»Würde eine Kugel für ihn abfangen« Formel 1 verurteilt Ecclestone-Aussagen über Putin

Einst holte Bernie Ecclestone die Formel 1 nach Russland, nun verteidigt der 91-Jährige Wladimir Putin und dessen Überfall auf die Ukraine. Die Rennserie geht auf Distanz zu ihrem Ex-Geschäftsführer.
Bernie Ecclestone in Abu Dhabi (Archivbild von November 2016)

Bernie Ecclestone in Abu Dhabi (Archivbild von November 2016)

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David Davies / dpa

Die Formel 1 hat sich von Aussagen Bernie Ecclestones über Wladimir Putin distanziert. Der frühere Formel-1-Chef hatte den russischen Präsidenten Wladimir Putin im britischen Fernsehen als »erstklassige Persönlichkeit« (»first class person«) bezeichnet, für den er »eine Kugel abfangen würde« (»I'd still take a bullet for him«). Dabei war per Einblendung »Bernie Ecclestone aus der Formel 1« (»Formula One's Bernie Ecclestone«) auf dem Bildschirm zu lesen.

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Die Formel 1 teilte mit, Ecclestone habe eine »persönliche Sichtweise« geäußert. Die Meinung des 91-Jährigen stehe »in sehr deutlichem Gegensatz zur Position moderner Werte unseres Sports«, hieß es in einer Mitteilung vor dem Rennen in Silverstone weiter.

Ecclestone äußerte sich in der TV-Sendung weiter zu Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Den Tod Tausender unschuldiger Menschen in der Ukraine habe Putin mit der Invasion nicht willentlich in Kauf genommen, behauptete Ecclestone etwa. Die Verantwortung für den Krieg sieht der Milliardär hingegen beim ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der habe es verpasst, mit Putin zu sprechen.

Zwar deutete er an, dass Putin Fehler gemacht habe, doch das passiere hin und wieder und man müsse sein Bestes geben, um die Situation zu überwinden.

Die britische Außenministerin Liz Truss sagte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, die Kommentare seien »absolut außergewöhnlich« (»absolutely extraordinary«).

Ecclestone unterhielt gute Beziehungen zu Putin, gemeinsam holten sie die Formel 1 nach Russland. Dass die Rennserie als Reaktion auf Putins Krieg in der Ukraine den Großen Preis von Russland aus dem Rennkalender gestrichen und russische Fahrer ausgeschlossen hatte, ist aus Sicht Ecclestones falsch.

Ecclestone nimmt auch Piquet in Schutz

Auch den wegen rassistischer Aussagen über Lewis Hamilton in die Kritik geratenen Ex-Weltmeister Nelson Piquet nahm Ecclestone in Schutz. Der Brasilianer würde nicht absichtlich etwas Schlimmes sagen, behauptete er. Er sei verwundert, dass Hamilton die Angelegenheit nicht einfach beiseite gewischt hätte.

Der dreimalige Champion Piquet hatte Hamilton in einem erst jetzt bekanntgewordenen Interview aus dem vergangenen November rassistisch beleidigt. Die Formel 1, der Weltverband Fia sowie eine Reihe von Piloten und Teams sprangen Hamilton öffentlich zur Seite. Der 69 Jahre alte Piquet bat um Entschuldigung für seine Worte, bestritt aber einen rassistischen Hintergrund.

Vor zwei Jahren hatte der damals 89-jährige Ecclestone in einem CNN-Interview behauptet, in vielen Fällen seien schwarze Menschen rassistischer als weiße Menschen. In dem Interview hatte er den Einsatz von Hamilton gegen Rassismus gelobt, den Vorwurf der Diskriminierung in der Rennserie aber zurückgewiesen. Hamilton hatte diese Auslassungen als »ignorant und ungebildet« kritisiert.

Ecclestone hatte die Formel 1 zu einem milliardenschweren Spektakel gemacht, als »Pate der Formel 1«, aber hatte auch großen Anteil am teils miserablen Image der Rennserie – vom Bestechungsprozess in München über fragwürdige Austragungsorte wie Bahrain und Regeländerungen bis hin zu seinen wohlwollenden Worten zu Adolf Hitler und der Lobpreisung einer »Diktatur als gutem Regierungssystem«. Ecclestone war bis 2017 Geschäftsführer der Formel 1.

ngo/dpa/Reuters
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