Urteil in Reifentest-Affäre "Das ist eine Frechheit"

Mercedes freut sich, die Konkurrenz ist stinksauer: Das Urteil in der Reifentest-Affäre fiel überraschend milde aus. Die Formel-1-Teams spekulieren über die Gründe, warum der mächtige Rennstall so verschont wurde.

Mercedes-Bolide mit Pirelli-Reifen: Mildes Urteil in Testfahrt-Affäre
AFP

Mercedes-Bolide mit Pirelli-Reifen: Mildes Urteil in Testfahrt-Affäre


Hamburg - Für viel Aufregung hatte der Fall mit dem Aktenzeichen IT-2013-01 schon im Vorfeld gesorgt, die Entscheidung zog sich hin und musste wegen des Umfangs der Anhörungen sogar von Donnerstag auf den Freitag verschoben werden. Die Reifentest-Affäre hielt die Formel-1-Welt in Atem, selbst ein WM-Ausschluss für Mercedes kam als Strafe in Betracht. Als dann das Urteil bekannt wurde, war die Überraschung groß: Das Internationale Tribunal der Motorsportbehörde Fia sprach gegen Reifenhersteller Pirelli und Mercedes lediglich eine Verwarnung aus, der Rennstall darf zudem als einziges der elf Formel-1-Teams nicht am so genannten Young-Drivers-Test teilnehmen.

In der Szene wird das Urteil mit Skepsis aufgenommen. Besonders die Vertreter von kleineren Teams sind vor allem eines: desillusioniert. Offiziell traut sich keiner der Rennställe ohne Riesenlobby etwas zu den Gründen für das milde Urteil zu sagen, aber hinter vorgehaltener Hand fallen Sätze wie: "Das zeigt doch, dass Teams mit viel Geld und einem Weltkonzern im Rücken sich alles erlauben können. Unsereins hätte man doch sofort von der WM ausgeschlossen." Einige Konkurrenten haben das Gefühl, die Fia habe mit Mercedes einen Deal ausgehandelt.

Indizien dafür sind tatsächlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Denn es wirkt schon skurril, dass das Gericht unter Vorsitz des Briten Edwin Glasgow bei der Strafe ausgerechnet dem Vorschlag des Mercedes-Anwaltes Paul Harris folgte. Der Brite hatte dieses Strafmaß am ersten Verhandlungstages nach Ende der Beweisführung kleinlaut angeboten.

Unverständnis und Ärger bei Red Bull

Nicht wenige im F1-Zirkus könnten Angst davor haben, dass bei einem zu harten Urteil - zum Beispiel Ausschluss aus der Formel-1-Weltmeisterschaft - der Stuttgarter Konzern das F1-Engagement einstellen könne. Das hätte gravierende Folgen: Mindestens vier Teams stünden dann 2014 ohne Motoren da.

Einige Insider äußern dann doch offen ihr Unverständnis über das milde Urteil. "Das ist unerklärlich", lautete die spontane Reaktion von Ex-F1-Teamchef Colin Kolles (Jordan, Force India). Tür und Tor sei nun auch anderen Teams geöffnet, in Zukunft umstrittene Tests mit Stammfahrern und aktuellen Autos durchzuführen - mit der Gewissheit, dass die Strafen milde ausfallen und in Anbetracht der gewonnenen Daten leicht zu verschmerzen sind.

Helmut Markos spontane Reaktion war: "Das ist eine Frechheit." Der Red-Bull-Motorsportchef fügt ähnliche Argumente an wie Kolles. Red-Bull-Teamchef Christian Horner schloss sich der Meinung seines Chefs an und nimmt Bezug auf die Urteilsbegründung. Darin heißt es: Strafmildernd hätte es sich ausgewirkt, dass Mercedes und Pirelli "in gutem Glauben" gehandelt hätten, weil sie sich durch die Fia in ihrem Vorgehen bestätigt gefühlt hätten. Ansonsten hätte dieser Test "nicht stattgefunden."

Horner sagt aber auch: "Zwei Stammfahrer bringen bessere Ergebnisse als Formel 1-Neulinge." Soll heißen: Der Young-Driver-Test, an dem Mercedes nicht teilnehmen darf, bringt weitaus weniger Erkenntnisse, als der Test, den Mercedes mit den beiden Stammpiloten durchgeführt hat.

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filmwobbler 21.06.2013
1. Grober Fehler
bei dem Auto auf dem dargestellten Foto handelt es sich um eine McLaren Mercedes, nicht aber um einen Mercedes AMG Petronas und genau um dieses Team ging es bei dem FIA Tribunal
Sintatnun 21.06.2013
2. Untertitel Bild falsch
Nur als Hinweis: Das auf dem Bild ist kein Mercedes, sondern ein McLaren-Mercedes. Die haben nichts mit dem Reifentests zu tun.
drmedwurst 21.06.2013
3. Geld regiert die Welt
Also auch den (Renn-)Sport. Da lässt sich wohl nichts machen. PS: es heißt ?Rennställe? nicht ?Rennstelle?
proanima 21.06.2013
4. Frechheit?
Zitat von sysopAFPMercedes freut sich, die Konkurrenz ist stinksauer: Das Urteil in der Reifentest-Affäre fiel überraschend milde aus. Die Formel-1-Teams spekulieren über die Gründe, warum der mächtige Rennstall so verschont wurde. http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-verwunderung-ueber-mildes-urteil-gegen-mercedes-a-907214.html
Ohne Mercedes gäbe es KEINE Formel1. Die Welt würde von Pferdedroschken oder/und Dampfmaschinen bevölkert sein. Also einfach mal Ball flach halten - oder wer hat das Auto erfunden?
B. Goebel 21.06.2013
5. Unfassbar
Zitat von sysopAFPMercedes freut sich, die Konkurrenz ist stinksauer: Das Urteil in der Reifentest-Affäre fiel überraschend milde aus. Die Formel-1-Teams spekulieren über die Gründe, warum der mächtige Rennstall so verschont wurde. http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-verwunderung-ueber-mildes-urteil-gegen-mercedes-a-907214.html
Für mich ist das Urteil ein Skandal und nicht nachvollziehbar. Mercedes hat unbestritten mit dem aktuellen Wagen Reifen von Pirelli getestet. Was gibt es da noch zu deuten?
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