Illegale Kopien in der Formel 1 Ferrari und Renault gehen gegen Racing-Point-Urteil vor

Racing Point soll Mercedes-Teile kopiert haben - die Strafe fiel milde aus. Das wollen zwei Rennställe anfechten. In der Formel 1 muss eine Grundsatzfrage geklärt werden.
Aushilfsfahrer Nico Hülkenberg im Racing Point beim Rennen in Silverstone

Aushilfsfahrer Nico Hülkenberg im Racing Point beim Rennen in Silverstone

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Ben Stansall/ AP

Der Motorsport-Weltverband Fia hat mit seinem Urteil für den Rennstall Racing Point nicht für die erhoffte Klarheit im Kopie-Streit der Formel 1 gesorgt und wird sich der Thematik nun ausführlicher widmen müssen. Die Angelegenheit liegt mittlerweile offiziell beim Berufungsgericht der Fia. Ferrari, Renault und auch Racing Point selbst bestätigten fristgerecht ihren Einspruch gegen das ursprüngliche Urteil. Der Konkurrenz erscheint es zu lasch, Racing Point dagegen sieht sich zu Unrecht bestraft.

Bis zur Entscheidung dürften nun einige Wochen vergehen. Streitpunkt bleibt Racing Points aktuelles Auto. Es ist von der reinen Geschwindigkeit her eines der schnellsten im Feld - und abgesehen von der pinken Lackierung dem Weltmeister-Mercedes von 2019 zum Verwechseln ähnlich.

Im Kern soll Racing Point die vorderen und hinteren Bremsbelüftungen unerlaubt von Mercedes kopiert haben. Dies bestätigte die Fia grundsätzlich in ihrem ersten Urteil in der vergangenen Woche, verhängte eine Geldstrafe über 400.000 Euro sowie den Abzug von 15 WM-Punkten in der Konstrukteurswertung. Das Problem für die Konkurrenz: Racing Point darf den Rennwagen trotzdem weiter in unveränderter Form nutzen und wird damit in diesem Jahr wohl noch zahlreiche WM-Punkte einfahren.

Racing Point ist sich dagegen keiner Schuld bewusst. Das hat wohl damit zu tun, dass man sich ziemlich geschickt im Regel-Graubereich bewegt hat. In der Formel 1 gibt es sogenannte "listed parts", die jedes Team selbst designen muss. Die Bremsbelüftung gehört erst seit Januar 2020 dazu, entworfen wurde der aktuelle Bolide aber natürlich im Jahr 2019.

Das Kräfteverhältnis in der aktuellen Saison ist nun die eine Sache, Racing Points Konkurrenten fühlen sich benachteiligt. Es geht schließlich - in einer Saison ohne Zuschauereinnahmen und extrem langer Rennpause - um das Ranking in der Herstellerwertung und damit am Ende des Jahres um Millionenbeträge. Möglicherweise wird in der Berufungsverhandlung auch die Rolle von Mercedes genauer beleuchtet. Experten hatten nach dem Fia-Urteil kritisch hinterfragt, warum die Hersteller des Originals - die eng mit Racing Point zusammenarbeiten - in dem Fall nicht belangt werden.

Wie viel Wissenstransfer ist erlaubt?

Generell wird in der Berufungsverhandlung aber eine Grundsatzfrage geklärt werden müssen: Es gehe "nicht nur um Bremsbelüftungen, sondern um eine Philosophie: Was ist erlaubt und was nicht", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Gerade für das Team von Silverstone-Sieger Max Verstappen sind grundlegende Entscheidungen über Wissenstransfer in der Formel 1 interessant, denn Red Bull besitzt mit AlphaTauri ein zweites Team, das davon stark profitieren könnte.

Wird Racing Point zum Präzedenzfall, dann könnte nicht nur Red Bull in Zukunft kostensparend wiederverwerten. Das wäre günstig, einen echten Wettbewerb der Konstrukteure gäbe es dann in vieler Hinsicht aber nicht mehr. Nicht nur das Werksteam Renault wünscht sich daher ein "klares Regelwerk, welches sicherstellt, dass alle Teams ihr Aerodynamik-Konzept für 2021 selbst entwickeln".

krä/sid