Mercedes-Pilot Bottas Der Gehilfe hilft nicht mehr

Nicht ein Formel-1-Rennen gewann Valtteri Bottas in der Vorsaison - jetzt führt der Finne nach vier Läufen die WM-Wertung an. Bei Mercedes stehen harte Teamduelle an.

Mercedes-Pilot Valtteri Bottas
PIERRE-PHILIPPE MARCOU AFP

Mercedes-Pilot Valtteri Bottas

Aus Barcelona berichtet Karin Sturm


Die deutlichsten Hinweise darauf, dass sich jemand verändert hat, kommen manchmal von der direkten Konkurrenz. Vor allem wenn die so tut, als hätte sich eben nichts verändert. Mercedes-Pilot Lewis Hamilton wird immer öfter nach der Veränderung bei seinem Teamkollegen, nach seiner Einschätzung zum "neuen Valtteri Bottas" gefragt. Der hat immerhin zwei der ersten vier Formel-1-Rennen 2019 gewonnen, führt die WM-Wertung an, hat Hamilton auch im Qualifying zweimal hinter sich gelassen - nachdem er 2018 noch komplett sieglos geblieben war.

"Außer bei seinem Bart sehe ich keine große Veränderung", sagte Hamilton im Vorfeld des Großen Preises von Spanien in Barcelona am Sonntag (15.10 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL und Sky). Weiter will er sich nicht auf die Frage einlassen. Um dann auf Nachhaken festzustellen, dass Bottas schließlich schon häufiger zu Saisonbeginn stark gewesen sei - man müsse mal abwarten. Und schließlich habe er ja seinen langjährigen zweiten Renningenieur an den Finnen abgeben müssen - das habe dem sicher auch geholfen.

Die Fortschritte des Rivalen kleinreden ist das eine. In Wahrheit merkt Hamilton genau, dass sich bei seinem Teamkollegen, der in den letzten beiden Jahren nie viel mehr als ein Wasserträger für ihn war, eben doch einiges getan hat. Und der sich nicht mehr so leicht zum willigen Helfer degradieren lassen wird.

Bottas hat im mentalen Bereich Fortschritte gemacht

Bottas ging im Winter, vor seinem dritten Jahr bei den Silberpfeilen, in sich: "Ich war enttäuscht und verärgert Ende 2018, besonders über den Verlauf der zweiten Saisonhälfte", sagte Bottas. "So habe ich mir geschworen: Das darf nie mehr passieren! Um meine Ziele zu erreichen, bin ich bereit zu tun, was nötig ist. Wenn ich dafür an einigen Stellen härter agieren muss, gehört das dazu." Er habe eben nur eine Karriere und wenn er immer nur seinen Teamkollegen unterstütze, anstatt selbst zu attackieren, erreiche er seine Ziele nicht.

Bottas hat im mentalen Bereich gearbeitet, eines der Schlüsselworte heißt dabei Konzentration: "Um ganz vorn zu sein, zum Beispiel im Qualifying, musst du die vielen Kleinigkeiten zusammenbringen. Das ist mir bisher in der Saison gut gelungen", sagte Bottas nach seinem zweiten Saisonsieg in Baku. "Zwei Siege aus den ersten vier Rennen zu holen, ist ein gutes Gefühl." Entscheidend war in Aserbaidschan schon der Start, als er zwar ein bisschen schlechter wegkam als Hamilton, sich aber in einem Rad-an-Rad-Duell doch durchsetzte und vorn blieb - ein Beweis dieser angekündigten neuen Härte.

Mika Häkkinen - zweifacher Weltmeister, Bottas' Jugendidol und eine Art Berater für seinen finnischen Landsmann - glaubt an einen langfristigen Erfolg. Im vergangenen Winter führten die beiden viele intensive Gespräche. Danach, noch vor den Wintertests, war Häkkinen überzeugt: "Valtteri ist clever, er schaut sich bei Hamilton Dinge ab, wie ich sie mir bei Prost und Senna abgeschaut habe. Er wird es schaffen."

Hamilton will härter auf Bottas' Angriffe reagieren

Bleibt die Frage, wie Hamilton reagiert. In Baku machte er deutlich, sich im Nachhinein schon über sich selbst geärgert zu haben und sagte, "ich bin da wohl ein bisschen zu weich gewesen, hab es ihm geradezu geschenkt." Beim nächsten Mal könnte der Brite gegen seinen Teamkollegen härter dagegenhalten. Bis es kracht? Wie 2016, in Barcelona, in der ersten Runde, zwischen Hamilton und Nico Rosberg?

"Nein", behauptet Hamilton, es werde garantiert nicht zu Berührungen kommen. Die Situation sei anders, er habe zu Bottas ein anderes Verhältnis als zu Rosberg, auch weil insgesamt im Team Dinge heute anders liefen als damals. Wobei er die kryptischen Andeutungen, was denn damals so falsch gelaufen sei, nicht präzisieren will. "Später vielleicht mal, wenn ich ein Buch schreibe."

Mercedes-Teamchef Toto Wolff scheint jedenfalls nicht sicher zu sein, dass kein neuer "Krieg der Sterne" droht. Er gibt zu, ein gewisses Déjà-vu zu haben: "Die Situation erinnert mich ein bisschen an 2014, 2015 und 2016. Wir haben zwei Fahrer, die Weltmeister werden wollen. Wir hingegen möchten, dass sie im Auto entschlossen zur Sache gehen, aber der gegenseitige Respekt muss bleiben."

Von einer Stallorder will Wolff aber zumindest im Moment noch nichts wissen: "Wir lassen unsere Piloten frei fahren, weil wir ihnen vertrauen. Der Kampf in der Startrunde in Baku über mehrere Kurven hat ja auch gezeigt, dass der Respekt untereinander groß ist." Verwundert über die Leistungssteigerung von Bottas, den er schon seit Langem fördert, ist er dabei nicht: "Er hatte das schon immer in sich - er kann es jetzt einfach nur konstanter abrufen."



insgesamt 9 Beiträge
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heimatminister 10.05.2019
1. Hamilton schon wieder nicht Weltmeister?
Frau Sturm, Ihre Artikel haben immer einen guten Unterhaltungswert. Aber Ihre Vorhersagen und Analysen sind ... Erinnern Sie sich an den letzen Sommer? Wenn nicht, lesen Sie hier* noch einmal nach: "Vettels Tanz, Hamiltons Frust". * https://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-grosser-preis-von-belgien-sebastian-vettel-tanzt-lewis-hamilton-hadert-a-1225038.html
steingärtner 10.05.2019
2. Nicht ein Rennen gewonnen
Bottas durfte durch Stallorder kein Rennen gewinnen. Die Prinzessin wäre sonst verärgert gewesen.
jesse01 10.05.2019
3. bottas kennt das team nun besser
er hat sich eingelebt, kennt das Team und Abläufe etc besser. fahrerisch absolut ebenbürtig, er war schon immer sauschnell, hat in den Nachwuchsklassen alles in Grund und Boden gefahren, und ist sicher so schnell wie Hamilton. keine Frage. fraglich aber, wie lange diva Hamilton das akzeptiert. Mercedes wird bottas sicher bald zurueckpfeifen, um die diva nicht zu veraergern. bin gespannt auf das rennen.
next 10.05.2019
4.
Zitat von steingärtnerBottas durfte durch Stallorder kein Rennen gewinnen. Die Prinzessin wäre sonst verärgert gewesen.
Sie verwechseln da etwas: M.K. Vettel brauchte die Stallorder, Ferrari gab sie ihm immer. Im Hause Mercedes durfte hingegen sogar ein N.Rosberg Weltmeister werde...
DownStairs 11.05.2019
5. @3 - jesse01
"... er war schon immer sauschnell, hat in den Nachwuchsklassen alles in Grund und Boden gefahren, und ist sicher so schnell wie Hamilton..." - naja wie schnell die beiden sind haengt wohl eigentlich vom auto ab. sieht man ja auch immer wieder, die besten fahrer sind ohne gutes auto nicht schnell genug. aber generell stimme ich zu, wenn wir das umwandeln in hat das fahrerische koennen um vorn zu fahren, wenn da keine stallorder kommt. und ich glaube die kommt erst wenn es es brenzlig wird mit den platzierungen und ist relativ offen wer da den vorrang bekommt, abhaengig von den rennen bis zu diesem punkt. die stallorder scheint eher bei ferrari im moment das problem zu sein, wo es doch eher so ausschaut als wenn man vettel mit gewalt die besseren chancen einraeumen moechte, auch wenn das bisher in dieser saison keinerlei rechtfertigung hat.
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