Formel 1 Vettels Vernunft-Entscheidung

Sebastian Vettel hat mit seiner Unterschrift bei Red Bull alle Spekulationen über eine Zukunft bei Ferrari oder Mercedes vorerst beendet. Aus sportlicher Sicht war das die richtige Entscheidung. Der Wechsel zu einem anderen Team wäre ein Abstieg gewesen.
Von Gereon Detmer
Formel-1-Pilot Vettel: Glänzende sportliche Perspektive bei Red Bull

Formel-1-Pilot Vettel: Glänzende sportliche Perspektive bei Red Bull

Foto: AP

Wenn es wichtige Entscheidungen zu treffen gilt, lässt sich Sebastian Vettel nicht gerne beeinflussen. Der 23-Jährige hat keinen Manager, der ihn bei Vertragsverhandlungen unterstützt oder Werbe-Verträge an Land zieht. Nur ein Anwalt steht Vettel zur Seite. Hinter seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung bei Red Bull stehen also nicht die Interessen eines windigen Beraters, der das große Geld gewittert hätte.

Vettel traf in Eigenverantwortung die Entscheidung, in dem Rennstall seine Karriere fortzusetzen, bei dem er in der vergangenen Saison zum jüngsten Weltmeister in der Formel-1-Geschichte wurde. Und unabhängig davon, ob Vettel bei einem anderen Team mehr Geld hätte verdienen können, war es aus sportlicher Sicht die einzig richtige Entscheidung.

"Als Rennfahrer willst du immer im schnellsten Auto sitzen, weil du immer gewinnen willst. Man schaut also immer dahin, wo man das beste Paket bekommt. Und da fühle ich mich bei Red Bull im Moment sehr wohl", sagte Vettel nach seiner Unterschrift unter den bis 2014 laufenden Vertrag.

Ob Vettel tatsächlich noch drei Jahre für Red Bull fährt, sei dahingstellt. Ein Wechsel zu Ferrari oder Mercedes - jene Teams, mit denen er immer wieder in Verbindung gebracht wurde - wären für den Weltmeister in der jetzigen Phase jedoch ein sportlicher Abstieg gewesen.

Ferraris Alpha-Tier Alonso

Bei Ferrari hätte er sich mit Fernando Alonso um die Rolle des Platzhirschen streiten müssen. Der Spanier ist bei dem Team aus Maranello die unumstrittene Führungspersönlichkeit. Schmerzlich erfahren musste dass sein brasilianischer Teamkollege Felipe Massa, der Alonso beim Hockenheim-Rennen auf Anweisung der Teamleitung zähneknirschend passieren lassen musste.

Zudem gilt Alonso vielen als der schnellste Fahrer im Feld. Auch Vettel bekam das in der letzten Saison zu spüren. Seinen möglichen dritten Titel verlor Alonso nur, weil sein Team beim Saisonfinale in Abu Dhabi taktische Fehler beging.

Auch Mercedes wäre für Vettel derzeit keine Option. Das deutsche Werks-Team ist mit Nico Rosberg und Michael Schumacher gut aufgestellt. Eine Verpflichtung des Weltmeisters würde erst nach einem Rückzug von Schumacher Sinn machen. Dessen Vertrag ist allerdings noch bis 2012 datiert. Zudem deutete Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zuletzt an, sich auch eine über 2012 hinausgehende Zusammenarbeit mit Schumacher vorstellen zu können.

Mercedes hat kein Weltmeister-Auto

Abgesehen davon ist Mercedes auch aus sportlicher Sicht für Vettel nicht interessant. Die Silberpfeile fuhren in der letzten Saison nur hinterher. Rosberg schaffte dreimal den Sprung auf das Podium, Schumacher nicht ein einziges Mal. Die Tendenz für 2011 geht zwar nach oben, ein Weltmeister-Auto ist der MGP-W02 aber noch nicht.

Bei Red Bull dagegen deuten die Testergebnisse aus diesem Jahr auf ein erneut schnelles und zuverlässiges Auto hin. Auch Vettels Position gegenüber seinem australischen Teamkollegen Mark Webber ist durch seinen Weltmeister-Titel gestärkt. Hinzu kommt eine emotionale Verbundenheit zu den Österreichern, die Vettel als Zwölfjährigen in ihr Förderprogramm aufnahmen und an die Spitze des Motorsports führten.

Vettel verhehlt allerdings auch nicht, dass er irgendwann in einem roten oder silbernen Cockpit sitzen möchte. In einer Kolumne der "Bild"-Zeitung schrieb er vor einiger Zeit, dass jeder Fahrer insgeheim von Ferrari oder Mercedes träume. Ob man irgendwann dort fahre, hänge jedoch von vielen Faktoren ab. "Da muss dann alles zusammenpassen", so Vettel.

Das tut es derzeit aber nur bei Red Bull.

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