aber mehr in die Zukunft gerichtet werden.

Wer könnte auf Ecclestone folgen?

Wenn es Malone und Liberty Media schaffen, die über 30-jährige Regentschaft von Ecclestone zu beenden, dürfte auch dessen Alleinherrschaft beendet sein. Nach Informationen von "Auto, Motor und Sport" soll die Formel 1 in Zukunft von drei Personen gelenkt werden:

Der US-Amerikaner Chase Carey, bislang Vizepräsident des Medienkonzerns 21st Century Fox, soll den Börsengang in die Wege leiten. Zak Brown, ein Motorsport-Marketingexperte könnte eine große Schwäche der Formel 1 ausmerzen. Bisher ist die Königsklasse des Motorsports in sozialen Medien nur unzureichend vertreten. Und für das Tagesgeschäft gilt der Spanier Alejandro Agag, Promoter in der Formel E, als Favorit.

krä

insgesamt 32 Beiträge
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Arrows 05.09.2016
1. Die Formel 1 geht zu Ende
CVC kann den Laden für das 10-fache verkaufen? Das würde ich sofort machen. Die Zuschauerzahlen gehen jedes Jahr zurück, dank des leisen Hybridgesäusels. Das will keiner mehr sehen und keiner vor Ort hören. Die Formel 1 ist ursprünglich von und für echte Männer gemacht und nicht für Ökomüslis.
qewr 05.09.2016
2.
Meinetwegen Hubraum vereinheitlichen; den Rest frei, inkl. Reifenwahl und Zwischentanken.
stefanbodensee 05.09.2016
3. Der König dankt ab - es leben die Könige
Ein raffgieriger Mann geht - drei raffgierige Männer kommen - und irgendwie ändert sich was. Ecclestone war für mich in Teilen der Blatter des Motorsports und ich bin froh, wenn dieser geldgierige Rapunzel endlich mal in den mehr als gut gepolsterten Ruhestand entschwindet. Wie auch schon Blatter machte er viel zu lange den Fehler, sich für unentbehrlich und mega-wichtig zu halten und überall seine finger mit drin zu haben. Nun also wird er gehen - und die nächsten Geldgeier kommen ans Ruder . Obs jetzt besser wird bleibt wohl eher abzuwarten. Ich sage jetzt mal - nö ....
kojak2010 05.09.2016
4.
"was wird aus Bernie Ecclestone?" Das ist wirklich das letzte Problem in meinem Leben. Alles wird besser werden, wenn so ein uralter Profil Neurotiker endlich in Rente geht. Die Formel 1 könnte Sie gut und spannend sein, wenn man endlich mal Leute ran lassen würde, die die Herzen der Fans erreichen und nicht nur profil geile Araber.
willi_ac 05.09.2016
5. Oh mein Gott,
was wird nur aus Ecclestone? Sollen wir für ihn sammeln gehn, braucht er Raum in der Herberge? Ist sein Rollator kaputt oder Viagra alle? Dem Mann muss doch zu helfen sein - wir schaffen das!
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